Ein Großer sagt servus Jozef Potac beendet seine Karriere

Jozef Potac im Wechselbad der Gefühle, als das Karriereende nahte: Im Anschluss an die nachdenklichen Momenten auf der Bank (links) ließ der Bayreuther Kapitän vor den Fans die „Sau raus“. Foto: Peter Kolb

EISHOCKEY. "Ein Spieler mit starkem Charakter, ein echter Sportsmann, der wesentlichen Anteil an den Erfolgen der Bayreuther Mannschaften hatte.“ Der von Matthias Wendel, dem Geschäftsführer der Bayreuth Tigers, so hoch Gelobte, ist am Wochenende beim Saison-Abschlussfest offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Jozef Potac, der Kapitän der Bayreuther DEL2-Mannschaft, legte nach 22 Jahren Profisport und über 800 Punktspielen seine Schlittschuhe auf Eis.

40 Jahre ist der im slowakischen Bystrica geborene Verteidiger mittlerweile alt. Neun Jahre davon verbrachte er in Bayreuth, das für ihn längst Heimat geworden ist. Aber auch wegen seiner bescheidenen, ruhigen und sympathischen Art zählt der langjährige Tigers-Kapitän zu den Lieblingen der Bayreuther Sportszene. Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Deshalb würde Potac hier gerne noch ein paar Jahre dranhängen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Gewähren Sie uns doch zunächst ein paar Einblicke in Ihr Innenleben. Wie waren die letzten Momente im Trikot der Bayreuth Tigers?

Jozef Potac: Als das entscheidende vierte Spiel in Deggendorf vorbei war, wollte ich nur noch feiern oder – auf gut Deutsch – die Sau rauslassen. Da ist wirklich alles abgefallen. Während des Spiels, besonders in den Momenten, als ich auf der Bank saß, ist mir so viel durch den Kopf gegangen. Es fiel mir richtig schwer, mich auf das Spiel zu konzentrieren. Ich habe mich an die ersten Stationen meiner Laufbahn im Männerbereich erinnert und an die Zeit, als ich nach Bayreuth gekommen bin. Da ist mir auch so richtig bewusst geworden, dass das heute alles zu Ende sein kann. Das war hochemotional.

Sie haben schon zum Jahreswechsel angedeutet, Ihre Karriere nach dieser Saison beenden zu wollen. Was waren Ihre Beweggründe?

Potac: Ich hatte diesen Entschluss eigentlich schon vor der Saison gefasst. Egal wie diese Saison auch ausgehen sollte. Besonders gemerkt habe ich es beim letzten Sommertraining. Das hat mir lange nicht mehr so viel Spaß gemacht wie früher. Es war mehr eine Qual. Es fiel mir schwer, mich zu motivieren. Fahrradfahren und zum Krafttraining, das mache ich ja sonst auch gerne. Aber eben lieber hobbymäßig und nicht dann, wenn ich muss. Dieses Motivationsproblem beim Sommertraining war ein wichtiger Hinweis.

Geschäftsführer Matthias Wendel hat angedeutet, noch einen Versuch unternehmen zu wollen, Sie umzustimmen…

Potac: Nein, das war nicht nötig. Mein Entschluss stand fest. Ich habe ihn dann auch Trainer Petri Kujala mitgeteilt. Damit war das Ding durch.

Bereut haben Sie Ihren Entschluss bislang noch nicht?

Potac: Nein, bislang fühlt es sich auch noch nicht wie ein Ende einer Laufbahn an, sondern eher wie das Ende einer Saison. Es kann aber schon gut sein, dass noch etwas nachkommt, wenn die Saison wieder losgeht.

Was waren die Momente, die Ihnen in Ihrer Karriere am deutlichsten in Erinnerung geblieben sind?

Potac: Zunächst einmal erinnere ich mich daran, dass wir im Schüler- und Jugendbereich in der Slowakei mehrmals aufgestiegen und danach sofort wieder abgestiegen sind. Das war kurios und schon ein ganz schönes Wechselbad der Gefühle. Ansonsten waren die Highlights ohne Zweifel unsere Aufstiege in Bayreuth in die Oberliga und in die DEL2. Das war schon ganz besonders. Großartig war auch unsere erste DEL2-Saison, die wir mit einem Pre-Playoffplatz gekrönt haben. Auch die hat für mich einen ganz hohen Stellenwert.

Ein besonders lustiger Moment?

Potac: Spontan erinnere ich mich an ein Spiel in der Slowakei. Es war ein Auswärtsspiel, rund 150 Kilometer entfernt. Das hatten wir gewonnen und dementsprechend auch kräftig spontan gefeiert. Ein Mannschaftskamerad und ich sind etwas spät zum Bus gekommen. Von dem haben wir dann nur noch die Rücklichter gesehen, obwohl unsere Taschen schon eingeladen waren. Damals gab es ja noch keine Handys, so dass wir niemanden im Bus erreichen konnten. Aufgefallen ist dem Team unser Verlust erst nach der Ankunft, als unsere beiden Taschen nicht ausgeladen wurden. Wir hatten in der Zwischenzeit schon die Freundin meines Mannschaftskollegen angerufen, die uns dann mit dem Auto abgeholt hat.

In einer Karriere wie Ihrer gab es auch Rückschläge. Was waren die bittersten Momente?

Potac: Als ich im Alter von 18, 19 Jahren kurz nacheinander zwei Kreuzbandrisse in beiden Knien erlitten habe. Damals war es nicht sicher, ob ich überhaupt würde weiter Eishockeyspielen können.

Welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt und warum?

Potac: Da gab es so viele. Ich habe immer versucht, das Positive von jedem Coach mitzunehmen. Der Trainer muss nicht dein bester Freund sein, er muss dir aber etwas beibringen können. Es ist so ein bisschen wie in einer Ehe. Nicht alles ist positiv, man muss einfach irgendwie miteinander klar kommen, ansonsten muss man sich was anderes suchen.

Sie haben in Bayreuth 410 Spiele absolviert und 427 Scorerpunkte in neun Jahren für den EHC und die Tigers markiert. Das ist eine unfassbar lange Zeit für einen nicht einheimischen Profisportler. Was schätzen Sie hier?

Potac: Es hat mir in Bayreuth von Anfang an super gefallen. Ich kam ja damals aus Leipzig nach Bayreuth. Leipzig war mir zu groß. Bayreuth ist für mich genau richtig, eine sehr schöne Stadt, in der man alles hat, was man braucht. Sehr gut gefallen hat mir auch das familiäre Umfeld, das es immer gab, selbst nach der Professionalisierung.

Wie geht es nun bei Ihnen weiter? Sie haben die Trainer B-Lizenz gemacht. Sehen wir Sie schon in der kommenden Saison als Trainer an der Bande?

Potac: Das steht noch nicht fest. Fakt ist, dass ich wirklich gerne hier bleiben würde. Der Verein und ich führen gerade Gespräche dahingehend, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, mich irgendwie einzubinden, als Co-Trainer oder im Nachwuchsbereich.

Eine Prognose – wie geht es mit den Bayreuth Tigers in naher Zukunft weiter?

Potac: Der Verein ist auf einem sehr guten Weg. Ein wichtiges Signal waren die vielen Vertragsverlängerungen. Schaffen wir es in der kommenden Saison da weiterzumachen, wo wir jetzt aufgehört haben, halte ich einen zehnten Platz für durchaus realistisch.


Sechs weitere Abgänge bei den Tigers

Nicht nur Kapitän Jozef Potac wird den Bayreuth Tigers in der kommenden DEL2-Saison fehlen. Auch die Stürmer Mark Heatley, Timo Gams, Tobias Kirchhofer, Johan Lorraine und Luca Gläser sowie Verteidiger Simon Mayr werden dem Zweitliga-Standort den Rücken kehren. „Sie werden sich neuen Herausforderungen stellen“, sagte Matthias Wendel auf Nachfrage unserer Zeitung.

Gleichzeitig bestätigte der Geschäftsführer, dass in diesen Tagen Gespräche mit den Stürmern Juuso Rajala und Benjamin Kronawitter bezüglich einer Vertragsverlängerung geführt werden. Immer noch bedeckt halten wollte sich Wendel zu den beiden angekündigten Neuzugängen aus der DEL2.

„Beide stehen immer noch im Spielbetrieb bei Playoff-Vereinen“, sagte der Geschäftsführer und verriet damit zumindest, dass die beiden Neuzugänge aus dem Kreise der Löwen Frankfurt, der Dresdner Eislöwen, der Ravensburg Towerstars und des ESV Kaufbeuren kommen müssen. „Das zeigt, dass wir anscheinend doch eine gute Wahl getroffen haben.“

 

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