Ein fast vergessener Schüler Paul Klees Georg Jakob Bests Erbe könnte nach Bayreuth kommen

Das Erbe des Paul-Klee-Schülers Georg Jakob Best könnte demnächst in Bayreuth zu sehen sein: Der Kulturausschuss der Stadt hat sich gestern bereits für die Einrichtung einer Stiftung ausgesprochen.

Die eine Seite der Geschichte ist eine menschliche, sie handelt von einem Künstler, der zur falschen Zeit im falschen Land lebte, und von einer Frau in der Oberpfalz, die nun einen Platz fürs Schaffen dieses Mannes sucht. Die andere Seite ist eine kunsthistorische, es darum geht, wie bedeutend ein Künstler sein kann, an den sich kaum jemand erinnert. Es ist vor allem diese zweite Seite der Geschichte, die Bayreuths Grüne interessiert.

Die Geschichte beginnt mit einem Maler, der nicht mit dem Kunstbegriff der Nazis zusammenpasst, der nicht mehr arbeiten und ausstellen darf, und nach dem Krieg nicht mehr recht an seine hoffnungsvollen Anfänge anknüpfen kann, mal lehrt, dann schließlich Kunst am Bau gestaltet. Hundertjährig ist er vor zehn Jahren gestorben, als der letzte aus der kleinen Schar der Schüler Paul Klees. Bis zuletzt hat Georg Jakob Best von seinem „wunderbaren Lehrer“ geschwärmt.

Bests Tochter, die über ihren Vater publiziert hat und sein Andenken verteidigt, fühlt nun, dass es an der Zeit ist, für das Erbe ihres Vaters einen Platz zu finden. Viola Schweinfurter, so heißt sie, ist 60 Jahre alt. „Ich will mein Anliegen schnell auf den Weg bekommen“, sagt sie. Sie möchte, dass die Werke und Dokumente ihres Vaters irgendwo in ihrer Nähe sind, an einem Ort, der einen Bezug zu ihm, zu seiner Kunst und zu seiner Zeit hat. Am besten also in Bayreuth. Viola Schweinfurter ist dabei, eine Stiftung einzurichten. Die Stadt Bayreuth soll mit dieser Stiftung zusammenarbeiten, die Bilder und Unterlagen ihres Vaters aufbewahren und pflegen.

Was die Grünen wiederum nicht einsehen. Der Wert der Sammlung, so Stefan Schlags, sei einfach nicht groß genug, um der Stadt Bayreuth eine solche Verpflichtung aufzubürden. Stimmt das? Wie bedeutend ist ein Maler, über den im Internet so gut wie nichts zu finden ist, nicht mal in Wikipedia?

Viola Schweinfurter ist Musikerin und macht seit drei Jahrzehnten regelmäßig im Sommer Kammermusik in Bayreuth, zusammen mit Festspielmusikern. „Ich habe deswegen zu Bayreuth einen guten Kontakt“, sagt sie, „so habe ich Frau von Assel kennengelernt.“ Marina von Assel ist die Leiterin des Kunstmuseums Bayreuth. Eine Museumsmacherin, die vor allem die Kunst des 20. Jahrhunderts bis in ihre Verästelungen und Zusammenhängen zu beschreiben weiß. Sie sagt: „Best gehört zu den wenigen, die der kritische Paul Klee überhaupt angenommen hat.“ Die Sammlung Best passe zum Kunstmuseum, wegen seines Profils, aber auch wegen seines Caspar-Walter-Rauh-Schwerpunkts.

Rauh wäre beinahe Schüler Klees geworden. Aber dann kamen die Nazis und jagten Klee von der Kunstakademie in Düsseldorf. Kurz: Wegen seiner Rolle als Maler, aber auch wegen der Möglichkeiten für die Forschung sei die Sammlung – Gemälde, Grafiken, aber auch Fotos, Briefe und Entwürfe – „eine große Chance“. Das sieht Schlags anders, und deswegen will er per Dringlichkeitsantrag die Zusammenarbeit mit der Stiftung verhindern. Und weist darauf hin, dass Internetrecherchen kaum Spuren von Ausstellungen und dergleichen ergeben. „Eine Wüste“, sagt Schlags. Was Christoph Wagner, Experte fürs Bauhaus und die Nachkriegskunst, nicht nachvollziehen kann.

Der Professor von der Uni Regensburg arbeitet an einer Best-Monografie, die im kommenden Frühjahr erscheinen soll. „Best ist ein sehr interessanter Maler“, sagt er, „eine interessante Gestalt der Kunstgeschichte von einer respektablen künstlerischen Qualität.“ Aber eben ein vollkommen vergessener Künstler, einer, an dem der Markt vollkommen vorbeigegangen sei. Oder umgekehrt. Das aber sei nicht so ungewöhnlich, sagt der Hochschullehrer: „Wir glauben, dass wir alles wissen. Das war damals nicht so, das ist auch heute nicht so.“ Wagner sieht in Best „einen der interessantesten Schüler“ Klees, mit einem langen Schaffensweg, mit vielen Etappen, nie ganz einer der Abstrakten, nie ganz einer der Gegenständlichen. Dem großen Lehrer ist in Bern ein eigenes Institut gewidmet, das Zentrum Paul Klee (ZPK). 18 Arbeiten des Schülers hat das Institut vor wenigen Jahren angenommen, „auch weil das Werk Bests zu Beginn deutliche Einflüsse zeigt“, wie Eva Wiederkehr vom ZPK sagt. Sie sagt aber auch: „Best war ein eigenständiger Künstler, kein Epigone.“ Recherchen ergeben schließlich, dass Best sogar ziemlich häufig in Ausstellungen zu sehen war, auch in wirklich bedeutenden wie 1946 bei den Kunstwochen Konstanz. Dort befand er sich in Gesellschaft mit Malern wie den Brücke-Expressionisten Schmidt-Rottluff oder Heckel. Auch im Frankfurter Städel war er zu sehen, die Kunsthalle Mannheim besaß zwei Best-Bilder, die die Nazis 1937 als „entartet“ abhängten.

Der Kulturausschuss hat sich gestern für die Stiftung ausgesprochen. Und wenn der Stadtrat folgt, können sich die Kunsthistoriker in Bayreuth an die Wiederentdeckung eines Vergessenen machen.

Viola Schweinfurter hätte dann einen Platz fürs Erbe ihres Vaters gefunden.

 

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