EHC Bayreuth von Insolvenz bedroht Der Nachwuchs wandelt am Abgrund

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EISHOCKEY. Der harmonische Verlauf der Mitgliederversammlung des EHC Bayreuth stand im krassen Gegensatz zu den Zukunftsperspektiven des Vereins. Denn die sind alles andere als rosig. „Erzielen wir keine Einigung mit den Gläubigern, gehen wir in die Insolvenz. Und das bedeutet, dass wir wahrscheinlich alle unsere Mannschaften aus dem laufenden Spielbetrieb zurückziehen müssen“, beschreibt Vorsitzende Christiane Colditz am Tag nach der Versammlung ein düsteres Szenario, das auch Konsequenzen für die DEL2-Mannschaft der Tigers haben würde.

Düsteres Szenario: EHC-Vorsitzende Christiane Colditz informierte die Mitglieder in der jüngsten Versammlung über die Konsequenzen einer Insolvenz. Foto: Rudi Ziegler

Gestützt wird die Aussage der EHC-Vorsitzenden durch ein an sie gerichtetes Schreiben vom Bayerischen Eissport Verband (BEV). Darin wird aus der Satzung zitiert, die das Erlöschen der BEV-Mitgliedschaft in ihrem Paragrafen 3.1 regelt. Konkret heißt es im besagten Passus, dass die Mitgliedschaft im Verband unter anderem erlischt, „sobald ein Eröffnungsantrag im Insolvenzverfahren über das Vermögen des Mitglieds mangels Masse abgewiesen oder ein eröffnetes Insolvenzverfahren mangels Masse eingestellt worden ist“.

Gewinn im zurückliegenden Geschäftsjahr

Der EHC ist aufgrund von Altlasten aus dem Zeitraum zwischen 2013 bis 2016 finanziell unter Druck geraten und nun akut vom Konkurs bedroht. Dabei betont Christiane Colditz mit Nachdruck, dass diese Schieflage ausschließlich aus der Vergangenheit rührt. „Wir haben ordentlich gewirtschaftet. Unser Vereinsergebnis von über 9000 Euro Gewinn bis zum Stichtag am 30. April dieses Jahres – und das bei einem Jahresetat von 120.000 Euro – spiegelt das wider.“

Damals, bis 2016, lief die im Unterhalt sehr kostenintensive erste Mannschaft noch unter dem Dach des EHC. Heute ist der EHC mit seiner Nachwuchsabteilung und den sieben im Ligabetrieb stehenden Mannschaften Stammverein der Bayreuth Tigers, einer Spielbetrieb-GmbH. Auch deren Spielberechtigung ist bei einer Insolvenz des EHC in großer Gefahr. Denn: „Laut Satzung benötigen die Bayreuth Tigers eine Kooperation mit einem Verein, der eine Nachwuchsabteilung unterhält“, sagt Colditz.

Das weiß auch Matthias Wendel, der Geschäftsführer der Bayreuth Tigers. Der versichert aber gleichzeitig: „Aktuell hätte eine Insolvenz des EHC keinen Einfluss auf die Spielberechtigung der Tigers in der DEL2.“ Vor der nächsten Saison allerdings müsste man sich neu aufstellen und neue Strukturen schaffen, ergänzt Matthias Wendel.

Die Zeit wird knapp

Das große Problem des EHC: Die Zeit wird knapp. Wie berichtet, haben einige Gläubiger bereits mit Zwangsvollstreckung gedroht. „Deshalb haben mein Vorstandskollege Michael Schwellengreber und ich in Kürze einen Termin mit einer Anwältin, die auf Insolvenzrecht spezialisiert ist“, sagt Christiane Colditz, „denn wir möchten uns nicht dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung ausgesetzt sehen.“

Letztlich hängt das Wohl und Wehe des Bayreuther Eishockeys offenbar an zwei Gläubigern: der Arbeitsverwaltung und der Berufsgenossenschaft. Deren finale Antwort steht immer noch aus. Alle anderen, insbesondere die Krankenkassen, haben signalisiert, auf 50 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten.