Dubiose Haustürgeschäfte im Fichtelgebirge Ein Handwerker kämpft gegen unlautere Mitbewerber

Rainer Müller aus Fichtelberg restauriert einen Vorplatz in Bischofsgrün. Doch bei seiner Arbeit kommen ihm immer wieder mutmaßlich unlautere Mitbewerber in die Quere. Foto: Andreas Gewinner

Ein echtes Schnäppchen? Oder doch eher zu gut, um wahr zu sein? - Steinreinigung für Eingang, Treppe, Garageneinfahrt, Terrasse pauschal für nur 350 Euro. Der „Mobile Reinigungsdienst“  war auf gut Glück an der Haustür einer Familie in Warmensteinach erschienen und hatte seine Dienste angeboten. Die Betroffenen reagieren skeptisch. Und Einer ärgert sich gewaltig.

Auf dem Angebotszettel des "Mobilen Reinigungsdienstes" für die Warmensteinacher Familie stand nur eine Handynummer, keine Adresse. „Das und der niedrige Preis haben uns stutzig gemacht“, sagt die Frau aus Warmensteinach, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Sie wendet sich an Rainer Müller in Fichtelberg, der mit insgesamt sechs Leuten Pflasterarbeiten, Steinreinigung und -veredelung anbietet. Für ihn nichts Neues. Er kennt weitere Fälle. Mal sind die Angebotspreise unreell niedrig, mal überteuert: „Einem Kunden in Mehlmeisel wurde ein Preis von 70 Euro je Quadratmeter angeboten.“ Ein weiterer Kunde eines fliegenden Handwerkers in Eckersdorf sei mit der Arbeit letztlich unzufrieden gewesen.

Doch was Müller am meisten ärgert: Die mutmaßlich unseriösen Anbieter, die in seiner Nachbarschaft unterwegs sind, bedienen sich bisweilen seines Werbeslogans und teils sogar seines Logos. Müller ist Lizenznehmer von Steinfresh, einer Mindener Firma, die nach eigenen Angaben ein spezielles Verfahren zur dauerhaften Steinpflege ohne Chemie entwickelt hat. „Wir haben massenweise solche Fälle“, sagt Günther Droste, Eigentümer und Geschäftsführer von Steinfresh, nach dessen System Rainer Müller aus Fichtelberg arbeitet. „Wir haben das schon oft angezeigt“, so Droste. Doch die Polizei sage, das seien Bagatellen, und die Staatsanwaltschaft habe kein Interesse oder sei überfordert.

Im konkreten Fall aus Warmensteinach hat Droste einen Anwalt eingeschaltet: „Aber wir haben nur eine Handynummer, wir können nicht mal eine Abmahnung zustellen.“ Die Handynummern auf den Handzetteln der fliegenden Handwerker seien oft die von Prepaidkarten und nach kurzer Zeit nicht mehr erreichbar. Zu den Maschen mit denen sich Droste rumschlagen muss, gehören unrealistische Garantieversprechen, etwa von fünf Jahren, oder dass der Eindruck erweckt werde, die Steine würden versiegelt, tatsächlich würden sie allenfalls gereinigt. Auch der Slogan und teils sogar das Logo von Steinfresh würden einfach kopiert. Seine Lizenznehmer wie Rainer Müller gingen nicht von Tür zu Tür. Und nähmen auch kein Bargeld, sondern stellten eine Rechnung. „Denn unsere Arbeit gilt als haushaltsnahe Dienstleistung. Und nur mit Rechnung kann der Kunde sie von der Steuer absetzen.“

Das sagt die Handwerkskammer: Bei der HWK seien zu dem konkreten Fall keine Beschwerden oder Meldungen eingegangen, so Benedikt Helldörfer: „Leider kommt es immer einmal wieder zu solchen unseriösen Türgeschäften, allerdings ist die Fallzahl nach unserem Kenntnisstand in Oberfranken verhältnismäßig gering.“ Dennoch sei die Bekämpfung solcher Türgeschäfte oder Schwarzarbeit von großer Bedeutung: „Hier sind wir allerdings auch auf die Mithilfe der Betriebe angewiesen. Sollten solche Fälle bekanntwerden, können sich betroffene Handwerker (auch anonym) an die Rechtsberatung der Handwerkskammer für Oberfranken wenden und diese Fälle melden.“

Das sagt die Polizei: Unterhalb des Oberbegriffs „Betrug“ gibt es keine eigene Statistik über betrügerische Handwerker. Nach Rücksprache im Kollegenkreis sagt Polizeipressesprecher Jürgen Stadter: „Das ist momentan überhaupt kein Thema. Wir schließen aber eine Dunkelziffer nicht aus.“ Und Stadter kann sich an die „britischen Teerkolonnen“ erinnern, die vor Jahren in der Region unterwegs waren. Und in Haustürgeschäften etwa das Asphaltieren von Hofeinfahrten anboten, oft in minderwertiger Qualität und zu überhöhten Preisen. „Unser allgemeiner Rat bei solchen Haustürgeschäften ist: Äußerst skeptisch damit umgehen. Ein zweites Angebot einholen. Und ganz allgemein den gesunden Menschenverstand walten lassen“, so der Polizeisprecher.

 

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