Dreier rettet Vorteil im Gesamtvergleich

Die Schnelligkeit von Kyan Anderson gehörte zu den größten Problemen der Berliner Verteidigung. In dieser Szene zog der Bayreuther Spielmacher an Niels Giffey (Nr. 5) vorbei, nachdem er schon Carl English (Nr. 23) abgehängt hatte. Foto: Alex Müller

Unmittelbar nach der Bundesligapartie zwischen Alba Berlin und Medi Bayreuth war den Gesichtern der Spieler nicht sofort anzusehen, wer gewonnen hatte. Zwar sprach das Ergebnis unmissverständlich mit 77:76 (28:31) für die Gastgeber, doch im Bayreuther Lager schien man sich mindestens ebenso sehr darüber zu freuen, dass in der Summe mit dem 98:96-Sieg aus dem Hinspiel der Vorteil im direkten Gesamtvergleich gesichert worden war.

Schließlich hat der Tabellenvierte damit seinen Hauptverfolger ein Stück weiter auf Distanz gehalten. Um den Heimvorteil in der ersten Playoff-Runde doch noch zu erobern, müssen die Berliner nun in ihren verbleibenden sechs Spielen schon drei Siege mehr erringen als das Medi-Team in sieben Spielen. Wenn sie mit mindestens drei Punkten Differenz gewonnen hätten, wären es nur zwei Siege gewesen.

Drei Dreier in letzten 26 Sekunden

Die Freude bei den Verlierern hatte aber sicher auch damit zu tun, dass ihnen dieser Teilerfolg wieder einmal auf reichlich dramatische Weise gelungen war: 26 Sekunden vor Schluss schien dieses Ziel nämlich schon außer Reichweite zu rücken, weil Dragan Milosavljevic zwei Freiwürfe zum 73:67 verwandelte. Die Restspielzeit genügte den Bayreuthern jedoch, um noch drei Dreier zu verwandeln (einen durch Steve Wachalski, dann zwei durch Kyan Anderson) – nachdem in den 39 Minuten zuvor nur sieben von 25 Distanzwürfen das Ziel gefunden hatten. So konnten die Berliner auch mit der Freiwurf-Treffsicherheit von Milosavljevic und Malcolm Miller nach den taktischen Fouls den Abstand nicht halten. Drei Sekunden vor dem Ende traf Miller von der Freiwurflinie zum 77:73, doch Anderson schlug mit der Schlusssirene noch einmal zurück.

Trainer Korner: "Ein Trostpreis"

Nach ausgelassenem Jubel war Medi-Trainer Raoul Korner aber trotzdem nicht zumute: „Es ist ein Trostpreis“, sagt er über den Gewinn des Direktvergleichs. „Ich hätte schon lieber gewonnen, denn das war absolut möglich. Nach dem Spielverlauf hätten wir das tun können, sollen und vielleicht sogar müssen gegen ein Alba-Team in der aktuellen Verfassung vor allem in Bezug auf das Selbstvertrauen.“ Die spektakuläre Dreierserie in der letzten halben Minute konnte den Coach nur teilweise für die lange Zeit dürftigen Trefferquoten in einer defensiv geprägten Partie entschädigen: „Wir haben unsere spielerischen Vorteile nicht genug in Punkte umgemünzt. Auch richtig gute Würfe haben wir oft nicht getroffen. Dafür fallen dann am Ende gleich drei relativ wilde Versuche.“

Vor allem wegen der vergebenen Chancen überwiegt bei Korner somit doch die Enttäuschung: „Für das Selbstvertrauen ist es sicher wertvoll, dass wir den Direktvergleich quasi aus dem Nichts heraus noch gesichert haben. Aber unterm Strich ist es nun mal eine Niederlage und damit ein kleiner Rückschlag im Rennen um Platz vier.“

Mit Rückschlüssen auf ein mögliches Playoff-Duell beider Teams wird man ohnehin vorsichtig sein müssen. So auffällig waren die Mängel im Berliner Spielaufbau, dass ein erfahrener Pointguard im Alba-Team die Kräfteverhältnisse gleich wieder verschieben könnte. Wie man hört, sondieren die Verantwortlichen auch den Spielermarkt für den Fall, dass Payton Siva noch längere Zeit ausfallen sollte.

Statistik

Alba Berlin: Giffey (10 Punkte / 23:52 Min Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: 7), Malu, AKPINAR (5 / 13:47 / -7) KIKANOVIC (17 / 28:23 / 2), VARGAS (5 / 18:28 / -9), Miller (8 / 17:22 / -4), Atsür (6 / 22:15 / 11), Radosavljevic (0 / 9:50 / -2), MILOSAVLJEVIC (19 / 29:34 / 2), English (4 / 18:42 / 12), Zylka, GAFFNEY (3 / 17:47 / -7); Feldwurfquote: 26/53 (49 Prozent), davon 7/17 Dreier (41 Prozent): Milosavljevic (1/1), Vargas (1/2), Giffey (1/2), English (1/2), Miller (1/2), Akpinar (1/3), Gaffney (1/4); Freiwürfe: 18/20 (90 Prozent); Rebounds: 26 defensiv, 6 offensiv (Miller 6/1); Ballgewinne: 3; Ballverluste: 15 (Milosavljevic 5); Assists: 25 (Giffey 6); Effektivität: 96 (Milosavljevic 19, Giffey 18, Kikanovic 15, Miller 13, English 10).

Medi Bayreuth: Gonzalvez (2 Punkte / 12:00 Min. Einsatzzeit / Plus-Minus-Bilanz: -10), ANDERSON (15 / 31:29 / 3), LINHART (19 / 33:19 / 7), Doreth (0 / 13:56 / -5), Seiferth (8 / 18:06 / -6), LEWIS (16 / 29:16 / 2), Wachalski (8 / 18:58 / 3), Amaize, BROOKS (2 / 21:02 / -4), MAREI (6 / 21:54 / 5); Feldwurfquote: 30/67 (45 Prozent), davon 10/28 Dreier (36 Prozent): Lewis (3/5), Linhart (3/7), Wachalski (2/5), Anderson (2/5); Freiwürfe: 6/9 (67 Prozent); Rebounds: 21 defensiv, 12 offensiv (Linhart 7/2); Ballgewinne: 7; Ballverluste: 14 (Brooks 4); Assists: 12 (Anderson 5); Effektivität: 74 (Linhart 21, Lewis 13, Anderson 12, Marei 12).

SR: Anne Panther, Straube, Bittner; Zuschauer: 10 881.

Stationen: 2:6 (5.), 9:8 (8.), 10:13 (1. Viertel), 10:22 (13.), 24:24 (18.), 28:31 (Halbzeit), 36:45 (28.), 46:46 (30.), 46:48 (3. Viertel), 49:48 (32.), 53:55 (34.), 61:57 (36.), 67:62 (38.), 67:67 (39.), 73:67 (40.), 77:76 (Ende).

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