Drei Jahre und neun Monate Jugendstrafe – Flüchtlinge halfen der Kripo bei Scheingeschäft Haftstrafen für junge Dealer

Bei einem Scheingeschäft beschlagnahmte die Kripo Anfang März diese von einem Berliner Lieferanten stammenden Haschplatten. Foto: Polizei

Wer es als Jugendlicher schafft, dem Bürgerkrieg in Syrien lebend zu entfliehen, wird abgebrüht, ob man will oder nicht. Zwei junge Männer aus Damaskus und Aleppo kamen nach Bayreuth – und zogen hier den größten Drogenhandel seit vielen Jahren auf. Mit 22 Kilo Haschisch dealten sie. Dafür verhängte das Landgericht Jugendstrafen in Höhe von jeweils drei Jahren und neun Monaten.

In Relation zur höchsten möglichen Jugendstrafe – die beträgt zehn Jahre – könnte das Urteil als milde durchgehen. Die Verteidiger, der Bayreuther Anwalt Jörg Stingl und der Regensburger Jurist Jörg Sodan, sahen es anders: Sie hielten Bewährungsstrafen für die heute 20 und 21 Jahre alten Angeklagten für angebracht.

Die zwei Syrer flogen Anfang März diesen Jahres auf. Die Bayreuther Kripo hatte durch Ermittlungen in der Drogenszene einen anderen Haschdealer, ebenfalls aus Syrien, festgenommen. Der legte ein Geständnis ab und belastete die beiden Jugendlichen, die bis dahin – abgesehen von ihren illegalen Einreisen ein Jahr zuvor – für die Behörden ein unbeschriebene Blatt waren. Den Kriminalbeamten klingelten die Ohren: 15 Kilo sollten die beiden Jugendlichen dem älteren Dealer abgekauft haben.

Eine zweite "Lieferschiene" aufgebaut

Nach der Festnahme des Duos stellte sich heraus, dass es sich bei der Aussage des Belastungszeugen nicht um ein Märchen handelte: Die zwei Jugendlichen, so sagte ein Ermittler der Kripo als Zeuge aus, gestanden sofort, dass die Aussage ihres Lieferanten wahr war. Und noch mehr: Sie räumten ein, dass sie eine zweite „Lieferschiene“ aufgebaut hatten, über die sie aus Berlin sieben Kilo Haschisch nach Bayreuth gebracht hatten. Sie nannten der Kripo Klein- und Großabnehmer, Lieferanten und Kuriere. Und sie halfen der Kripo bei der Festnahme eines größeren Lieferanten in Berlin, indem einer von beiden sich für ein von der Polizei observiertes Scheingeschäft in der Bundeshauptstadt als Lockvogel zur Verfügung stellte.

Diese Aufklärungsarbeit war für die beiden Verteidiger der Hauptgrund, für die noch als Jugendliche geltenden Angeklagten milde Strafen zu beantragen. Vor allem Rechtsanwalt Sodan betonte, eine Belohnung für derart kooperative Verdächtige sei in die Drogenszene ein wichtiges Signal. Sein Verteidigerkollege Stingl betonte, die Angeklagten hätten mit dem durch den Drogenkauf erlösten Geld ihre Familien in der durch den Krieg zerstörten Heimat unterstützt und Schulden bei ihren Schleusern abbezahlt.

Rauschgift ist besonders stark

Das Haschisch, mit dem die zwei Angeklagten handelten, ist seit einigen Monaten in den Schlagzeilen: Es ist besonders stark und wird nur von syrischen Verdächtigen gedealt – erst Mitte September wurde in Bamberg ein ähnlicher Fall aufgedeckt. Vielfach operieren jugendliche Flüchtlinge als Kuriere, die mit Fernbussen nach Berlin fahren, um die Drogen zu transportieren. Einige Syrer standen seither deshalb schon vor Gericht. Unbestätigten Erkenntnissen aus diesen Verfahren zufolge könnte ein syrischer Clan den Handel mit dem Super-Hasch steuern.

In der Urteilsbegründung erläuterte der Vorsitzende der Jugendkammer am Landgericht, Michael Eckstein, dass das Gericht die Aufklärungsarbeit und die Geständnisse der Angeklagten sehr wohl strafmildernd gewertet habe. Allerdings: „Bei der großen Menge kommen wir an einer Jugendstrafe nicht vorbei.“ Jugendstrafen werden üblicherweise nach der Hälfte der Zeit zur Bewährung ausgesetzt. Dann droht den Verurteilten die Abschiebung.

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