Drei gegen einen Verwirrspiel um Diskoprügelei

Trotz der Aussagen von Belastungszeugen beharren drei Männer darauf, zu unrecht angeklagt zu sein. Foto: Britta Pedersen dpa-Archiv

BAYREUTH. Drei gegen einen, das ist immer unfair. Für einen 28-jährigen Bayreuther endete im März die Begegnung mit drei Männern im Krankenhaus. Die Schlägerei vor einer Diskothek wird zurzeit vor dem Schöffengericht verhandelt. Es ist ein Indizienprozess, denn die drei als Schläger angeklagten Männer bestreiten den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung.

Das 28-jährige Opfer wurde in der Nacht zum 18. März vor einer Diskothek in der Himmelkronstraße niedergemacht. Als Zeuge im Prozess gegen ein Brüderpaar im Alter von 21 und 22 Jahren und gegen einen 26-Jährigen erzählt er, wie es dazu gekommen sein soll: Der 28-Jährige stand gegen Mitternacht auf dem Balko der Diskothek beim Rauchen, als er das Brüderpaar und ihren Begleiter kommen sah. Er habe die drei vom Sehen gekannt und berichtete dem Gerichtsvorsitzenden Alois Meixner: „Es gibt mit den Dreien eine kleine Vorgeschichte in einer anderen Diskothek.“ Da habe er mal eine „kleine Meinungsverschiedenheit“ gehabt mit diesen Männern. Mehrere Jahre liege diese Streiterei zurück.

Möglicherweise dachte sich der 28-Jährige nichts Böses, als der jüngste der Angeklagten ihn fragte, ob man vor der Disko „reden“ könne. Möglicherweise war er aufgrund seiner Alkoholisierung von rund 1,0 Promille leichtsinnig, genau weiß er es nicht mehr: „Ich ging mit raus, aus welchem Grund auch immer. Links und rechts neben mir die Brüder, hinter mir der Dritte.“

Draußen vor der Diskothek bog man um eine Hausecke, und dort, so sagt der 28-Jährige, habe es „keine fünf Minuten gedauert“, bis der jüngste der Angeklagten ihm „eine reingehauen“ habe. Von hinten will der Mann dann einen schweren Schlag gespürt haben, wie von einem Schlagring oder von einem Schlagstock. Er verdächtigt den 26-jährigen Angeklagten, der in jenem Moment hinter ihm gestanden habe. „Ich ging in die Hocke und schützte meinen Kopf mit den Armen. Zu dritt schlugen und traten sie auf mich ein.“

Das Opfer will einen Namen erst mal verschwiegen haben

Im Prozess wird der 28-Jährige vom Richter und den Verteidigern Wolfgang Schwemmer, Uwe Fritz und Jörg Stingl ins Kreuzverhör genommen. Er beharrt darauf, er sei „sicher“, von den drei Angeklagten niedergemacht worden zu sein.

Aus der weiteren Befragung geht hervor, warum der Fall streitig ist: Bei der Polizei hatte der 28-Jährige zunächst nur einen Namen genannt, nämlich nur den des jüngsten Angeklagten. Den Namen des Mannes, der ihm von hinten mit einem Gegenstand die schwerste Verletzung zugefügt haben soll – man sieht am kurzrasierten Hinterkopf des Zeugen eine lange Narbe – will er „bewusst“ erst einmal verschwiegen haben, denn: „Ich wusste, dass er auf Bewährung ist.“

Menschenfreundlichkeit war aber wohl eher nicht das Motiv hierfür. Im Prozess gesteht der Zeuge ein, dass er vor allem vor dem ältesten Angeklagten Angst hat: „Man hat Respekt vor ihm.“

Doch warum haben die drei Angeklagten bestreiten und schweigen als Verteidigungsstrategie gewählt? Eine mögliche Erklärung dafür steckt vielleicht in der Aussage der Schwester des Opfers. Die 23-Jährige berichtet, sie habe den älteren des angeklagten Brüderpaars etwa zwei Monate nach der Tat gefragt, warum ihr Bruder verprügelt worden sei. Die Antwort, die sie bekam: Ihr Bruder habe die drei Angeklagten beleidigt und mit der Schlägerei angefangen. Die Zeugin berichtet noch etwas: Der 23-jährige Angeklagte habe ihr gesagt, er werde den 28-Jährigen „abstechen“, falls sei jüngerer Bruder „ins Gefängnis geht“.

Die Freundin hatte eine "Vorahnung"

Zeugin der Schlägerei auf dem Diskoparkplatz war die Freundin des Opfers. Die 30-Jährige berichtete, sie habe gesehen, „wie er mit jemandem ums Eck geht“. Sie ging „schell hinterher, ich hatte nämlich schon so eine Vorahnung“. Sie fand ihren Freund in der Hocke, die Schläger um ihn herum, auf ihn eintretend. Als die Frau „Polizei“ schrie, rannten die Täter weg.

Im Prozess sagt die Zeugin: „Ich bin sicher, dass es die Angeklagten waren.“ Doch gerade auf diese Zeugin setzen die Verteidiger. Die Frau kannte die Angeklagten nämlich nur „vom Sehen“, namentlich identifizierte sie die drei erst später über Fotos in einem sozialen Netzwerk. Und bei der Polizei sagte sie zunächst, es handle sich bei den Tätern „um drei Brüder“.

Tatsächlich haben die zwei jüngeren Angeklagten keinen weiteren Bruder mehr. Erst später korrigierte die Zeugin bei der Polizei, dass es sich bei dem angeblich dritten Bruder um den 26-jährigen Angeklagten handle.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.

 

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