Dorothee Bär beim 2. DLD-Campus "Ich verkaufe meine Politik und meine Standpunkte"

Digital Life Design, kurz DLD, heißt die Digital-Konferenz, die zum zweiten Mal auf dem Campus der Universität Bayreuth stattfand. Großes Medieninteresse weckte Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt.Foto: Peter Kolb

BAYREUTH. Als sie einst anfing, sich als Politikerin für die digitale Welt zu interessieren, wurde Dorothee Bär (CSU) auch in der eigenen Partei kaum ernst genommen. Mittlerweile ist die 40-jährige Oberfränkin die erste Staatsministerin für Digitalisierung im Kanzleramt. Sie koordiniert, vermittelt und streitet wenn es sein muss, für ihre Ansichten.

Sie sagten im Audimax vorhin, zu Anfang Ihrer politischen Karriere seien Sie oftmals wegen ihres Schwerpunktes Digitales belächelt worden. Dabei ist Digitalisierung heute das Thema schlechthin. Wie haben Sie dieses Thema überhaupt für sich entdeckt?

Dorothee Bär: Schon vor vielen Jahren, also wahrscheinlich schon vor 33 Jahren, als mein Bruder angefangen hat, zu programmieren. Zu einer Zeit, als ich mir Geld mit Bedienen dazuverdient habe, bekam er schon für einen Mausklick ein Vielfaches. Wir hatten jedes Wochenende bei uns zuhause LAN-Partys und ich war einfach schon sehr früh im familiären Umfeld damit beschäftigt. Als Studentin, obwohl ich Geisteswissenschaften studierte, habe ich bereits das  Internet für mich genutzt.  Ich war sehr schnell gut darin, online zu recherchieren. Für mich ist ganz logisch gewesen, als ich vor 16 Jahren in den Bundestag kam, mich auch politisch damit zu befassen.

Und jetzt sind Sie die erste Staatsministerin für Digitalisierung. Was gehört denn alles zu Ihren Aufgaben?

Bär: Ich sehe meine Aufgabe primär darin, koordinierend tätig zu sein und die Akteure aus den verschiedensten Ministerien zusammenzubringen. Damit jeder weiß, mit wem er sprechen muss, damit’s auch läuft. Das hat in den vergangenen Jahren gefehlt. Ich habe genau genommen vier koordinierende Tätigkeiten:  innerhalb des Kanzleramtes, denn von sechs Abteilungen sind vier mit digitalen Themen befasst, zwischen denen eine Vernetzung stattfinden muss. Des Weiteren koordiniere ich zwischen Kanzleramt und den Ministerien, dem Parlament und den Ländern und Kommunen, für die zum Beispiel im Oktober unser Onlineportal mit Verwaltungsdienstleistungen live geht. Ich habe als Fünftes auch noch eine Botschafterfunktion in die Bevölkerung hinein. Gleich in den ersten zwei Wochen habe ich 2- bis 3000 E-Mails von Bürgern bekommen, die irgendein digitales Problem hatten.

Ein riesiges Aufgabenspektrum, das womöglich ein ganzes Ministerium verdient hätte. Warum ist daraus nichts geworden?

Bär: Die Frage ist, was will man? Will man aus dem Gesundheitsministerium alles Digitale herausnehmen wie zum Beispiel die elektronische Gesundheitskarte? Will man Precision Farming aus dem Landwirtschaftsministerium herausholen? Das kann man alles machen, dann hätte man 14 analoge Ministerien und ein Digitalministerium. Mir erschließt sich allerdings noch nicht ganz das Konzept. Mehr Ressourcen, mehr Mitarbeiter sind immer wünschenswert. Ich war in der letzten Legislaturperiode schon eine der drei Koordinatorinnen: für die digitale Agenda: Im Verkehrs-, Innen- und Wirtschaftsministerium waren drei Parlamentarische Staatssekretärinnen damit beschäftigt. Ich habe immer gesagt: Das funktioniert so nicht und das muss anders laufen. Jetzt läuft es anders, aber es wird nicht so bleiben. Man lernt immer dazu und schaut, was hat sich bewährt, was hat sich nicht bewährt. Ein Büro im Kanzleramt ist ein Wert an sich, denn da gibt es keine Eifersüchteleien, das Kanzleramt ist quasi der neutrale Boden, die Uno, wo sich alle treffen können.

Was ist zurzeit Ihr größtes Aufgabenfeld?

Bär: Das ist schwer zu sagen, weil alles wichtig ist. Wir haben aber zunächst den Schwerpunkt auf Künstliche Intelligenz, Blockchain und Arbeit 4.0 gelegt. Denn gerade die Disruption in der Arbeitswelt spielt gesellschaftspolitisch eine große Rolle.

Die Digitalisierung lässt im ländlichen Raum oftmals noch zu wünschen übrig. Was muss aus Ihrer Sicht noch nachgebessert werden?

Bär: Es gibt immer etwas zu verbessern. Wir sind dabei, Deutschland zum Leitmarkt für 5G auszubauen. Auf die Frage, wann der Markt gesättigt sei, antworte ich, dass das nie der Fall sein wird, weil immer neue Anwendungen dazukommen. 2014 haben deutsche Anbieter noch behauptet, dass niemals 5G-Netze kommen werden und jetzt sind sie im Aufbau. Auf diesem Gebiet geht alles sehr, sehr schnell. Es sind besonders die Unternehmen, die auf dem Land noch benachteiligt sind. Bei den Privatnutzern auf dem Land warten einige sehnlich auf einen Ausbau, andere könnten teils größere Bandbreiten nutzen, rufen sie aber nicht ab, weil sie sich das Geld dafür sparen. Hier müssen wir darüber diskutieren, ob bei den Anbindungen oder den Anwendungen zuerst etwas verbessert werden muss.

Sie sind in den sozialen Medien sehr präsent. Man sagt, Sie nutzen sie geschickt für die eigene Selbstinszenierung. Stimmt das?

Bär: Ja, klar, das gehört natürlich dazu. Ich verkaufe meine Politik und meine Standpunkte und gebe aber auch sehr viel von meiner eigenen Persönlichkeit preis. Man weiß immer genau, wen man vor sich hat und wen man sich da einkauft. Ich denke, es gibt niemanden, der sich für meine Politikinteressieren würde, wenn ich da Pressemitteilungen reinstellen würde. Deswegen mache ich auf Facebook, Twitter, Snapchat und Instagram nie die gleichen Inhalte, nur wenn etwas ganz Mega ist, aber auch mit unterschiedlichen Texten und Bildern. Ich habe die auch nicht miteinander verbunden, jeder bekommt den Content, der genau zu dem Medium passt.

Und das kommt tatsächlich alles von Ihnen selbst?

Bär:  Ich mache das alles selbst, ich bin sozusagen mein Team. Gut manchmal macht jemand anderes ein Foto mit meinem Handy. Aber ich stelle alles selbst online und poste es selbst.


Steckbrief Dorothee Bär

Geboren am 19. April 1978 in Bamberg, römisch-katholisch, verheiratet, zwei Töchter und einen Sohn. Altstipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung. Studium der Politikwissenschaften an der Hochschule für Politik in München und am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Abitur in Bamberg am Franz-Ludwig-Gymnasium 1999, Highschool-Diploma in Grayslake, Illinois, USA, 1996.

Eintritt in die Junge Union im Jahr 1992, Eintritt in die CSU 1994. Seit 2001 Mitglied im CSU-Parteivorstand, 2001 bis 2003 Landesvorsitzende des RCDS in Bayern, 2003 bis 2007 stellvertretende Landesvorsitzende der Jungen Union Bayern, 2008 bis 2012 stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union Deutschlands.

Seit 2008 Kreisrätin im Landkreis Haßberge, 2009 bis 2013 Stellvertretende Generalsekretärin der CSU, seit 2010 Vorsitzende des CSU-Netzrates, seit 2011 Vorsitzende von CSUnet.

Ab 2011 stellvertretende Bezirksvorsitzende der CSU Unterfranken, stellvertretende Kreisvorsitzende der Frauen Union, seit 2017 Stellvertretende Parteivorsitzende.

Mitglied des Bundestages seit 2002; von 2009 bis 2013 Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seit Dezember 2013 bis März 2018 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Seit März 2018 Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung. (Quelle: Bundestag)

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