Diskoprügelei Das Hofer Partydesaster

Vier Männer aus Hof kamen in eine Bayreuther Disco zum Feiern. Die Party wurde zur Schlägerei, die nun vor Gericht aufgearbeitet wurde. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa-Archiv

BAYREUTH. Vier Männer aus Hof wollen in Bayreuth Party machen. Doch der Abend endet in einer Prügelei vor einer Diskothek. Im Strafprozess wird es besonders für einen aus dem Quartett eng – er ist Polizist. Und für eine Zeugin, die der Grund für die Prügelei gewesen sein könnte, endet der Prozess mit einer unangenehmen Überraschung.

Es war ein Abend Anfang Juli, ein 24-jähriger Hofer feierte Geburtstag mit seinen Kumpels: „Wir haben uns entschieden, nach Bayreuth in die Disco zu fahren.“ Wir – das sind das Geburtstagskind, drei Freunde im Alter von 27, 26 und 25 Jahren. Und als fünfte Person eine junge Frau.

Diese Frau traf am frühen Morgen gegen 2 Uhr auf der Tanzfläche der Disco am Unteren Tor auf einen Bekannten aus Bayreuth. Der 25-Jährige erinnert sich: „Ich habe sie begrüßt und umarmt.“ Was einem aus dem Hofer Männerquartett nicht passte, der sei „aggressiv“ auf ihn los. Es wurde geschubst, geklammert, Türsteher beförderten den 27-jährigen Hofer hinaus.

Knapp eine Stunde danach wollte der Bayreuther heimgehen. Draußen vor der Tür ereignete sich, was Staatsanwalt Jochen Götz drei Hofern als gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung vorwirft und dem vierten als Beihilfe dazu: Während der aus der Disco verwiesene 27-Jährige direkt auf den Bayreuther losgegangen sein soll, sollen seine 24-jährigen und 26-jährigen Kumpels in die Rauferei unterstützend eingegriffen haben.

Der würgende Polizist

Und der vierte Hofer soll einen zweiten Bayreuther, der die ungleichen Kräfteverhältnisse zugunsten des Attackierten aufbessern wollte, mit einem Würgegriff zu Boden gebracht haben. Diese Art von Griff hat der Mann vermutlich bei der Bundespolizei gelernt: Er ist Polizeibeamter. Sollte der Mann wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung verurteilt werden, wäre seine Polizistenlaufbahn gefährdet.

Auch deshalb verteidigt sein Anwalt Karsten Schieseck ihn mit Klauen und Zähnen – und trifft auf einen gleichwertigen Gegner: Staatsanwalt Jochen Götz kreidet dem Bundespolizisten an, dass er nach der Prügelei gegenüber Streifenbeamten der Bayreuther Polizei verschwiegen hatte, Kollege zu sein. „Ich war angetrunken und überfordert“, sagt der Bundespolizist. Ihm sei klar, dass er einen großen Fehler gemacht habe.

Doch diente sein Würgegriff dazu, es seinen drei Kumpels zu ermöglichen, den angegriffenen Bayreuther zu vermöbeln? Oder wollte der 25-Jährige deeskalierend wirken, gerade, weil er Polizist ist? Es sei wohl weder das eine noch das andere zweifelsfrei zu beweisen, meinte der Vorsitzende des Schöffengerichts, Torsten Meyer. Das Verfahren wurde wegen geringer Schuld gegen 500 Euro Geldauflage eingestellt. Damit gilt der Polizeibeamte, gegen den ein Disziplinarverfahren läuft, nicht als vorbestraft.

Einer wurde fälschlich angeklagt

In der Beweisaufnahme gegen die drei anderen Angeklagten ergab sich eine weitere Überraschung: Keiner der beiden Zeugen erkannte den 26-jährigen Angeklagten. Die ermittelnden Polizisten hatten zur Täteridentifizierung ein Partyfotos aus dem Internet verwendet. Auf dem Foto sind die Angeklagten, aber auch andere junge Männer zu sehen.

Dass der 26-Jährige damals als einer der Schläger belastet wurde und nun im Prozess nicht wiedererkannt wurde, könnte an einer Verwechslung liegen. Im im Prozess zeigten die Zeugen auf einen anderen, nicht angeklagten Mann auf dem Foto. Der fälschlich angeklagte 26-Jährige wurde freigesprochen.

Von den zwei übrigen Angeklagten verteidigte sich nur das Geburtstagskind: Der 24-Jährige erklärte, man sei sauer gewesen, dass „unser Kumpel“ nach der Rangelei auf der Tanzfläche einen Platzverweis bekommen habe. Als der Bayreuther, der aus seiner Sicht daran schuld war, aus der Disco kam, habe er ihn zu Rede stellen wollen: Da habe der Bayreuther gesagt, er solle sich „verpissen“, ansonsten kriege er auch „aufs Maul“ – was auch ansatzlos geschehen sei. Erst da will der 24-Jährige einmal zugeschlagen haben.

Ein Prozess mit Überraschungen

Anders die Version des Opfers: Draußen habe er, gut betrunken, die junge Frau stehen sehen, wegen der es schon auf der Tanzfläche Ärger gegeben hatte: „Ich wollte mich nur von ihr verabschieden.“ Da sei der eine Stunde zuvor aus der Disco verwiesene Hofer um die Ecke gekommen und sei auf ihn los. Es folgte ein Ringkampf, bei dem der Bayreuther den Daumen des Hofers äußerst unangenehm im Mund spürte und bei dem der Hofer den Daumen des Bayreuthers äußerst unangenehm umbog. Zwei Männer hätten für wenige Sekunden eingegriffen – darunter das Geburtstagskind. Der habe ihn einmal geboxt.

Die junge Frau, die mit den Hofern gekommen war, bekam Ärger: Ihre Version der Ereignisse war mit der des 24-jährigen Angeklagten derart übereinstimmend, dass Staatsanwalt Götz ihr noch im Gerichtssaal das Mobiltelefon abnahm. Sein Verdacht: Die Zeugin könne sich mit dem 24-Jährigen abgesprochen haben.

Die letzte Überraschung in diesem fast siebenstündigen Prozess lieferte das Gericht im Urteil: Dem 27-Jährigen, der den Bayreuther vor der Disco zunächst in einer Mann gegen Mann-Situation attackierte, könne für das wenige Sekunden dauernden Eingreifens seiner Freude keine gemeinschaftliche gefährliche, sondern nur eine einfache Körperverletzung angelastet werden. Neun Monate auf Bewährung für den vorbestraften Mann und 1000 Euro Geldauflage verhängte das Gericht.

Das Geburtstagskind wiederum wurde wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen, jedoch stufte das Gericht seinen einen Boxhieb gegen das schon im Kampf mit dem 27-Jährigen steckenden Bayreuther als minder schweren Fall ein und verhängte eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je 40 Euro. Macht 4000 – ein teurer Geburtstag.

 

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