Dieselskandal und WLTP Motor-Nützel für schwieriges Jahr gerüstet

Die Geschäftsführer Jochen Sonntag (links) und Michael Krasser erwarten ein herausforderndes Geschäftsjahr bei Motor-Nützel. Foto: 
Peter Mularczyk

BAYREUTH. Trotz der anhaltenden Verunsicherung der Autokäufer vor allem durch den Dieselskandal ist das Ende September beendete Geschäftsjahr bei Motor-Nützel ordentlich gelaufen. Für das aktuelle will Geschäftsführer Jochen Sonntag aber lieber keine konkrete Prognose abgeben - außer, dass es schwierig werden dürfte.

WLTP - diese vier Buchstaben sind es, die nicht nur Jochen Sonntag, sondern allen Beteiligten in der Autobranche landauf, landab die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Vor allem, wenn man wie Motor-Nützel bei der Modellpalette eng mit dem VW-Konzern verbandelt ist. Bei dem Kürzel handelt es sich um das seit 1. September gültige neue und strengere Testverfahren zur Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs, das realistischere Werte erbringen soll. Das Problem: Jede Modellvariante muss auf dem Prüfstand einzeln zugelassen werden. Und davon gibt es gerade im VW-Konzern, der zudem zeitgleich viel Energie in die Aufarbeitung des Dieselskandals stecken muss, viele.

Bis zu 50 Prozent Einbruch

Viele Autos würde aktuell auch Sonntag gerne verkaufen, doch manche Modelle gibt es derzeit einfach nicht - weil sie den WLTP-Zyklus noch nicht durchlaufen haben. Bei VW, vor allem aber bei Audi sei der Einbruch dramatisch. Bis zu 50 Prozent weniger Autos aus Ingolstadt als im Vorjahr verkauft Motor-Nützel derzeit, man könne auch keine Liefertermine nennen. "Es ist natürlich schlecht für einen Händler, wenn er keine Ware hat", sagt Sonntag sarkastisch.

250 Millionen Euro Umsatz

So paradox das ist - WLTP hat allerdings auch dazu geführt, dass es im August noch mal einen Verkaufsboom gegeben hat. Weil eben viele Autos noch kurz vor dem Inkrafttreten des neuen Verfahrens verkauft und zugelassen wurden. Und so hat Motor-Nützel laut Sonntag im Geschäftsjahr 2017/18 knapp 11.000 Neu- und Gebrauchtwagen verkauft und in der Gruppe rund 250 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Hoffnung auf Aufholjagd

Zwei Drittel des Umsatzes kommen dabei aus dem Autohandel, aber mehr als 50 Prozent des Gewinns aus dem Servicegeschäft und anderen Aktivitäten. Und die sind ein stabiler Pfeiler, der das Unternehmen mit auf Kurs halten werde, sagt Sonntag. Außerdem geht er davon aus, dass in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahrs, wenn alle Modelle zertifiziert sind, eine Aufholjagd bei den Verkaufszahlen einsetzt. Das ursprüngliche Ziel, nach der seit 1. Oktober wirksamen Übernahme der fünf Standorte der Enslein & Schönberger GmbH in der Oberpfalz auf 300 Millionen Euro Umsatz zu kommen, werde für das laufende Geschäftsjahr aber schwer.

Gut aufgestellt

Wobei Sonntag gleich betont, dass Motor-Nützel gut aufgestellt sei und über eine mehr als ordentliche Eigenkapitalbasis verfüge. Man müsse zwar schauen, dass man sich zum Beispiel nicht zu viele gebrauchte Dieselfahrzeuge auf den Hof stelle. "Aber wir sind so gesund, dass wir auch mal einen Schnupfen überstehen", sagt Sonntag. Motor-Nützel habe unter seiner Führung noch nie ein Minus geschrieben, und das solle auch so bleiben.

Während die Integration von Schönberger gut laufe, sei man auch mit dem Standort Hof sehr zufrieden, in den vor zwei Jahren rund 25 Millionen Euro investiert wurden. Er sei der zweitgrößte nach Bayreuth, trage 20 Prozent des Gruppenumsatzes bei und liefere einen ordentlichen Ertrag.

Expansion wird weitergehen

Gibt es weitere Expansionspläne? Bei dem Thema verweist Sonntag zunächst ganz allgemein darauf, dass der Konzentrationsprozess in der Branche anhalten werde, weil er auch von den Herstellern gewollt sei. Konkret sei derzeit nichts, aber Motor-Nützel werde im Marktgebiet definitiv weiter wachsen und entsprechend die Augen offen halten.

Eigenes Online-Vertriebsteam

Das gelte auch für das Internet. Man habe keine Angst vor den Online-Portalen, sei ja dort selber präsent. Nächster Schritt sei der Aufbau eines eigenen Online-Vertriebsteams, das rund um die Uhr zur Verfügung stehen soll. "Ich glaube nicht, dass wir damit Samstagnacht im Netz ein Auto verkaufen. Aber wir müssen den Kunden zu jeder Tages- und Nachtzeit ihre Fragen beantworten, damit sie am Montag zu uns kommen und ihr Auto dann bestellen. Sonst surfen sie gleich zum nächsten Händler", sagt Sonntag, der sich für die Zukunft eines wünscht: dass Politik und Hersteller vor allem in Sachen Diesel für Klarheit sorgen, damit die Kunden wieder wissen, woran sie sind und ihre Kaufzurückhaltung aufgeben.

Das Unternehmen

Motor-Nützel hat neun Standorte in Oberfranken und ist seit der Übernahme der Enslein & Schönberger GmbH auch fünf Mal in der angrenzenden Oberpfalz präsent. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich dadurch um rund 170 auf jetzt etwa 950, davon 170 Auszubildende. Der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 (Ende September) betrug noch ohne Schönberger rund 250 Millionen Euro. Die Zahl der verkauften Neu- und Gebrauchtwagen lag bei 11.000.

 

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