Die Zukunftsfabrik in Oberfranken

Florian Keller ist Vorstandsmitglied der Firma Pass Stanztechnik in Creußen (Landkreis Bayreuth). Das Unternehmen ist auf dem Weg zur Industrie 4.0 schon weit fortgeschritten. Foto: Andreas Harbach

Ein Chip im Teller bucht die Rechnung fürs Mittagessen in der Firmenkantine aufs Konto des Mitarbeiters. Ein Sensor steuert das Aufladen des Smartphones, sobald man sich auf den Bürostuhl setzt. Die Lagersoftware bestellt selbstständig neue Maschinenteile. Der Produktionsroboter schickt dem Techniker bei Fehlern am Werkzeug eine Warnmeldung aufs Handy. Mit solchen Ideen sollen Unternehmen in der Region fit für die Zukunft werden: "Oberfranken 4.0" heißt das Projekt der Universität Bayreuth.

Von einer Zukunftsfabrik in Oberfranken sprechen Prof. Rolf Steinhilper und Ingenieur Stefan Freiberger. Steinhilper leitet den Lehrstuhl Umweltgerechte Produktionstechnik an der Universität, Freiberger gehört zum Leitungskreis der Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation. Für Freiberger wird ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung gehen: "Die vergangenen vier Jahre habe ich an der Realisierung des Projekts gearbeitet," sagt er: "Die großen Industriebetriebe sind längst in dem Thema drin. Aber kleine und mittlere Unternehmen der Region tun sich noch schwer damit." Industrie 4.0 sei ein "bunter Strauß an Möglichkeiten". Steinhilper spricht davon, die regionalen Unternehmen "fit für den internationalen Wettbewerb" zu machen.

Damit schon bald konkrete Ergebnisse vorzeigbar sind, will die Universität den Technologietransfer aus der Wissenschaft in die Praxis vorantreiben. In den kommenden vier Jahren fließen rund vier Millionen Euro in das Projekt: Zwei Millionen kommen vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre), eine Million von der Oberfrankenstiftung und eine Million bringt Fraunhofer selbst auf. Mit dieser Fördersumme ist Oberfranken 4.0 eine der größten Einzelmaßnahmen an der Universität. Laut Prof. Steinhilper ist es ein "in Deutschland einzigartiges Vorhaben auf dem Gebiet des Technologietransfers".

Im Zentrum steht der Aufbau einer Anwenderfabrik im Fraunhofer-Neubau an der Universitätsstraße. Hier arbeitet bereits die "Green Factory Bavaria", hier entstand die Technologie-Roadmap für Oberfranken. Das neue Vorhaben baut auf diesen Arbeiten auf. Rund drei Dutzend Partner aus Industrie und Handwerk werden mit den Ingenieuren zusammenarbeiten. Stefan Freiberger: "Wir wollen, dass unsere Partner an realen Maschinen, Anlagen und Produktionssystemen Industrie-4.0-Technologien erleben können." Rolf Steinhilper sagt, warum die Praxis so wichtig ist: "Der Mensch merkt sich zehn Prozent, von dem, was er hört, 50 Prozent von dem, was er sagt, und 90 Prozent von dem, was er tut."

Die Ingenieure sprechen von "cyber-physischen Produktionssystemen". Soll heißen: Produktionsprozesse, Maschinen, Kundenaufträge, Lagerbestände und viele weitere Faktoren werden miteinander vernetzt. Daraus lässt sich in Echtzeit berechnen, wie der Produktionsablauf verbessert werden kann. Die daraus abgeleiteten technischen Lösungen können in der Zukunftsfabrik ausprobiert werden.

Joachim Kleylein-Feuerstein ist bei "Oberfranken 4.0" für den Technologietransfer zuständig. Er ist der Mann, der den Unternehmen zeigen will, wie sie ihre Produkte "intelligent" machen: "Mit vernetzten und selbstlernenden Produkten können sie einen Vorsprung vor der Konkurrenz gewinnen." Den Unternehmern soll gezeigt werden, wie sie durch neue Serviceleistungen auch nach dem Verkauf noch an ihren Produkten verdienen können.

Info: Dampfmaschine, Fließband, Computerisierung - das sind bisher die drei wichtigsten Meilensteine in der industriellen Entwicklung. "Industrie 4.0" bezeichnet die Kommunikation zwischen Maschinen und steht für die 4. industrielle Revolution.

Link:Stanz Passtechnik aus Creußen gehört zu den Partnern der Universität im Projekt "Oberfranken 4.0". Das Unternehmen aus dem Landkreis Bayreuth ist ein Beispiel für Firmen, die auf dem Weg zur Industrie 4.0 schon weit fortgeschritten sind.

 

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