Die ZOH ist seit zehn Jahren in Betrieb

Das Klingeln fehlt. Menschen, die länger als zehn Jahre in Bayreuth leben und die vor dieser Zeit immer mal gerne über den Markt flaniert sind, werden sich noch erinnern können an dieses Geräusch. Und an die folgende kurzzeitige Steigerung des Blutdrucks. Denn Klingeln bedeutete: der größte anzunehmende Gegner rollte hinter einem – der Stadtbus. Heute vor zehn Jahren war damit Schluss – die Busse fahren seit dem 27. Oktober 2007 vom Hohenzollerneck weg.

Seither, sagt Monika Gut von den Verkehrsbetrieben, sind gut und gern 70 Millionen Fahrgäste an der ZOH ein- oder ausgestiegen. Jeden Tag kommen in Spitzenzeiten 718 Busse dort an und fahren wieder weg. Erstmals haben die Stadtbusse und die Überlandbusse einen zentralen Treffpunkt und die Fahrgäste Umsteigemöglichkeiten.

Schweinfurter ZOH als Vorbild

Erich Rappl ist schuld daran, dass die Zentrale Omnibushaltestelle, die ZOH, am Hohenzollerneck ist. Denn nach jahrelangem Abwägen, nach jahrelanger Suche und abschließender Planung meldete er sich in der entscheidenden Sitzung des Stadtrats zu Wort. Stadtrat Rappl, einer der profundesten Kenner der Bayreuther Seele, Kolumnist, Kurier-Lokalchef, Kulturkritiker. „Praktisch kurz vor Baubeginn“, sagt Werner Schreiner, der Leiter der Verkehrsbetriebe der Stadtwerke. Rappls Bedenken damals, im Februar 1997: Man könne doch nicht „einen der schönsten Plätze der Stadt“, den Luitpoldplatz, mit einem Busbahnhof garnieren. Es müsse doch eine bessere Lösung geben. Heute räumt Schreiner ein: „Es war tatsächlich nicht die Ideallösung. Denn unser Hauptziel ist ja die Erreichbarkeit der Innenstadt.“ Ein Jahr später freundet man sich mit einer neuen Lösung an: dem Hohenzollerneck.

Trotzdem dauert es wieder fast zehn Jahre, bis aus einer Idee ein Plan und ein Bauwerk wird. „Wir haben uns irgendwann die Schweinfurter ZOH angeschaut, ebenfalls eine Rondell-Lösung. Auf vergleichbar wenig Platz bekommt man vergleichbar viele Busse unter“, sagt Schreiner. All die Probleme, die man am Markt lange Jahre hatte, konnte man beiseiteschieben. Bayreuth leistet sich schließlich ein Kuriosum: die Bushaltestelle mitten in der Fußgängerzone.

An tollen Tagen war Chaos für Busse und Passagiere

Wobei das nur eines von mehreren Problemen war. Die Businsel war „Anfang der 90er Jahre, als wir den Linienverkehr erweitert haben, die Randgebiete besser erschlossen haben, einfach zu klein geworden“, sagt Schreiner. „Die Busse haben die Flanierer gestört“, sagt der Leiter der Verkehrsbetriebe. Und: Für die rund 800 Meter lange Strecke vom Markt in die Opernstraße „haben wir teilweise fast zehn Minuten gebraucht“, sagt Michael Sommer (52), der seit 24 Jahren für die Stadtwerke Bus fährt. Manche Linien hatten permanent Verspätung.

Der Super-GAU kommt in der Zeit für die Stadtwerke mehrfach: „Christkindlesmarkt“, sagt Schreiner. Bürgerfest, Lichtmess, Tolle Tage, Autoherbst, ergänzen Busfahrer Sommer und seine Kollegen Ottmar Grüner (55) und Klaus Erhard (51), alle seit Jahrzehnten Chefs am Steuer der Stadtbusse. Markt bedeutet für die Busse: Umziehen in die Kanalstraße. „Keiner kannte sich mehr aus, wo sein Bus wegfuhr“, sagt Sommer. Am Markt selbst stehen nicht nur Überdachungen, die ihrem Namen beim Einsteigen in die Busse keine Ehre machen, es gibt auch keinen Fahrkartenverkauf. Wer Karten kaufen will, muss „zum Hertie rein“, sagt Schreiner.

Kaltstart für die Busfahrer

Ende 1998 rollt der Bus in Richtung ZOH am Hohenzollerneck – zumindest planerisch. Denn es hängt viel dran an dem Projekt. Stadtplanerisch, weil die Passage Max 48 mit dazugehört und erst saniert werden muss, weil die Funktionsgebäude noch gebaut werden müssen. 9,5 Millionen Euro kostet das Projekt, dessen eigentlicher Baubeginn im Januar 2005 ist. Mit dem Rohbau für das Funktionsgebäude. Am 26. Oktober 2007 ist die feierliche Einweihung, einen Tag später rollen die Busse im Regelbetrieb. „Ein Kaltstart für uns“, sagt Schreiner. „Wir konnten das ja vorher nicht üben.“ In der Rohbauphase, sagt Sommer „hätte ich nie gedacht, dass das funktioniert, dass da zwei Busse nebeneinander durchpassen. Wir dachten auch alle, dass das Dach doch viel zu niedrig ist.“

Aber: Seit zehn Jahren läuft der Betrieb an der ZOH. Dem Markt weinen sie keine Träne nach. „An der ZOH hatten wir eine Steigerung der Qualität um 100 Prozent“, sagt Erhard. „Ich wundere mich immer noch, dass am Markt all die Jahre nichts passiert ist.“ Man habe sich „teilweise einen Wolf klingeln können. Die Leute haben einen förmlich provoziert“, sagt Erhard. Das Einzige, was wirklich Unruhe reingebracht hat, war ein vermeintlicher Bombenfund im Klo der ZOH im Dezember 2012. Mit einem kurzfristigen Notbetrieb der Busse am Luitpoldplatz. „Da sind wir halt gefahren, wenn die Busse voll waren“, erinnert sich Erhard. Alles außer Plan. Ein Mal in zehn Jahren.

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