Die Sorge um die Schwächsten

Bleiben letztendlich behinderte Kinder und ihre Eltern im Regen stehen? Es geht um den Fortbestand des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) am Kinderklinikum. Foto: Archiv/Andreas Harbach

Mit 20 Patienten hatte man angefangen, jetzt sind es rund 300, die im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) betreut werden. Zuhause ist die Einrichtung sowohl neben dem Kinderklinikum als auch an der Hohen Warte. Die meisten, rund 80 Prozent der jungen Patienten, werden aber am Roten Hügel betreut. Vor allem wegen der Nähe zur Kinderklinik. Damit könnte jetzt Schluss sein. "Der Zulassungsausschuss hat es abgelehnt, auch das Klinikum als SPZ-Standort anzuerkennen," sagt Klinikum-Pressesprecher Frank Schmälzle. Im September wird die Entscheidung fallen.

Seitdem laufen Eltern Sturm. Petra Kresin-Cordts, stellvertretende Vorsitzende des Kinderschutzbundes Bayreuth sagt: "Das SPZ ist eine wichtige Einrichtung geworden und die hohe Nachfrage zeigt den großen Bedarf." Und: "Seit mehr als 30 Jahren begleitet der Kinderschutzbund die Entwicklung der Kinderklinik. Als uns 2015 das Konzept des SPZ vorgestellt wurde, haben wir das als einen wichtigen Baustein für die Versorgung der kranken Kinder in unserer Region sehr begrüßt. Damit gibt es nun auch für die ambulante Diagnose und Behandlung eine zentrale Anlaufstelle."

Hilfe seit 2013

Die Klinikum Bayreuth GmbH verfügt seit zwei Jahren über ein Sozialpädiatrisches Zentrum. Ambulant werden hier behinderte Kinder mit komplexen Entwicklungsstörungen, aber auch Kinder vor und nach kinderorthopädischen Spezialeingriffen und Kinder mit cerebralen Anfallsleiden (Epilepsie) betreut. Ein interdisziplinäres Gremium aus Ärzten, Therapeuten und Psychologen sitzt gemeinsam an einem Tisch und berät, wie dem jeweiligen Kind mit seinen teilweise sehr speziellen Problemen zu helfen ist.

Nur eine Zulassung

Eine Zulassung gab es allerdings nur für die Betriebsstätte Hohe Warte. "Grund dafür ist das spezielle Behandlungsangebot gerade im orthopädischen Bereich", erläutert Schmälzle. Aus praktischen Gründen hatte man allerdings von Anfang an ein entsprechendes Angebot auch im Klinikum vorgehalten, der kürzeren Wege wegen. "Mangels Zulassung erbringt die Klinikum Bayreuth GmbH die Leistungen im Rahmen bestehender Strukturen," sagt Schmälzle.

Petra Kresin-Cordts dagegen fürchtet weite Fahrstrecken für die ohnehin schon hoch belasteten Familien und viele einzelne Facharzttermine mit entsprechenden Wartezeiten. "Eine Stunde Fahrzeit hält die Kassenärztliche Vereinigung (KV) aber für zumutbar", sagt Schmälzle. Die nächsten Einrichtungen sind in Erlangen, Bamberg und Weiden. "Ein Widerspruch gegen die Entscheidung bringt nichts. Wir haben den Zulassungsbescheid maximal ausgereizt."

Kein Verständnis

Marina Fleischmann, Mutter des zweijährigen Emil, der an Mukopolysaccharidose (MPS), einer unheilbaren Krankheit leidet, hat dafür kein Verständnis. Dank einer Knochenmarktransplantation sei es zwar gelungen, die geistige Rückentwicklung des Jungen aufzuhalten, doch er muss nach wie vor intensiv medizinisch und therapeutisch betreut werden. Einmal im Monat war Marina Fleischmann bisher im SPZ. Die Einrichtung kennt und schätzt sie von Anbeginn. "Ich verstehe nicht, warum man die Infrastruktur mit dem Kinderklinikum nicht weiter nutzt." Und Petra Kresin-Cordts appelliert an die Verantwortlichen: "Behalten Sie das Wohl der kranken Kinder im Blick."

Entscheidung im September

Frank Schmälzle spricht von einem „laufenden Entscheidungsprozess in unserem Haus, an welchem der beiden Standorte das SPZ künftig seine Leistungen anbieten soll. Im September wird der Aufsichtsrat erneut tagen.“ Und er ergänzt: „Für beide Standorte gibt es sehr gute Argumente, das heißt auch: Wenn die Entscheidung für einen Standort gefallen sein wird, werden wir vor der Aufgabe stehen, die Nachteile, die aus einem nicht mehr weiterzuführenden Standort erwachsen, auszugleichen."

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