Die rote Ampel

Achtsamkeit und Meditation können Krankheiten heilen und Schmerzen lindern. Foto: Christina Holzinger

Antje Ricken hat einen guten Freund: die rote Ampel. Weil sie dort innehält, sich ein paar ruhige Atemzüge gönnt und sich so gar nicht über den Verkehr ärgert. Andere Menschen regen sich dort eher auf. Doch sie hat vor Jahren die Methode der Achtsamkeit gelernt. Ihr Wissen gibt sie in Form von Seminaren und Workshops weiter.

Ihre ruhige und gelassene Haltung musste Antje Ricken, Ehrenamtliche beim Evangelischen Bildungswerk, erst lernen. Vor einigen Jahren besuchte sie selbst Kurse vom US- amerikanischen Mediziner Jon Kabat-Zinn, der diese Art der Meditation entwickelt und effektiv lehrbar gemacht hat. Das Ziel seiner Methode: Die Betroffenen sollen lernen, jeden Moment ihres Lebens „vorurteilsfrei zu registrieren und zuzulassen“. Gewöhnlich teilen Menschen die Welt in gut und schlecht oder „mag ich, mag ich nicht“ ein und wollen dann das eine haben, das andere vermeiden. Achtsamkeits-Geübte sehen bei allem genau, wie es  ist. Mehr nicht. Innere Noten geben sie nicht.

Die Ampel ist ihr Freund

Jetzt zur roten Ampel. Achtsamkeit, betont Ricken immer wieder, sei keine Methode, um die Gedanken stummzuschalten oder Stress zu vermeiden. Ganz im Gegenteil: Ricken trainiert, der roten Ampel nicht mehr ohnmächtig gegenüberzustehen. Die Ampel ist keine Last, weil man warten muss, sondern ein Gewinn, weil man etwas für sich machen kann: ruhig atmen zum Beispiel.

Neue Handlungsmöglichkeiten

Führt das zu Passivität oder Resignation? Keineswegs, sagt Ricken. Es erlaubt Menschen, aus gewohnheitsmäßigen Reaktionsmustern und nutzlosen Grübelspiralen auszusteigen und befreit für einen frischen Blick und neue Handlungsmöglichkeiten.

Das Rote-Ampel-Wundermittel

Das erfordert acht Wochen lang intensives Training von mindestens 45 Minuten am Tag. Das soll die Gedanken auf einen einzigen Punkt im Inneren konzentrieren, sodass die Achtsamen lernen, im Hier und Jetzt zu ruhen. Das funktioniert dann auch im Berufsverkehr. Was nach einem Rote-Ampel-Wundermittel klingt, ist mittlerweile wissenschaftlich in hunderten von Studien erforscht.

Achtsamkeit kann heilen

Dänische Forscher vom Universitätskrankenhaus in Aarhus kamen zum Schluss, dass das Anti-Stress-Programm nach Kabat-Zinn und eine abgewandelte Variante für Depressive die psychische Gesundheit stärkt, Gestresste entspannt und Angstpatienten beruhigt. Auch bei Patienten mit körperlichen Beschwerden zeigt die Methode Wirkung: Zwar nehmen die Beschwerden selbst nicht ab, aber die Patienten quälen sich weniger.

Programme in Bayreuth

Mit Rickens Hilfe baut das Evangelische Bildungswerk Bayreuth eine neue Programmsparte zum Thema Meditation und Achtsamkeit auf. Neben christlichen Meditationstraditionen, Klang- und Tanzmeditationen sind dort auch regelmäßig die wissenschaftlich belegten 8-Wochen Programme gegen Stress und Depressionen im Programm.

Info:

Am Mittwoch, 10. Januar, wird Johannes Michalak, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie einen Vortrag zum Thema Achtsamkeit und Depression halten. Eingeladen wurde er vom evangelischen Bildungswerk in Kooperation mit „Gemeinsam gegen Depression“ Bayreuth. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr und findet im kleinen Saal des evangelischen Gemeindehauses in der Richard-Wagner-Straße 24 statt. Michalak wird erklären, wie Achtsamkeit bei dazu genutzt werden kann, um Rückfälle bei Depression zu verhindern.

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