Die Leupser kämpfen für ihr Wasser

Für die Einwohner von Leups hat ein letzter Tropfen jetzt das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Entscheidung der Juragruppe, den 200 Einwohner kleinen Ort an eine geplante Ringleitung anzuschließen, hat den Kampfgeist geweckt. Eine Bürgerinitiative „Pro Leupser Quellwasser“ hat sich am Sonntagabend gegründet und eine Sprecherin gewählt. Ihr Ziel: Das Wasser aus der Quelle, die den Ort seit mehr als 60 Jahren mit Wasser versorgt, unbedingt zu erhalten.

Die meisten kennen Leups vom Durchfahren auf dem Weg von Trockau nach Pegnitz. Oder wegen des Bieres, das dort von der Familie Wolfring – vormals Gradl – gebraut wird. Aus dem gleichen Quellwasser, das die Leupser auch trinken. Und wegen seiner Qualität schätzen. Jetzt allerdings könnte Wirklichkeit werden, was sie lange nicht geglaubt haben: Die Juragruppe plant den Bau einer Ringleitung, um Pegnitz zu erschließen – und im Fall der Fälle Sicherheit zu geben.

Leups liegt auf der Route der Ringleitung

Leups liegt auf dem Weg der Ringleitung und soll an die Wasserversorgung der Juragruppe angeschlossen werden. So ist das im September von der Verbandsversammlung beschlossen worden. Seitdem brodelt es in Leups, seitdem gab es Treffen, zu denen der ganze Ort eingeladen war. „Weil wir uns als ein Bauernopfer fühlen“, sagt Anja Lüthje, Sprecherin der Bürgerinitiative, die sich im Feuerwehrhaus des 200-Einwohner-Ortes am Sonntagabend gegründet hat. Bauernopfer? Warum, wird schnell klar, wenn man in die Geschichte einsteigt: Leups hat seit den 50er Jahren diese Quelle, die die Versorgung sicherstellt. „Das Wasserhaus haben die Leupser damals selber gebaut. Bis 1978 gab es auch einen Wasserwart, der für Quelle und Versorgung zuständig war“, sagt Lüthje.

Wasserversorgung fiel 1978 an Pegnitz

Mit der Eingemeindung fiel die Wasserversorgung an Pegnitz, mit der Gründung der Juragruppe schließlich an die Juragruppe.  Interessant: „Schon 1996 hat sich Stadtrat Hans Hümmer dafür ausgesprochen, dass die Leupser Anlage im Rahmen der Juragruppe saniert werden soll.“ So stand es im Februar 1996 im Kurier zu lesen. Damals war es unter anderem um die Dorferneuerung gegangen. Und auch um eine mögliche Ausweisung weiterer Bauplätze. Hier wird wieder Hümmer zitiert: Er sehe, hieß es, „aufgrund der ihm bekannten Quellschüttung keine Probleme“.

Juragruppe hat den Leupsern zufolge kaum investiert

Die Leupser allerdings monieren: Seit 1996 sei kaum Geld in die Hand genommen worden von der Juragruppe, deren Werkleiter Hümmer seit 2005 ist, um die Wasserversorgung für Leups auf dem aktuellen Stand zu halten.  Im Gegenzug hätten die Leupser nach eigenen Schätzungen seit Übernahme durch die Juragruppe 750.000 bis eine Million Euro an Wassergebühren an die Juragruppe überwiesen. Komplett auf Eis gelegt habe Hümmer die möglichen Investitionen, als ein Landwirt aus Leups seine Planung bekanntgegeben habe, dass er einen Brunnen auf seinem Grundstück bohren werde. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Und: „In der Zeit musste das Wasser zwei Mal gechlort werden“, sagt Lüthje. Der Grund: Kolibakterien im Wasser, „möglicherweise eingebracht durch Säugetiere in das Wasserhäuschen“, sagt Anja Lüthje.  Das sei beim Zustand des Wasserhäuschens auch kein Wunder. Das Dach ist marode, die Dachrinne fehlt. Unter anderem.  „Die einzige Investition war eine UV-Anlage.“  Aber: Gutachter hätten – zuletzt bei einer Versammlung in Leups im September 2016 – dem Wasser eine hohe Qualität attestiert.

"Kosten für die Sanierung werden schwindlig gerechnet"

Was den Leupsern stinkt: „Die Kosten für die Sanierung werden schwindlig gerechnet.“ Außerdem werde immer wieder die Löschwasserversorgung ins Feld geführt. „Wir haben einen Behälter mit 100 Kubikmetern Vorrat. Damit können wir aus drei Rohren eine halbe Stunde lang voll löschen. In der Zeit haben wir längst ein Gewässer angezapft.“  Ebenfalls aus Sicht der Leupser eine Falschaussage: Die Abnahmemenge gehe zurück, wenn der Landwirt seinen Brunnen bohrt. „Stimmt nicht“, sagt Lüthje. „Der Landwirt würde Wasser in der gleichen Menge abnehmen, das Wasser aus dem eigenen Brunnen würde er lediglich für den neuen Stall nutzen.“ Und: Die Kosten, die immer wieder für die Wartung ins Feld geführt werden, können  auch durch eine Fernwartung in einen überschaubaren Rahmen gerückte werden. „Ein niedriger vier- bis fünfstelliger Betrag würde locker reichen“, sagt Anja Lüthje.

Wasser ist deutlich härter als das Leupser

Zudem sorgen sich die Leupser um die Folgekosten: Das Wasser der Juragruppe habe mit einer Gesamthärte von 17,3 einen mehr als sechfach höheren deutlich höheren Härtegrad als das Leupser Wasser (Gesamthärte 2,7). „Wir werden Folgeschäden haben. Wer kommt dafür auf?“ Zumal, wie Lüthje sagt, „ein gutes und erhaltenswertes Wasser vorhanden ist. Kann der Bau einer 500 Meter langen Leitung wirklich günstiger sein als die Sanierung des Wasserhäuschens?“ Kampflos wollen die Leupser, die sich zu der Initiative Pro Leupser Quellwasser zusammengeschlossen haben, der Juragruppe das Feld nicht überlassen. Sie haben einen Anwalt eingeschaltet, der alle offenen Fragen prüfen soll.     

Das sagt die Brauerei

Die Leupser Brauerei Gradl, die aus dem Leupser Quellwasser seit Jahrhunderten das Leupser Bier braut, ist ein nicht unmaßgeblicher Abnehmer des Wassers. Zudem gehörte die Quelle, um die es jetzt geht, einst der Brauer-Familie, die sie der Allgemeinheit Mitte des vergangenen Jahrhunderts zur Verfügung stellte. Stephan Wolfring, Braumeister und Inhaber der Brauerei, sagt auf Nachfrage unserer Zeitung: "Uns liegt sehr viel daran, das weiche Wasser zu behalten und auch weiter zum Brauen nutzen zu können." Wolfring sagt, er habe sich bereits informiert und müsste viel Geld investieren, um das Wasser der Juragruppe, wenn Leups an die Versorgung angeschlossen werden würde, enthärten zu können: "Ich müsste eine Enthärtungsanlage kaufen, die sicher rund 30.000 Euro kosten würde." Wichtig sei für ihn, sagt Wolfring, weiter aus zuverlässiger Versorgung hochwertiges - "und vor allem sicheres" - Wasser zum Brauen einsetzen zu können.

Das letzte Gutachten über das Leupser Quellwasser vom 10. November vergangenen Jahres, das auf der Internetseite der Juragruppe veröffentlich ist, bescheinigt dem Wasser gute Werte. Kernsatz des Gutachtens: "In hygienischer Sicht ist das Wasser nicht zu beanstanden." Der Nitratgehalt von vier Milligramm pro Liter gilt als niedrig. Es könne "von keiner Beeinflussung durch landwirtschaftliche Bodenbearbeitung ausgegangen werden", heißt es weiter. Das Wasser sei weich, besitze "leicht calcitlösenden Charakter".

Das sagt die Juragruppe

Hans Hümmer, der Werkleiter der Juragruppe, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, es gehe an erster Stelle um die Versorgungssicherheit, „der Bürger mit Wasser. Das ist unsere gesetzliche Verpflichtung“. Es werde „auch nichts über die Köpfe hinweg“ entscheiden, sagt Hümmer auf Nachfrage. „Wir sind pro Bürger eingestellt.“ Die Juragruppe habe jährliche Aufwendungen in Höhe von 30.000 Euro für die Wartung der Leupser Anlagen. „Da muss täglich jemand raus. An manchen Tagen sogar zwei Mal.“

Die Juragruppe hätte rund 500.000 Euro in die beiden Häuser – Brunnenhaus und Hochbehälter investieren müssen, um diese Gebäude zu sanieren. Damit sei jedoch auch die Gefahr „von Aufkeimungen im Wasser“ nicht gebannt. „Allein die letzte Aufkeimung hat Kosten in Höhe von rund 15.000 Euro nach sich gezogen“, sagt Hümmer.

Er verstehe, dass die Leupser sich eng mit ihrem Wasser verbunden fühlten, sagt der Werkleiter. Doch wie man es drehe und wende: Eine zukunftssichere Wasserversorgung könne aus seiner Sicht nur durch Anschluss an die Ringleitung gewährleistet werden. Gerade mit Blick auf die Brauerei sei dieser Schritt wichtig. Sorgen wegen der Wasserhärte lässt Hümmer nicht gelten: „Wir versorgen aktuell sechs Brauereien mit unserem Wasser.“

Mit dem Bau der Leitung wolle die Juragruppe im kommenden Jahr beginnen – „und die bauen wir auch nicht innerhalb von einem Jahr“.

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