Die Konjunktur wirkt Arbeitsagentur: Gute Zahlen für die Region

Henri Schulz (links) übergibt die Bereichsleitung in der Arbeitsagentur nach 42 Dienstjahren an seinen Nachfolger Thomas Oetter. Foto: Udo Bartsch

BAYREUTH. Bei der Arbeitsagentur endet eine Ära. Nach 42 Jahren geht der Bereichsleiter Henri Schulz in den Ruhestand. Er hat die Reform der Arbeitsverwaltung und den Niedergang der Textilindustrie miterlebt. Über die Situation in Oberfranken sagt er: "Das Bild von der sterbenden Region können Sie abhaken. Wir haben den Wandel zu einem prosperierenden Raum geschafft."

Das belegt die Arbeitsagentur Bayreuth/Hof mit ihren aktuellen Zahlen. Danach betrug die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk im Juni 3,3 Prozent. In Oberfranken lag sie bei drei Prozent, in Bayern bei nur 2,7 Prozent. Demgegenüber im Bund: fünf Prozent. Nicht ohne Stolz weist Sebastian Peine, Vorsitzender der Geschäftsführung auf die gute Entwicklung seit dem Jahr 2005 hin.

Runter auf ein Drittel

Nach den Worten Peines sank die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk in den vergangenen 13 Jahren von rund 26.000 auf 8500, also ein Drittel. Auch der Vergleich mit Bayern lasse sich sehen: So nähere sich der Durchschnittswert der Arbeitslosenquote Oberfrankens dem bayerischen Durchschnitt an. Die Region verzeichne den viertgrößten Zustrom von Pendlern in Bayern. "Die kommen aus Thüringen und Sachsen", so der Bereichsleiter Schulz.

Schulz war 1976 zum damaligen Arbeitsamt Bayreuth gekommen. Von 1980 bis 1985 leitete er die Geschäftsstelle in Pegnitz. Anschließend ging er nach Kulmbach und war dort bis 2005 Geschäftsstellenleiter.

Schulz war die ideale Besetzung

Peine würdigte Schulz als ideale Besetzung. Er habe sich stets in die gestellten Situationen hineingefunden. Schulz sei ein "Brückenbauer", der Menschen zusammenführen und Mitarbeiter auf schwierigen Wegen mitnehmen könne.

Schulz wirkte bei großen Umwälzungen in der Arbeitsverwaltung mit. So arbeitete er mit bei der Gründung der Arbeitsgemeinschaften für die Grundsicherung als Grundsteine für die heutigen Jobcenter und war beteiligt, als die Kundenzentren eingeführt wurden. Seinen Beitrag leistete er auch bei der Verschmelzung der Bayreuther mit der Hofer Agentur. "Das war eine Sysiphus-Aufgabe", erinnert sich Schulz. All seine Erfahrungen gab er auch gern als Trainer an rund 300 Führungskräfte bundesweit weiter.

Zeuge des Strukturwandels

In den zurückliegenden 42 Jahren war Schulz auch Zeuge des tiefgreifenden Strukturwandels in der Region. Was Arbeitslosigkeit bedeute, habe er selbst erfahren, bevor er 1976 zum Arbeitsamt kam. In den vergangenen Monaten waren er und seine Kollegen auch mit der Massenentlassung bei BAT in Bayreuth beschäftigt.

500 der 900 ehemaligen BAT-Beschäftigten befänden sich zurzeit in der eigens gegründeten Transfergesellschaft. Rund 200 Entlassene hätten eine neue Arbeit gefunden, berichtete Schulz. 175 befänden sich in Fortbildungsprogrammen. Wer eine neue Arbeit gefunden habe, müsse deutliche Einbußen hinnehmen. "Die ehemaligen BAT-Beschäftigten verdienen 1000 bis 1200 Euro weniger", so Schulz.

Während der 20 Jahre als Geschäftsstellenleiter in Kulmbach erlebte Schulz den Niedergang der Textil- und Bekleidungsindustrie mit Massenentlassungen. Er scheute sich nicht, ungewöhnliche Wege zu beschreiten - wenn möglich. So gestaltete er zusammen mit Radio Plassenburg die regelmäßige Rundfunksendung Schulz & Co. Die Themen darin: Arbeitsmarkt, Berufsberatung und Fortbildung.

Damit habe er den Hörern ihre Existenzängste nehmen und Zuversicht vermitteln wollen. Impulse gab der umtriebige Beamte aus der Arbeitsverwaltung auch für die berufliche Fortbildung im Raum Kulmbach. Schulz dazu: "Damals war das viel einfacher als heute."

Eine reizvolle Zeit

Gern spricht er auch über die guten und fruchtbaren Kontakte ins Kulmbacher Rathaus und das Landratsamt. Immer dann, wenn es um die Ansiedlung eines neuen Betriebes gegangen sei, hätten sich in kürzester Zeit Politiker, Wirtschaftsförderer und er als Geschäftsstellenleiter zusammengesetzt und beraten, was zu tun sei.

"Kulmbach war eine reizvolle Zeit", sagt Schulz. Vieles sei dort möglich gewesen. So sei es gelungen, 1000 bis 1500 Frauen aus der zerfallenen Textilindustrie einen neuen Start zu verschaffen. Nicht wenige hätten umgeschult auf Altenpflegerin.

Oetter Chef beim THW

Sein Nachfolger ist Thomas Oetter. Er hat in den vergangenen Jahren verschiedene Aufgaben in der Bayreuther und Kulmbacher Arbeitsagentur übernommen. Zuletzt war Oetter in Nürnberg als Bereichsleiter tätig. Vielen Bayreuthern ist Oetter auch als Ortsbeauftragter des Technischen Hilfswerks bekannt.


Die Flüchtlinge in der Region:

Im Agenturbezirk lebten im Juni 4010 Flüchtlinge. Auf die Stadt Bayreuth entfallen 652 und auf den Landkreis 280. Im Landkreis Kulmbach sind es 425, im Landkreis Wunsiedel 880. In der Stadt Hof leben 1348 Flüchtlinge und im Landkreis Hof 425.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading