DHB-Team mit Chance auf EM-Halbfinale

Erst als der letzte russische Wurf mit der Schlusssirene das Ziel verfehlt hatte, löste sich die Anspannung auf der deutschen Bank. Entsprechend groß war der Jubel bei Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Foto: Maciej Kulczynski/EPA

Die deutsche Mannschaft hat bei der Europameisterschaft in Polen das Tor zum Halbfinale aufgestoßen. Nach dem vierten Sieg in Folge mit 30:29 (17:16) in einem buchstäblich bis zur letzten Sekunde dramatischen Duell gegen starke Russen hat sie nun die Chance, zum Abschluss der Gruppenspiele am Mittwoch gegen Dänemark aus eigener Kraft einen der ersten beiden Plätze in ihrer Hauptrundengruppe zu erobern.

Russland stellte die DHB-Auswahl wieder vor andere Aufgaben als die bisherigen Gegner. Hohes Tempo und variantenreicher Angriff mit viel Wirkung über den Kreis (Chipurin) waren die auffälligsten Merkmale im Konzept des spielerisch starken Teams, das unter anderem drei Kempa-Tore erzielte.

Beim 4:7 (8.) waren die Deutschen noch nicht im Spiel, ehe die Abwehr zumindest den russischen Rückraum besser in den Griff bekam. Hauptsächlich war die erste Führung beim 11:10 (21.) aber dem Angriff zu verdanken. Die Rückraumschützen kamen durch präzise Vorarbeit in gute Positionen und trafen entsprechend hochprozentig. Das nutzte vor allem Christian Dissinger zu seiner besten Turnierleistung. Lücken am Kreis wurden durch Erik Schmidt ebenso sicher verwertet.

Mit der Umstellung auf 5:1-Abwehr und dem Rückhalt des nach 23 Minuten eingewechselten Carsten Lichtlein im Tor schien das DHB-Team beim 25:20 (45.) das Geschehen unter Kontrolle zu bekommen. Dann hemmte jedoch eine Sonderbewachung für Dissinger den Spielfluss, und schließlich fiel der Torjäger sogar verletzt aus. Zudem hatten die Deutschen mehr Pech mit den Entscheidungen der schwachen Schiedsrichter, die unter anderem bei zwei Treffern den Ball nicht hinter der Linie gesehen hatten.

Dissinger und Weinhold verletzt

So war auch das 30:27 gut zweieinhalb Minuten vor Schluss noch nicht die Entscheidung. Ein Ballverlust von Fabian Wiede bescherte den Russen eine Konterchance zum Ausgleich, die Steffen Weinhold bei einer Restspielzeit von elf Sekunden mit starkem Einsatz unterband (wobei er sich am Oberschenkel verletzte). Der russische Distanzwurf mit der Schlusssirene ging über das Tor. „Unser einziges Problem sind nun die beiden Verletzungen“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Dissinger und Weinhold haben sich Muskelverletzungen zugezogen und wurden sogar ins Krankenhaus gebracht. „Es sieht bei beiden nicht gut aus. Wir werden auf jeden Fall nachnominieren.“ Während der Vorbereitung hatte er für diese Positionen Julius Kühn (Gummersbach) und Kai Häfner (Hannover) ins Trainingslager geholt.

Deutschland: Wolff, Lichtlein – Sellin, Lemke, Reichmann 5/2, Wiede 1, Pekeler, Weinhold 4, Strobel, Schmidt 6, Fäth 4, Dahmke 2, Ernst, Pieczkowski, Dissinger 7, Kohlbacher 1.

Russland: Kirejew, Bogdanow – Schischkarjew 1, Kowaljow 2, Tschernoiwanow 2, Atman 3, Gorbok 3, Tschipurin 5, Kalarasch, Schelmenko 1, Daschko, Busmakow 1, Dibirow 7/4, Soroka, Tselitschew, Schitnikow 4.

SR: Santos/Fonseca (Portugal); Strafminuten: 10/2; Zuschauer: 6200.

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