Deutsch als Zweitsprache

Florentino Meyer ist der Lehrer von den beiden rumänischen Jungs Paul (rechts) und Andrei. Manchmal übersetzt Andrea (links) aus der dritten Klasse. Foto: Klaus Trenz

Es ist eine große Herausforderung für alle. Erstmals werden an der Grundschule Schnabelwaid drei nicht Deutsch sprechende Kinder unterrichtet. Zwei Jungs aus Rumänien gehen in die Kombiklasse 1/2, ein Syrer ist in der dritten Jahrgangsstufe.

„Es ist einfacher zuzuhören und zu verstehen, als selber Deutsch zu sprechen“, sagt Andrei (8). Darum übersetzt auch Andrea, ein rumänisches Mädchen aus der dritten Klasse, das schon perfekt die deutsche Sprache beherrscht. Andrei und sein Bruder Paul (7) sind erst vor ein paar Wochen gekommen. Der Vater arbeitet hier auf dem Bau und hat nun die Familie nachgeholt. Das einzige Wort, das die beiden Jungs da konnten, war „Hallo“. Inzwischen läuft es etwas besser. Andrei kann kurze einfache Sätze, Paul reckt die Finger hoch und zählt stolz bis Zehn. Ja, es ist schon eine Belastung für ihn, dass er nicht so einfach mit den Klassenkameraden reden kann, sagt Andrei. Darum will er so schnell wie möglich die Sprache lernen. Einfach ist es beim Fußballspielen, das machen die beiden mit den deutschen Kindern sehr gerne und das geht auch problemlos mit verschiedenen Sprachen.

Beschreibung mit Bildern und Gestik

Wie läuft das im Unterricht? Der Lehrer - Florentino Meyer - beschreibt viel mit Bildern oder Gestik, spricht langsam vor. „Es ist eine sehr geduldige und hilfsbereite Klasse“, sagt er. Paul tue sich mit dem Lernen etwas leichter, da er die gleichen Startvoraussetzungen wie die anderen Erstklässler hat, wie sie die Lautschrift gleich lernt. „Andrei kann zwar rechnen, aber er versteht den Text der Sachaufgaben nicht“, sagt Meyer. Aber es sei enorm, wie viel sich in den vergangenen Wochen trotzdem schon bei ihm getan hat. „Das war ein schleichender Prozess“, so sein Lehrer weiter. Meyer kann die Situation der beiden Rumänen gut nachvollziehen. Er hat selber in der Kindheit ein Jahr in Spanien gelebt und hat erfahren, wie es ist „man wird nicht verstanden“. Immer wieder spricht er den Jungs die Wörter klar und deutlich vor. Und wenn er merkt, dass nichts mehr geht, dann widmet er sich eine Zeit lang ausschließlich einem vom beiden, fördert sie.

Besondere Förderung

Viel lernen die beiden Rumänen und der Syrer in DAZ – Deutsch als Zweitsprache. „Das zieht sich eigentlich jeden Tag durch die Woche“, sagt Rektor Gerhard Berlinger, der die Kombiklasse 3/4 unterrichtet. Auch im Differenzialunterricht - wenn er und Meyer sich Kinder widmen, die in bestimmten Fächern eine besondere Förderung brauchen – wird auf das Sprachdefizit besonders eingegangen. Und dann gibt es noch ein spezielles Computerprogramm, das weiterhilft. Wenn es mal gar nicht klappt mit der Verständigung, sagt Berlinger, nutzt er den Google-Übersetzer. Besonders bei dem syrischen Jungen ist das hilfreich, weil das arabische Schriftbild – unter anderem von rechts nach links – völlig anders ist. Das wendet er auch an, wenn er Kontakt mit den Eltern hat. So hat er neulich einen Brief an sie geschrieben und eine ebenfalls übersetzte Antwort zurückbekommen. „Das klappt gut“, sagt er.

Ländlich strukturiert

In der Ausbildung ging es zwar auch um Individualisierung und Differenzierung, sagt Meyer. „Aber das ist nur Theorie, die Praxis ist ganz anders und härter“, hat er festgestellt. Was er als positiv ansieht, ist, dass Schnabelwaid eine sehr kleine Schule ist, ländlich strukturiert. „Hier ist die Atmosphäre viel familiärer“, sagt Meyer, der vorher an einer Grundschule in München war. Für die Kinder hier ist das kein Problem, dass sie nicht Deutsch sprechende Mitschüler haben. Sie erklären mit Händen und Füßen, sind sehr geduldig, sprechen langsam vor. Es ist für sie ganz selbstverständlich, sie haben keine Vorurteile. „Die Entwicklung bei den Kindern geht relativ schnell“, sagt Meyer. Sie lernen die Sprache einfacher, als ein Erwachsener. Ob sie nun am Ende des Schuljahres in die nächste Jahrgangsstufe können, muss man abwarten, sagt Berlinger. Er muss ein Gutachten schreiben und es gibt Elterngespräche. Und dann muss er ganz individuell entscheiden, ob die Kinder in die nächst höhere Klasse können oder, ob erst noch die Sprache weiter gefördert werden muss.

Mit Händen und Füßen

„Es ist schon einfacher, mit den deutschen Kindern zu reden“, sagt auch Pauline, die ebenfalls in die Kombiklasse 1/2 geht. Aber mit Händen und Füßen ist es eigentlich kein Problem. Sie kommt mit den beiden Rumänen gut klar.

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