Der Wolf kommt die Bauern teuer

Foto: Ronald Wittek

Die Landwirte in Oberfranken haben Angst vor dem Wolf. Insbesondere Weidehalter sind betroffen. Schlimmste Befürchtungen gehen soweit, dass immer mehr Bauern aufgeben, weil die Schutzmaßnahmen zu teuer sind und damit ein Strukturwandel „durch die Hintertür“ stattfindet. 

Bei der Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Bauernverband in Bayreuth sprach sich der Vorsitzende Harald Roder für klare Richtlinien in Sachen finanzieller Ausgleich bei Wolfsschäden aus. Norbert Böhmer, Landwirt und Weidehalter aus Plankenfels kritisierte, dass die Bauern in Sachen Wolf alleine gelassen werden und das Problem in der Öffentlichkeit bagatellisiert wird.

70 Rudel in Deutschland

„Wie sollen wir mit dem Neubürger Wolf umgehen“, so Norbert Böhmer, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Nutztierhalter würden wenig Freude daran haben, so viel steht fest. Auch er hat schon fünf Tiere verloren. Ob es der Wolf war, sei aber lediglich ein Verdacht. Einen entsprechenden DNA-Test gebe es nicht, weil die Tiere ja verschwunden sind.

Aktuell gibt es laut Böhmer 70 Rudel in Deutschland. Das bedeute 700 bis 800 Tiere. Gehe man davon aus, dass ein Rudel 250 Quadratkilometer besetzt, könne man davon ausgehen, dass der Wolf in Deutschland längst angekommen sei. Der Landwirt sprach von bundesweit mittlerweile mehr als 10.000 Nutztierrissen. Die Tiere auf betroffenen Weiden würden beispielsweise ihr Fressverhalten ändern, vor allem Jungtiere stünden verstärkt unter Stress. Auch Ausbrüche von ganzen Herden als Folge eines Wolfangriffs hätten bereits für Wirbel gesorgt.

Mittlerweile seien aber nicht nur die Tiere auf den Weiden vom Wolf bedroht, sondern auch Tiere in Außenklimaställen und Kälberiglus. Als einzige wirksame Gegenmaßnahme bezeichnete der Sprecher eine komplette elektrische Einzäunung in Kombination mit Herdenschutzhunden. Allerdings sei der Wolf sehr schlau und lernfähig und könne locker über einen 1,50 Meter hohen Zaun springen.

Schwarzwildproblematik ein Dauerthema

Vorteil des Herdenschutzhundes ist es, dass er sein Revier markiert und damit den Wolf fernhält. Positiver Nebeneffekt sei es, dass auch Schwarzwild fernbleibt. Allerdings müsse ein elektrischer Zaun ständig ausgemäht sein, er darf nicht zuwachsen, was einen riesigen Arbeitsaufwand bedeute. Neben der Förderung von Zäunen und Herdenschutzhunden sprach sich Böhmer auch für Abschussgenehmigungen von Wölfen aus. „Zum Problemtier wird der Wolf, wenn er sich beim Menschen sehen lässt, nicht erst, wenn er einen Menschen anfällt“, gab der Landwirt zu bedenken.

Zum Dauerthema ist bei den Jagdgenossenschaften längst die Schwarzwildproblematik geworden. „Der Bestand ist nicht weniger, die Strecke allerdings geringer geworden“, sagte der Kreisvorsitzende Harald Roder. Woran dies liegt, darüber könne man nur spekulieren.

Drohende Schweinepest

Ganz besonders wichtig ist die Reduzierung des Schwarzwildbestandes vor allem wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest. Gottfried Krommer, Leiter des Sachgebietes Veterinärwesen und Verbraucherschutz bei der Regierung von Oberfranken sprach von einer echten Herausforderung. Fachleuten zufolge sei es gar nicht mehr die Frage, ob, sondern wann die Schweinepest in Deutschland ankommt. Wenn die Krankheit auch für den Menschen völlig ungefährlich ist, würden bei einem Vorkommen in Deutschland sämtliche Märkte einbrechen.

Bei der Versammlung stellte sich auch der für ganz Oberfranken zuständige Wildlebensraumberater Matej Mezovsky vom Landwirtschaftsamt Bad Staffelstein vor. Er berät über Maßnahmen, die zum einen der Natur helfen und die zum anderen dem Landwirt Geld bringen. Dazu gehörten beispielsweise die Anlage von Erosionsschutzstreifen und Brutflächen, aber auch Winterbewuchs, der als Nahrungsquelle für Singvögel dient.

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