Der letzte Tote 8. November 1918: Georg Freund fällt im Bayreuther Regiment

Die Notiz über Georg Freund im Regimentstagebuch. Repro: Kircher

BAYREUTH/KAIN. "In dieser Nacht fällt Fähnrich Freund der 3. Maschinen-Gewehr-Kompagnie, in dem das Regiment seinen letzten am Feinde gefallenen Helden betrauert."

Er gehört zum Bayreuther Infanterie-Regiment und in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 zur Nachhut, die den Rückzug der deutschen Truppen vor den nachrückenden Franzosen, Engländern und Amerikanern in Belgien schützen soll. Freund ist der letzte Gefallene seines Regiments im Ersten Weltkrieg - ein letzter sinnloser Tod, während in Bayreuth längst jedem klar sein dürfte, dass der Krieg zu Ende geht.

Keim für neues Unheil

Schon in seiner Ausgabe vom 7. November titelte das Bayreuther Tagblatt: "Die Waffenstillstandsbedingungen der Sieger". Es war erkennbar, dass es kein echter Frieden werden würde. Es lässt sich vielmehr bereits erahnen, dass im Ende des Krieges bereits der Keim für neues Unheil lag.

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Das Bayreuther Tagblatt schreibt über die Waffenstillstandsbedingungen der Alliierten: "Die Kriegsentschädigung wird uns alle (...) zu Sklaven im vollsten Sinne des Wortes machen: Spanne dich vor den Pflug, deutsches Volk, und schufte, schufte 50 Jahre lang, damit der belgische und französische Acker wieder blühen, damit Engländer, Amerikaner, Franzmann und Belgier der Früchte des von ihnen gewollten Krieges froh werden!"

Kämpfe am Grenzfluss Schelde

Und während in der Zeitung schon von Friedensbedingungen berichtet und über Reparationsforderungen geschimpft wird, während sich also schon die Gewissheit bis in die Wohnzimmer verbreitet, dass der Krieg enden wird, wird an der Westfront, wo die Überreste des Bayreuther Regiments stehen, noch gekämpft und gestorben.

Die Heeresleitung berichtet in derselben Ausgabe der Zeitung ganz nüchtern von Kämpfen am Fluss Schelde - also dort, wo auch Fähnrich Freund und die verbleibenden Siebener, wie sich die Soldaten aus dem 7. Infanterie-Regiment nennen - stehen.

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Noch ist Fähnrich Georg Freund am Leben und hat wohl Hoffnung, seine Haut zu retten. Die Heeresleitung berichtet: "Der Feind, der gestern nach starkem Artilleriefeuer seine Angriffe wiederaufnehmen wollte, stieß auf geräumte Stellungen." Die deutschen Soldaten ziehen sich zurück. Nur die Nachhuten stellen sich noch den Franzosen, Engländern und Amerikanern. Und zu einer dieser Nachhuten zählt Freund mit seiner Maschinen-Gewehr-Kompanie.

Das Leben und Sterben von Georg Freund ist im Kriegstagebuch des Königlich Bayerischen 7. Infanterie-Regiments Prinz Leopold notiert. Er wurde am 14. Juni 1898 in München geboren.

Er wird nicht nach Hause zurückkehren

Für ihn ging es aus dem Lehrsaal in den Schützengraben. Als Freund in den Krieg zog, studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität Neuere Sprachen. Als Student wird er in offiziellen Aufzeichnungen der Uni geführt. Fähnrich Freund, Träger des Eisernen Kreuzes, war also gerade einmal 20 Jahre alt, als er drei Tage vor Ende des Ersten Weltkrieges im belgischen Grenzörtchen Kain fiel. Seine Familie in München wird wohl erst nach Kriegsende erfahren haben, dass er nicht nach Hause zurückkehren würde.

 

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