Der Landkreis verliert, die Stadt gewinnt

Stadt und Land klaffen immer weiter auseinander: Der Landkreis Bayreuth hat in fünf Jahren 1351 Einwohner verloren, das entspricht etwa der Bevölkerungszahl der Gemeinde Mehlmeisel. Nach neuen Zahlen des Statistischen Landesamtes legte die Stadt Bayreuth dagegen von 2011 bis 2016 um 1851 Einwohner zu. Gewinner und Verlierer sind Stadt und Landkreis damit auch bei der Verteilung staatlicher Zuweisungen.

Die Nachricht vor einigen Tagen klang durchweg positiv: Nicht nur Bayern, auch Oberfranken hat ein deutliches Plus bei der Einwohnerzahl zu verzeichnen: Von 2015 auf 2016 stieg die Bevölkerungszahl in Bayern um rund 87.000, in Oberfranken immerhin noch um 3036 Einwohner. Für den anhaltenden Aufwärtstrend in Bayreuth sieht Stadtsprecher Joachim Oppold mehrere Gründe: Die „sehr erfolgreiche Entwicklung der Universität Bayreuth“, aber auch eine „positive Stadtentwicklung“ mit neuen Arbeitsplatz- und Wohnangeboten und einer „insgesamt hohen Lebensqualität“.

Die Entwicklung verlief aber innerhalb des Regierungsbezirks und sogar innerhalb des Landkreises Bayreuth höchst unterschiedlich: Bevölkerungsgewinne verzeichneten alle kreisfreien Städte sowie die Landkreise Bamberg und Forchheim, bei allen anderen Landkreisen steht ein Minus vor der Jahresbilanz.

Wer gewinnt, wer verliert

Im Landkreis Bayreuth sind bei einem Vergleich der Einwohnerzahlen über einen Zeitraum von fünf Jahren, also von 2016 zu 2011, die größten Verlierer mit jeweils dreistelligen Verlusten: Pegnitz, Weidenberg, Speichersdorf, Hollfeld und Fichtelberg. Gegen den Trend zulegen konnten vor allem Creußen, Bad Berneck und Warmensteinach (Grafik).

 

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Herbert Retzer, Sprecher des Landrats, nennt mehrere Gründe für die Verluste im Landkreis: Strukturschwäche des ländlichen Raums, Überalterung der Bevölkerung und die Abwanderung junger Bürger in Verdichtungsräume. Innerhalb des Landkreises gebe es die geringsten Verluste oder sogar Gewinne in Gemeinden im engeren Umfeld der Stadt Bayreuth. Deshalb fordere der Landkreis regelmäßig, bei der Abgrenzung von Fördergebieten nicht den nivellierten Landkreisdurchschnitt zu verwenden, sondern dort kleinräumig zu fördern, wo es die größten Verwerfungen gebe.

 

Beispiel Bad Berneck: Die Stadt gehört zu den größten Gewinnern bei der Bevölkerungsentwicklung. Der Zuzug gleicht nicht nur den Sterbeüberschuss von rund 40 Personen pro Jahr aus, unterm Strich steht im Fünf-Jahresvergleich sogar ein Plus von 65 Einwohnern. Die Zuwanderung ausländischer Bevölkerung, die das Statistische Landesamt als Ursache für die Bevölkerungsgewinne bayernweit sieht, spielt auch in Bad Berneck eine große Rolle. „Vor allem 2016 gab es viele Zuzüge aus dem Ausland“, sagt Bürgermeister Jürgen Zinnert. Derzeit leben 77 gemeldete Asylbewerber in der Stadt.

Grundsätzlich sehe er das positiv. Nötig sei allerdings ein besserer Personalschlüssel in den Kitas, weil durch die vielen verschiedenen Sprachen die Betreuung aufwändiger werde. Wünschbar sei außerdem ein Integrationsbeauftragter für die Stadt. Bad Bernecks Bevölkerung sei aber nicht erst seit dem Flüchtlingszuzug gewachsen, sondern schon vorher, betont Zinnert: Die Stadt sei dank guter Versorgungsstruktur, reizvoller Landschaft und guter Verkehrsanbindung ein attraktiver Wohnort. „Die Nachfrage nach Baugrundstücken war im vergangenen Jahr höher als das Angebot“, sagt der Bürgermeister.

 

Beispiel Fichtelberg: Im beinahe benachbarten Fichtelberg sieht die Lage ganz anders aus: 139 Bürger weniger in fünf Jahren – der Rückgang von gut sieben Prozent ist der stärkste im Landkreis. Bürgermeister Georg Ritter reagiert nicht erfreut auf die Nachricht, dass seine Gemeinde Schlusslicht ist. „Einwohnerrückgang muss man wohl immer negativ bewerten“, teilt er mit. Hauptgrund für den hohen Verlust sei, dass der Fichtelberger Asylunterkunft ab Herbst 2016 wegen der angekündigten Schließung weniger Asylbewerber zugewiesen worden seien. Tatsächlich war 2016 das Jahr mit dem höchsten Rückgang: 83 Einwohner verlor Fichtelberg allein 2016.

Abgesehen davon sei der Einwohnerrückgang in Fichtelberg „durchschnittlich“. Ritter erwartet infolge des Rückgangs finanzielle Einbußen für die Gemeinde: Weniger Einwohner heiße weniger staatliche Zuweisungen. Auf die Frage nach der Zukunftsperspektive für Fichtelberg antwortet er: „schwierig“.

Weniger Einwohner, weniger Geld

Die verschiedenen staatlichen Zuweisungen für Kommunen sind an die Bevölkerungszahl gebunden, bestätigt das Landratsamt. Allein aus der Finanzzuweisung erhalten der Landkreis und die Gemeinden für jeden Bürger je 17,85 Euro. 1351 Bürger weniger heißt rund 24 000 Euro weniger für den Landkreis und dieselbe Summe nochmal auf die Gemeinden verteilt.

 

Info: Die Einwohnerdaten des Statistischen Landesamtes beruhen nicht auf einer tatsächlichen Volkszählung 2016, sind aber dennoch keine Zahlenspielerei. Die letzte Zählung der Bevölkerung fand im Jahr 2011 statt. Seitdem schreiben die Statistiker die Bevölkerungszahlen jedes Jahr fort, indem sie für jede Gemeinde Geburten, Sterbefälle, Zu- und Wegzüge erfassen, erläutert Landesamtssprecher Gunnar Loibl. Heraus kommt dann die amtliche Einwohnerzahl jeder einzelnen Gemeinde, an der sich alles staatliche Handeln orientiere: Von Bürgermeistergehältern über Gemeinderatsgrößen bis hin zu finanziellen Zuweisungen.

 

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