Der grüne Faden Helmut Pfaffenberger: Schatzjäger vor der eigenen Haustür

BAYREUTH. Seine Zulassungsarbeit fürs Lehramt war der Startschuss für ein lebenslanges Forschungsprojekt über seine Heimat Mistelgau, das ihm noch heute Spaß macht: Helmut Pfaffenberger.

Wer ihn kennt, der weiß: das ist ein Mensch, der genau das sagt, was er denkt. Den Grünen Faden hat Helmut Pfaffenberger genau deshalb erhalten. Und im Gespräch wird schnell klar, dass er über sich und sein Leben genau so denkt und spricht und durchaus auch kritische Töne anschlägt.

Sein Engagement für Heimatpflege und Heimatforschung begann zum Beispiel erst mit seiner Zulassungsarbeit für das Lehramt an Hauptschulen. „Als junger Mensch habe ich mich mit meiner Heimat überhaupt nicht beschäftigt, da war ich auch nie an alten Bauwerken interessiert“, sagt Pfaffenberger. „Aber die Vorlesungen an der Pädagogischen Hochschule waren so interessant, dass es mich gepackt und nie wieder losgelassen hat.“

Zwei Bücher sind aus diesem Interesse heraus bisher entstanden: „Unser Hummelgau – Sitte und Brauchtum“ und „Unser Hummelgau – Landschaft und Geschichte(n)“. Eines jedenfalls kann Helmut Pfaffenberger jedem nur empfehlen: „Beschäftigt euch mit eurer Heimat – der Spaß daran kommt garantiert. Heimatpflege macht süchtig.“

Leidenschaft für die Musik

Helmut Pfaffenberger kam am Ersten Weihnachtstag 1948 in Mistelgau, Hausnummer 63 zur Welt und wuchs mit seinem älteren Bruder Manfred auf. Mitte der 1950er zog die Familie in die Hausnummer 20 um, wo 1964 der jüngere Bruder Roland das Buben-Trio vervollständigte.

Natürlich halfen die drei in der Landwirtschaft ihrer Tante mit. Doch als Helmut zehn Jahre alt war, trat ein massives Problem auf, das sein ganzes weiteres Leben prägen sollte: „Ich bekam Asthma, und zwar dermaßen stark, dass ich jede Nacht Anfälle hatte und kaum Luft bekam. Das war für mich und meine Familie sehr beängstigend. Tagsüber, sobald ich aus dem Haus raus ging, besserte sich mein Zustand langsam.“

Der Junge hatte ein allergisches Asthma entwickelt und reagierte auf alles: Hausstaub, Tier- und Menschenhaare, Heustaub. In der Schule war er so schlapp, dass er sich vom Sportunterricht befreien lassen musste. „Ich war ja eigentlich ein guter und begeisterter Fußballer! Aber sobald ich in Räume kam, die staubig waren, ging es wieder los.“ Die nächtlichen Anfälle gingen erst zurück, als die Familie 1969 in ihren Neubau zog.

Mit zwölf Jahren trat Helmut Pfaffenberger dem Posaunenchor Mistelgau bei und verbrachte die ersten Jahre dort hauptsächlich damit, die Griffkombinationen für die Töne zu lernen und die Instrumente zu putzen. Durch seinen Akkordeonunterricht und seine Freunde beim Posaunenchor hatte er dann aber doch neben dem Fußball eine neue Leidenschaft entdeckt: die Musik. „Ich habe mir dann mit der Zeit immer mehr Instrumente selber beigebracht und bin schließlich mit meiner ersten Band, den Swinging Sounds, aufgetreten. Mir hat es einen Riesenspaß gemacht – für meine Schulkarriere war es allerdings nicht sehr förderlich, das muss ich zugeben.“

Die Tuba nicht mehr wegzudenken

Musikalische Geistesblitze, erzählt er lachend, hätten immer öfter den Schulstoff und damit auch die Konzentration durchkreuzt, und besonders bei den Nacherzählungen in Englisch oder Französisch sei das mehr als hinderlich gewesen. „Sonst hab ich mich mit der Konzentration nie schwergetan, aber damals hab ich mir oft gedacht: Hilfe – wo ist mein roter Faden?“

Von 1968 bis zum Abitur 1970 an der damaligen Oberrealschule (dem heutigen Graf-Münster-Gymnasium) strich er die Musik aus seinem Leben, doch für das Studium an der Pädagogischen Hochschule in Bayreuth ließ er sie wieder aufleben. „Saxofon und Tuba kamen dann noch zu meinem Instrumentensammelsurium dazu, und es war herrlich.“ Den Posaunenchor Mistelgau leitet er nun seit 1981, und die Tuba ist aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken.

Was aus seinem Leben noch weniger wegzudenken ist, ist seine Frau Angelika. Die beiden lernten sich Ende der 1960er Jahre beim Jugendtanz im Jazzkeller (das spätere Borracho) kennen, und die Sache war von Anfang an klar: „Ich war 15, der Helmut war 19“, erinnert sich Angelika Pfaffenberger. „Bei uns hat es eingeschlagen, es hat gepasst, und es passt bis heute.“

Zwei Kinder, zwei Schwiegerkinder und fünf Enkelkinder, die alle in unmittelbarer Reichweite leben, komplettieren das Familienleben der Pfaffenbergers. Die beiden sind, wenn sie nicht mit Posaunenchor, Sportverein oder Freunden unterwegs sind, immer für die Familie da. „Oma und Opa in ständiger Bereitschaft“ – sozusagen. „Wir nehmen uns die Zeit für die Familie, weil wir absolute Familienmenschen sind und das schon sehr genießen.“

Alles wird im "Bordcomputer" notiert

Helmut Pfaffenberger war als Lehrer in Hummeltal und Mistelgau tätig und die letzten beiden Berufsjahre vor der Pensionierung als mobile Reserve unterwegs. Dass er nicht Konrektor oder Rektor wurde, empfindet er heute als großen Glücksfall: „Ich habe ins Klassenzimmer gehört, nicht ins Büro. Ich habe erleben dürfen, wie sich die Kinder in der Orientierungsstufe entwickeln und konnte vielen Schülern einen Neustart in Richtung Realschule oder Gymnasium ermöglichen.“

Sein Engagement für Heimatpflege umfasst die zwei oben schon genannten Bücher, mittlerweile 122 Exemplare des „Hummelgauer Heimatboten“ und eine ganze Regalreihe voller Ordner, in denen er noch mehr Stoff über seine Heimat gesammelt hat. „Jäger und Sammler“ nennt ihn seine Frau liebevoll, denn Helmut Pfaffenberger dokumentiert alles – und damit meint sie wirklich alles. In seinem „Bordcomputer“ – ein kleines Heftchen – sind seine medizinischen Daten, Kalender und Adressen notiert, die Familienurlaube füllen ganze Mappen, und auch die Aktivitäten und Zeitungsartikel über die Großgemeinde und die Vereine sind genau dokumentiert.

Vor wenigen Wochen den 70. gefeiert

Die Fußball-Leidenschaft seiner Jugend lebt Helmut Pfaffenberger auch heute noch aus, er pfeift die „Alten Herren“, ist Stadionsprecher und höchst akribischer Rasenwart des Fußballplatzes. Aber als aktiver Spieler steht Tischtennis im Vordergrund, von dem er mit einem amüsierten Lachen erzählt: „Ich bin ein echtes Bewegungstalent: Ich bewege mich nicht viel, aber mit meiner Rückhand und meinem Qi-Gong-trainierten Nervenkostüm gewinne ich viele meiner knappen Spiele.“

Vor wenigen Wochen feierte Helmut Pfaffenberger mit seiner Familie und seinen Freunden seinen 70. Geburtstag. Wenn es nach ihm ginge, könnte die Zukunft genauso weitergehen wie sich die Gegenwart anfühlt: „Gesund genug bleiben, um unter Gottes Segen leben und zu reisen.“


Info: Helmut Pfaffenberger gibt den Grünen Faden weiter an Brigitte Trausch aus Bayreuth, weil „sie eine sehr engagierte Frau ist, die sich mit vollem Einsatz für einen Schatz vor unserer Haustür einsetzt: Die Erhaltung von Fachwerk- und Sandsteinhäusern und ihren Fensterschürzen.“

Der grüne Faden: Jeder Mensch hat eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Bayreuth hat rund 74.500 davon. Mit unserer Serie möchten wir die Schicksale hinter den vielen Gesichtern aufzeigen, die uns täglich begegnen. Ob auf dem Marktplatz oder beim Metzger. Jeder Porträtierte wird anschließend gebeten, den symbolischen Grünen Faden an jemanden weiterzureichen, dessen Geschichte auch einmal erzählt werden sollte. So zieht sich der Grüne Faden durch die Stadt.

 

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