Der Fall Peggy Wieder Anschuldigungen gegen Ulvi K.

Ein Gedenkstein mit dem Porträt des Mädchens Peggy auf dem Friedhof. Foto: David-Wolfgang Ebener

Manuel S. (41) hat eingeräumt, dass er die Leiche der 2001 in Lichtenberg verschwundenen neunjährigen Peggy im Wald bei Rodacherbrunn vergraben hat. Der ehemalige Lichtenberger hat Schulranzen und Jacke des Mädchens wenige Tage später verbrannt. Er beschuldigt einen anderen Mann, das Mädchen umgebracht zu haben. Nach Informationen des Kuriers soll dies Ulvi K. sein, der für den Mord schon verurteilt war, später aber wieder freigesprochen wurde.

Ulvi K. und Manuel S. – die beiden hatten sich schon bald nach dem Verfahren gegenseitig beschuldigt. Allerdings fiel auf der Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft Bayreuth und Polizeipräsidium Oberfranken der Name Ulvis nicht. Aus ermittlungstaktischen Gründen. „Wir ermitteln nur gegen Manuel S.“ wegen Mordes, sagte Staatsanwalt Daniel Götz mehrfach.

Mehr als 100.000 Seiten Akten

S. sagte in den stundenlangen Vernehmungen in der vergangenen Woche, dass er „den leblosen Körper“ der damals neunjährigen zu dem Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen gebracht hat. Die erfolgreiche Ermittlungsarbeit der Soko Peggy beschreibt deren Leiter Uwe Ebner so: Es habe „komplexe wissenschaftliche Untersuchungen“ und Ermittlungen gegeben. Die Spurenlage habe von den Ermittlern fortwährend mit der Aktenlage abgeglichen werden müssen.

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Inzwischen sind in dem Verfahren mehr als 100.000 Seiten aufgelaufen. Die Historie des Verfahrens, der enorme Umfang der Informationen und der Zustand der sterblichen Überreste forderten, so Staatsanwalt Götz, Methoden, „die außerhalb der Ermittlungsroutine stehen“. So kam Manuel S. erneut in den Fokus der Ermittlungen. Eine Forensikerin entdeckte kleine Pollen, die als Torf identifiziert wurden. Am Tag von Peggys Verschwinden hatte er Geburtstag – und topfte Pflanzen bei seiner Mutter um.

Mit goldfarbenem Audi in Lichtenberg unterwegs

Auch fanden die Ermittler Farbreste, wie sie bei Renovierungen vorkamen. Er renovierte gerade in Eigenregie sein Haus. Auch ein Foto aus der Sparkasse in Lichtenberg brachte Zweifel. Dort war er zusammen mit seinem Cousin fotografiert worden, als er Geld abhob. Entgegen seinen Aussagen war er also auch mit seinem goldfarbenen Audi 80 an diesem Tag in Lichtenberg unterwegs. Und genau solche Lackreste fanden die Ermittler im Wald bei Rodacherbrunn, als sie säckeweise und monatelang Erde von dort abtrugen. Den inzwischen mehr als 30 Jahre alten Audi fanden sie übrigens laut Staatsanwalt Götz „ganz in der Nähe“.

Bei den Hausdurchsuchungen fanden die Ermittler laut Soko-Chef Ebner Beweise, die Manuel S. selbst benannt hatte. Er gab zu, dass er am Tag des Verschwindens in Lichtenberg unterwegs war. In der Poststraße an einem Bushäuschen will er die Tote „von dem Mann übernommen haben“. S. will noch versucht haben, das Mädchen zu beatmen. Er wickelte sie in eine rote Decke und brachte sie in den Wald nach Rodacherbrunn.

Wie kam Peggy zu Tode?

Wenige Tage später hat er den Schulranzen und deren Jacke bei sich zuhause verbrannt. „Wir sind davon überzeugt, dass wir den Mann gefunden haben, der das leblose Mädchen in den Wald gefahren hat, gefunden zu haben“. Allerdings seien die Geschehnissen vorher nicht geklärt. Also wie Peggy zu Tode kam. Ob man dies an den vor zwei Jahren gefundenen Kochen ablesen könne, darüber schweigen die Ermittler.

Die Geschehnisse, wie sie sich jetzt darstellen, sind bekannt – seit 17 Jahren. Schon damals hatte sich S. im alkoholisierten Zustand selbst beschuldigt, Peggy vergraben zu haben. Im Herbst des Jahres 2001 erhob Ulvi K. die gleichen Anschuldigungen gegen S.: Dieser habe die Peggy „verräumt“, ihm aber nicht gesagt, wo. Gemeinsam hätten sie diese in sein Auto gelegt. Manuel S. habe Peggy wiederbeleben wollen, damals habe es einen Streit gegeben zwischen Peggy, Manuel S. und Ulvi K.

Manuel S. hat Ulvi K. schon einmal beschuldigt

Sie sei weggerannt, hingefallen, habe geschrien. Ulvi gab an, mal ihr selbst den Mund zugehalten zu haben, mal, dass Manuel S. dies getan habe. Zwar nahm er später diese Anschuldigungen zurück, doch bei den Ermittlern blieben Restzweifel. Sie hatten keinen Beweis für eine Beteiligung des jetzt geständigen Mannes. Und gaben ihm den Stempel „unschuldig“, stellten die Ermittlungen gegen ihn ein. Sein Haus und sein Auto hatten sie damals schon untersucht.

Pikant an der Sache ist, dass Ulvi K. 2004 unter anderem wegen der Aussage von Manuel S. und seiner Mutter verurteilt wurde. Sie beide und einige weitere Zeugen wollen Ulvi K. im Nieselregen lange auf der Bank vor der Raiffeisenbank haben sitzen sehen. S. und seiner Mutter aber fiel es erst dann ein, als die Ermittlungen gegen ihn liefen. Was auch den Ermittlern auffiel. Beide hatten angeblich diese Nebensächlichkeit vergessen.

War Manuel S. wirklich den ganzen Tag bei seiner Mutter?

Manuel S. hatte damals angegeben, morgens auf dem Amt gewesen zu sein, gegen Mittag mit einer Nachbarin über den Kauf eines Grundstückes geredet zu haben. Dort habe er Ulvi K. gesehen, wie er in Richtung Raiffeisenbank abbog. Dann habe er Blumen umgetopft und mit seiner Mutter Kaffee getrunken. Die wiederum sagte, er sei den ganzen Tag da gewesen. Das stimmt also nach jetzigem Stand der Ermittlungen nicht. „Wir werden die alten Aussagen mit einbeziehen“, sagte Staatsanwalt Götz auf Fragen des Kuriers.

Sollte es wirklich Ulvi K. gewesen sein, der das Mädchen getötet hat, ist eine erneute Anklage äußerst unwahrscheinlich. Gerhard Strate, Anwalt aus Hamburg und Experte für Wiederaufnahmeverfahren, hält es für schlicht unmöglich.

Update 13.15 Uhr: Erneute Ermittlungen gegen Ulvi K. äußerst schwierig

Warum sollte der zweite Verdächtige ausgerechnet Ulvi K. sein? "Wir ermitteln nur gegen Manuel S.", wiederholte Staatsanwalt Götz mehrmals - und dies, obwohl "der Mann namentlich bekannt ist", den S. beschuldigt.

Das lässt darauf schließen, dass es sich eben um Ulvi K. handelt. Und gegen ihn zu ermitteln ist rechtlich äußerst schwierig, da er von dem Vorwurf des Mordes 2014 freigesprochen wurde. Dies nach einem aufsehenerregenden Wiederaufnahme-Verfahren, in dem zu Recht die Beweise, die gegen ihn vorlagen, nicht ausreichten. Seine Betreuerin Gudrun Rödel wies in der vergangenen Woche mehrfach auf diese Tatsache hin. In ihren Augen ist Ulvi K. unschuldig.

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