Der bescheidene Mister Tennis

Ludwig Gräf

In Eckersdorf steht wohl keiner so sehr für Tennis wie Ludwig Gräf. Er war eines der Gründungsmitglieder der Tennisabteilung in Eckersdorf am 26. März 1983. Er war mehr als 30 Jahre ihr Vorsitzender. Jetzt gibt er das Amt in jüngere Hände und erklärt, warum ihm dabei ganz und gar nicht Bange sein muss.

Der 26. März 1986 - das war wenige Monate, nachdem ein gewisser Boris Becker im zarten Alter von 17 Jahren zum ersten Mal Wimbledon gewonnen hatte - das prestigeträchtigste Tennisturnier der Welt. Das war noch kurz bevor "Bumm-bumm" Boris und Steffi Graf ein ganzes Land für Jahre in einen kollektiven Tennistaumel stürzten.

"Irgendwann kamen sie alle zurück."

Wenn es damals eine Sportart gab, die König Fußball in der öffentlichen Wahrnehmung wenigstens teilsweise den Rang ablaufen konnte, dann war es Tennis. Doch das war für Ludwig Gräf nie eine Motivation. "Wir waren immer für den Breitensport da", sagt er heute. Wer aus der Eckersdorfer Tennisabteilung mit seinem Talent in die große, weite Tenniswelt wollte, "dem haben wir nie einen Stein in den Weg gelegt", sagt Gräf und lacht. "Irgendwann kamen sie alle zurück."

Er erinnert sich noch gut an die Zeit damals. Des Öfteren hätten sich Tennisspieler - oft Studenten aus Bayreuth - bei der neu gegründeten Abteilung gemeldet und Angebote gemacht. Sie könnten Trainerstunden geben und Talente ausbilden. "Ihr könnt gerne kommen, habe ich zu ihnen damals gesagt", erzählt Gräf. Aber Geld gebe es keines. "Da waren die alle ganz schnell wieder weg."

Aufnahmestopp wegen zu vieler Mitglieder

Mit Maß und Ziel führte Gräf die Tennisabteilung, die dem TSV Donndorf und dem RMC Eckersdorf entsprang. Auch als die Abteilung zu ihren besten Zeiten rund 250 Mitglieder hatte, stieg das dem Vorsitzenden nicht zu Kopf. Der Vorstand verhängte kurzerhand einen Aufnahmestopp, bis zwei weitere Tennisplätze gebaut waren, um dem Ansturm gerecht zu werden. Seitdem hat die Abteilung sechs Courts.

Wer in einem der beiden großen Eckersdorfer Vereine Mitglied war, konnte nach Gründung der Abteilung auch dort Tennis spielen. Die Initiative dazu ging von Ludwig Gräf aus, der in den 1980er Jahren zuerst in Bindlach Tennis spielte. Er habe die beiden Vereinsvorsitzenden Klaus Hümmer (TSV) und Karl-Heinz Bär (RMC) auf Tennis "angehauen". Sie fanden die Idee gut und gründeten eine Vereinsübergreifende Tennisabteilung mit eigenem Vorstand. "Das habe ich jetzt über 30 Jahre gemacht", sagt Gräf. "Was mich bis heute stolz macht, ist, dass hier RMC- und TSV-Mitglieder sehr gut zusammenarbeiten."

Einmal vor einer großen Entscheidung gestanden

Als die Boom-Jahre vorbei waren und Tennis in der Öffentlichkeit weniger präsent war, wurden es auch in Eckersdorf wieder weniger Spieler. Die Abteilung verschwand aber nicht von der Bildfläche. Und zwar deshalb, weil der Verein immer auf die Jugendarbeit gesetzt habe, sagt Ludwig Gräf. "Jetzt hat sich das bei 160 Mitgliedern eingependelt." Gut ein Drittel davon seien Jugendliche. "Damit sind wir voll zufrieden."

Nur einmal zu Zeiten des großen Tennisbooms, da stand auch Ludwig Gräf mit seiner Abteilung vor einer großen Entscheidung. Sollte man eine Tennishalle bauen oder nicht? Der damalige Landrat habe gesagt, es gebe entweder Zuschüsse für eine Halle in Eckersdorf oder in Mistelgau. Mistelgau erhielt den Vorzug, weil es dort bereits ein geeignetes Grundstück gegeben habe, erinnert sich Gräf. Gebaut wurde letztlich gar keine Halle.

"Ich war nie der Typ, der irgendwo betteln gegangen ist."

"Für uns war das wahrscheinlich gar nicht schlecht, dass wir verzichtet haben", sagt der 70-Jährige. Die Tennisabteilung sei gesund, habe keine Schulden. Die Anlage ist bezahlt. Auch ohne große Sponsoren. "Ich war nie der Typ, der irgendwo betteln gegangen ist", sagt Gräf. "Entweder wir können uns etwas leisten oder eben nicht."

Nach mehr als drei Jahrzehnten hat Gräf den Vorsitz nun an Alexander Siller abgegeben. "Er engagiert sich sehr", sagt der Abteilungsgründer. "Um das Tennis in Eckersdorf ist mir nicht Bange." Die Mitglieder seien emsig und der Vorstand groß. "Ich denke, das ist auch gut so", sagt Gräf. Mehr als 30 Jahre nach seinem ersten Wimbledonsieg kämpft Boris Becker mit der Insolvenz. Mehr als 30 Jahre nach Gründung der Eckersdorfer Tennisabteilung spielt Ludwig Gräf noch Tennis. Bei den alten Herren - so oft es der Körper zulässt.

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