Den Willen der Toten beachten

Für eine "zeitgemäße und bürgerfreundliche Bestattungskultur" setzt sich der Verein Aeternitas ein. Alexander Helberg, Sprecher der gemeinnützigen, bundesweiten Verbraucherinitiative, macht klar: Nicht die Bürokratie, sondern die Selbstbestimmung steht im Mittelpunkt.

Ist es pietätlos, auf die Kosten zu achten, wenn es um den Tod geht?

Nein, das ist nicht pietätlos. Ich finde, es ist legitim, die Preise zu vergleichen. Es kommt doch darauf an, wie der Verstorbene an seinem Ende gewürdigt wird. Daher ist es wichtig, zu wissen, was dieser sich selbst gewünscht hat. Und es ist nicht falsch, zum Gespräch mit dem Bestattungsunternehmen eine vertraute Person mitzunehmen, deren Urteilskraft von der Trauersituation nicht getrübt ist. Man kann sich fragen: Ist das nötig? Noch besser wäre die Frage: Hätte der Tote das so gewollt?

Gibt es auch deshalb mehr Urnenbeisetzungen, weil sie günstiger sind?

Das kann ein Grund sein, aber sicherlich nicht der einzige. Ich brauche keinen teuren Sarg, wenn ich weiß, dass der Tote verbrannt wird. Inzwischen gibt es sehr viele Möglichkeiten - anonyme Grabfelder, Gemeinschaftsgräber, Urnenwände, Baumbestattungen. Wir dürfen aber auch die gesellschaftlichen Veränderungen nicht vergessen. Früher diente ein Grab dazu, den gesellschaftlichen Status eines Menschen darzustellen, daher musste es repräsentativ sein. Heute hat sich das verändert, weil es so viele Lebensentwürfe gibt. Das Verhältnis zur Religion ist ein anderes, die Zeit für die Grabpflege fehlt, die Familie lebt nicht mehr an einem Ort.

Trotzdem ist das Sterben meistens eine teure Angelegenheit, oder?

Das kommt darauf an, es gibt auch "Billigangebote", bei denen sie für 1000 Euro alles bekommen. Sogar Kommunen, die sich um Verstorbene kümmern müssen, wenn es keine Angehörigen mehr gibt, wählen oft die Billigvariante. Da gibt es welche, die finden ihren eigenen Friedhof zu teuer und lassen die Toten dann zum Beispiel in Tschechien einäschern. Aber das ist eine andere Geschichte

Kann ich mir aussuchen, wo ich beerdigt werden will?

In der Regel wird man da beerdigt, wo man wohnt. Denn nur diese Kommune muss dafür sorgen, dass Sie ein Grab bekommen. Wenn Sie sich rechtzeitig kümmern, können Sie selbstverständlich den Wunsch äußern, wo Sie Ihre letzte Ruhestätte haben wollen. Aber das heißt nicht, dass dieser Friedhof Sie nehmen muss. Manche verlangen auch "Extragebühren" für "Auswärtige". Wir erleben gegenwärtig eher, dass Friedhöfe zu groß geworden sind und es zunehmend leere Flächen gibt.

Drückt sich in der Art der Beerdigung nicht immer auch die Wertschätzung für eine Person aus?

Um Wertschätzung zu zeigen, muss nicht alles teuer sein. Manche Menschen haben Angst, dass bei ihrer Beerdigung gespart wird. Deshalb sorgen sie lieber selber vor und schließen zum Beispiel Vorsorgeverträge ab. Andere wollen bewusst, dass die Familie nicht so viel Kosten hat und wünschen sich eine schlichte Bestattung. Deshalb ist es wichtig, so früh wie möglich darüber zu sprechen und am besten schriftlich in einer Bestattungsverfügung niederzulegen. Die Wünsche des Verstorbenen sollten stets maßgeblich sein.

Das Gespräch führte Ute Eschenbacher

 

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