Den Rindern gehen die Halter aus

Szene vom Zuchtviehmarkt in Bayreuth. Während die Zahl der Kühe in Oberfranken und Bayreuth konstant bleibt, nimmt die Zahl der Halter immer weiter ab. Foto: Martin Kreklau

Während die Zahl der Kühe in Oberfranken nur minimal sinkt, gibt es immer weniger Bauern: Wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilt, gibt es in ganz Bayern 45 827 Rinderhalter mit knapp 3,1 Millionen Tieren. Etwa 40 Prozent davon sind Milchkühe. Die Zahl der Kühe ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent gesunken, die Zahl der Halter sogar um 3,4 Prozent. Und genau das sei ein Problem, wie Georg Hollfelder betont. Er ist Vorsitzender des Rinderzuchtverbandes Obefranken.

Die Zahlen in Oberfranken seien alarmierend. Hier hörten jedes Jahr zahlreiche Halter auf. Alleine in Stadt und Landkreis Bayreuth ist deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr von 508 auf 483 gesunken. Die Gründe dafür sind oft betrieblich beziehungsweise finanziell. "Wer nicht ständig investiert, wird abgehängt", sagt Hollfelder. Häufig steht auch ein Generationenwechsel an, doch der kann nicht stattfinden, weil der Nachwuchs fehlt. Das Problem ist in Oberfranken nicht anders als im Rest Deutschlands. Doch hier laufe der Strukturwandel noch schneller ab, weil es noch mehr kleine Betriebe gebe.

Anbindehaltung ist auf kleinen Höfen üblich

Viele Rinderhalter, vor allem in der Fränkischen Schweiz, müssten bereits subventioniert werden. "Wenn man die kleinbäuerliche Struktur erhalten will, dann muss man auch etwas dafür tun", sagt der 57-Jährige, der einen Hof in Litzendorf im Landkreis Bamberg bewirtschaftet. Große Händler, wie beispielsweise ein bekannter Discounter, kauften ihre Milch nicht mehr bei sogenannten Anbindehaltungsbetrieben -- eine Form der Haltung, die auf kleineren Höfen noch üblich ist, bei der die Kühe aber weniger Auslauf bekommen.

Laufställe sind für Kleinbauern zu teuer

Einen Laufstall, der von den Einkäufern häufig gefordert wird, können sich nicht alle Landwirte leisten. Viele haben auch nicht den Platz dafür. Wenn ihnen deshalb ein Großteil ihrer Einnahmen wegbricht, bleibt ihnen nur eine Möglichkeit: Sie müssen ihren Betrieb schließen. Hollfelder nimmt in diesem Zusammenhang auch die Verbraucher in die Pflicht: "Die Leute sagen zwar, ihnen seien regionale Produkte etwas wert. Doch wenn der Preis steigt, wie kürzlich bei der Butter, dann sinkt der Verbrauch. Die Kunden sind also uns und sich selbst gegenüber nicht ehrlich."

Die Zahl der Rinderhalter wird weiter sinken

Auch in Zukunft werde es immer weniger Halter geben. "Weil es einfach noch viele kleine Betriebe mit unter 20 Milchkühen gibt, die allein aus der Milchviehhaltung ihren Lebensunterhalt nicht erzielen können", erklärt Markus Schricker, Zuchtleiter des Rinderzuchtverbands Oberfranken. Ob die Zahl der Kühe auch in Zukunft stabil bleibe, sei schwer abzuschätzen. Bislang haben die größeren Betriebe das Wegbrechen der kleineren zwar ausgeglichen, doch: "Da spielen auch Faktoren wie der stark schwankende Milchpreis, die verfügbaren landwirtschaftliche Flächen oder die Genehmigungsverfahren für Stallbau sowie alternative Produktionszweige eine wichtige Rolle", erklärt Schricker.

Alternativen bleiben immer Nischen

Wie Hollfelder glaubt auch er, dass sich die Entwicklung nicht stoppen lässt. "Ein Milchviehbetrieb liefert die Milch an die Molkerei und ist damit letztlich vom Weltmarktpreis abhängig. Eine Alternative wäre die eigene Verarbeitung, zum Beispiel zu Käse, oder die Vermarktung über Milchtankstellen. Das sind aber Nischen", sagt Schricker. Die könnten aber wachsen, sofern der Verbraucher bereit sei, für diese Produkte mehr zu zahlen. Im Grunde habe der Rückgang der Milchviehhalter aber für die Kunden keine großen Auswirkungen.

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