Den Franken auf der Spur

Er leitet das Institut für Fränkische Landesgeschichte in Thurnau: Prof. Martin Ott. Foto: Andreas Harbach

Vom oberbayerischen München über das irische Maynooth führte ihn sein Weg ins oberfränkische Thurnau: Professor Martin Ott ist seit Oktober 2016 der Leiter des neugegründeten Instituts für Fränkische Landesgeschichte. Bevor er und seine Mitarbeiter im nächsten Jahr in den Nordflügel ziehen, arbeiten sie im Schlosshotel.

Aber nicht nur der Sitz des Instituts in einer der bedeutendsten Schlossanlagen Oberfrankens ist etwas Besonderes. Auch die Kooperationsvereinbarung zwischen den Universitäten Bayreuth und Bamberg, am 16. Februar 2017 unterschrieben, stellt eine Neuheit dar. Denn der Professor und sein Team arbeiten für beide Universitäten gleichzeitig.

Neue Konstellation für alle

Nun läuft seit einigen Monaten der Regelbetrieb. „Das ist für alle Beteiligten eine neue Konstellation“, sagt der Professor, der mit zwei Verwaltungen zusammenarbeitet und auch in Bayreuth und Bamberg jeweils ein Büro hat. Die Lehrveranstaltungen finden sogar an drei Standorten statt. Für die Studenten sei es teilweise „eine Herausforderung“, nach Thurnau zu kommen, sagt Ott. Denn die Marktgemeinde zwischen den oberfränkischen Uni-Städten sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln „nicht so einfach zu erreichen“. Wenn sie jedoch einmal in Thurnau angelangt seien, reagierten sie meistens begeistert, so Ott. „Das ist hier zwar noch ein Provisorium, aber das Ambiente ist unvergleichlich.“ In Otts Thurnauer Arbeitszimmer stehen zwei Schreibtische, eine Wand wird komplett von einem Bücherregal eingenommen. Den Platz in der Mitte füllt ein runder Besprechungstisch. Gemeinsam mit seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern will Ott die fränkische Geschichte, speziell die Oberfrankens, unter die Lupe nehmen. „Wir wollen unseren Fokus auf die Region richten, in der sich unsere Universitäten befinden.“

Landesgeschichte ein etabliertes Fach

Dabei gehen die Wissenschaftler jedoch nicht vor wie Epochenhistoriker. Sie interessieren sich für Räume, die sie durch die Zeit hindurch verfolgen. So lassen sich langfristige Entwicklungen und dauerhafte Bewegungen nachvollziehen. „Unser Schwerpunkt sind die vergangenen 200 Jahre“, sagt Jochen Gaab, seit August 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut. „Es geht darum, die jüngere Geschichte und die Zeitgeschichte als Historiker in den Blick zu nehmen.“ Die Landesgeschichte ist auch in Bayreuth ein etabliertes Fach, jedoch zuletzt nicht mehr vertreten gewesen. Mit einer Reihe von Doktoranden soll in Thurnau ein „Forschungskolleg Franken“ aufgebaut werden. Dabei wird es um den „Strukturwandel als historische Kategorie“ gehen, wie Ott erläutert. Dabei sollen die Forschungsarbeiten interdisziplinär angelegt sein: Geografen, Archäologen und Denkmalschützer etwa haben gleichermaßen die Chance, mit Bezug zur Region wissenschaftlich zu arbeiten. Ein interessantes Feld sei ebenfalls das Thema „Stadt in Franken“, wobei der umliegende Raum einbezogen wird. „Dabei versuchen wir neue Ideen zu entwickeln, was Geschichte auch ausmacht.“

Praxisbezug im Fokus

Damit die Studenten historische Zusammenhänge nachvollziehen können, ist Ott der Praxisbezug äußerst wichtig. So gibt es gemeinsame Exkursionen und praktische Übungen, in denen zum Beispiel ausgearbeitet wird, wie eine Stadtführung konzipiert werden kann. Die Geschichte-Studenten besuchen historische Institutionen und lernen Archive kennen, um Kontakte zu knüpfen und mögliche Berufsfelder kennenzulernen. Sie bereiten auch Ausstellungsprojekte mit vor, wie jenes über den Dreißigjährigen Krieg in Tüchersfeld.

In einem anderen Projekt, das Lehrkraft Marcus Mühlnikel betreut, beschäftigen sich die angehenden Historiker und Lehrer mit der Frage, wie eine historische Ausstellung im Thurnauer Schloss selbst aussehen könnte. Unter dem Motto „Von der Trutzburg zum Museum“ arbeiten sie an der Schau, die tatsächlich in der Kemenate gezeigt werden soll. Die voraussichtliche Eröffnung wird am 1. Juli sein, wenn die Renovierungsarbeiten in der Kemenate beendet seien, so Mühlnikel. Zu sehen sein sollen Exponate, die bereits in den 1860er Jahren dort ausgestellt wurden und aus dem Nachlass der Giech und Hiller von Gaertringen stammten.

Homepage in Arbeit

Ideen gibt es viele: Vorträge, Zeitzeugenforen, Lehrerfortbildungen. Aber zunächst wird das Institut erst einmal eine neue Internetseite bekommen, die seine Sonderstellung widerspiegelt. Sie soll bald online gehen. Einen Newsletter aus der Fränkischen Landesgeschichte will das Institut ebenfalls bald herausgeben.

Der Einzug in den Nordflügel ist für 2019 geplant. Dort wird es multifunktionale Arbeitszimmer und Seminarräume geben, einen Veranstaltungssaal und Platz für forschende Doktoranden. In der Zwischenzeit bieten sich im Forschungsinstitut für Musiktheater (FIMT) Ausweichmöglichkeiten an, zum Beispiel für Blockseminare. „Wir wollen ein offener Ort der Begegnung sein und kein entrückter Ort der Wissenschaft“, sagt Ott, „der auch für einen neuen Aufbruch steht.“ Die Wissenschaftler fühlten sich verbunden mit der Region, deren Selbstverständnis und Vielfalt sich in ihren Forschungen widerspiegeln soll.

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