DEL2-Vorschau, Teil zwei: Kandidaten für die Playoff-Plätze

Im Trikot der Kassel Huskies könnte Valentin Busch (rechts) nach Bayreuth zurückkehren. Sein Wechsel zum DEL-Club Grizzlys Wolfsburg ist mit einer Förderlizenz für die Nordhessen verbunden. Foto: Peter Kolb

EISHOCKEY. Im zweiten Teil unserer Vorschau auf die Eishockey-Saison befassen wir uns mit den Aussichten jener Mannschaften, die sich in der vergangenen Spielzeit der DEL2 auf den Plätzen sechs bis neun ein spannendes Rennen im Mittelfeld geliefert haben. Alle rechnen sich diesmal etwas mehr aus.

Kassel Huskies

Direkte Playoff-Qualifikation – dieses mit dem sechsten Platz der vergangenen Saison verbundene Ziel reicht nicht aus, um die Anhänger der Kassel Huskies zufriedenzustellen. Als dann das Viertelfinale ausgerechnet gegen den hessischen Erzrivalen Frankfurt verloren gegangen war, galt die Saison für den Meister des Jahres 2016 als Enttäuschung.

Umso größer ist nun der Druck auf dem einst auch kurz in Bayreuth tätigen Trainer Rico Rossi in seiner fünften Saison bei den Schlittenhunden. Die Voraussetzungen für eine Steigerung sollten durchaus gegeben sein. In der Verteidigung bringt Derek Dinger bei der Rückkehr in seine Heimatstadt die Erfahrung aus über 450 DEL-Spielen mit (nach Düsseldorf, Ingolstadt und Schwenningen zuletzt Augsburg. Zudem erfüllte sich beim zunächst unter Vorbehalt verpflichteten Kanadier Nick Walters rechtzeitig vor dem Saisonstart die Hoffnung auf einen deutschen Pass. Auch College-Stürmer Jace Hennig belastet das Ausländer-Kontingent nicht.

Herausragender Neuzugang in der Offensive ist Richard Mueller, der auch mit 36 Jahren noch Spitzenniveau verspricht. In der vergangenen Saison führte er den SC Riessersee als Topscorer der Hauptrunde mit 36 Toren und 44 Vorlagen in 51 Spielen auf den ersten Tabellenplatz. Nach dem Bankrott des Garmischer Traditionsvereins war zunächst eine Rückkehr Muellers nach Frankfurt erwartet worden.

Im Tor dürften die Huskies mit dem Slowaken Marcel Melichercik aus Heilbronn ohne Niveauverlust einen Ersatz für Markus Keller gefunden haben, der nach Augsburg in die DEL gewechselt ist. Allerdings scheint künftig die bisherige gleichwertige Zweitbesetzung zu fehlen, weil Mirko Pantkowski (immerhin „Rookie des Jahres“ in der vergangenen Spielzeit) als Förderlizenzspieler der Adler Mannheim nun für die Heilbronner Falken spielberechtigt ist.

Neuer Kooperationspartner der Kasseler sind jetzt die Grizzlys Wolfsburg, so dass sie per Förderlizenz unter anderem mit dem Einsatz des dorthin gewechselten Ex-Bayreuthers Valentin Busch rechnen können.

Prognose:Die Huskies sind Kandidat für einen Platz unter den ersten Vier.

Zugänge: Tor: Marcel Melichercik (Heilbronner Falken), Mirko Davi (EC Bad Tölz/DNL) – Verteidigung: Nick Walters (Odense/DEN), Derek Dinger (Augsburger Panther) – Sturm: Valentin Busch (Bayreuth Tigers), Alexander Karachun (Grizzlys Wolfsburg) Eric Valentin (Löwen Frankfurt), Richard Mueller (SC Riessersee), Jace Hennig (Merrimack College).

Abgänge: Tor: Markus Keller (Augsburger Panther) – Verteidigung: Alex Roach (Deggendorfer SC) – Sturm: Evan McGrath, Stefan Della Rovere (beide Sheffield/GB), Braden Pimm (Düsseldorfer EG), Thomas Merl (Ravensburg Towerstars), Patrick Klöpper (Eispiraten Crimmitschau).

Trainer: Rico Rossi (wie bisher).

Ravensburg Towerstars

Verletzungspech wurde als Hauptgrund dafür ausgemacht, dass die Ravensburg Towerstars zum zweiten Mal in Folge nicht über die Pre-Playoffs hinausgekommen sind. Folglich wurde die Mannschaft auch nicht wie ein Jahr zuvor runderneuert, sondern eher gezielt verstärkt. In der Verteidigung gab es neben dem Karriereende von Raphael Kapzan sogar nur eine einzige Veränderung. Der Wechsel von Lukas Slavetinsky zum deutsch-polnischen Nationalspieler Pawel Dronia aus Frankfurt dürfte die Qualität in diesem Mannschaftsteil zumindest nicht verschlechtert haben.

Hochkarätig besetzt präsentiert sich aber vor allem die Offensive, auf die sich alle vier Kontingentstellen konzentrieren. Das änderte sich nicht einmal, als der noch zwei bis drei Monate währende Ausfall von Schlüsselspieler Jakub Svoboda (Mittelfußbruch) schon wieder Erinnerungen an die Misere des Vorjahres weckte. Immerhin kam mit dem finnischen Routinier Ilkka Pikkarainen (37) ein Ersatzmann, der aus früheren Jahren sogar NHL-Erfahrung vorweisen kann.

Am meisten Beachtung fand aber die Verpflichtung von zwei Stürmern, die in der vergangenen Spielzeit für Furore gesorgt hatten: Mit Andreas Driendl vom SC Riessersee holten die Towerstars sogar den „Spieler des Jahres“, der nach den Playoffs sogar noch einen Scorerpunkt mehr auf dem Konto hatte, als sein Teamkollege Richard Mueller: 97 aus 66 Spielen (35 Tore, 62 Assists). Und mit dem Amerikaner Robbie Czarnik kam einer der Garanten für die starke Saison der Eispiraten Crimmitschau.

Prognose:Wenn die Schlüsselspieler von Verletzungen verschont bleiben, könnte es diesmal mit der direkten Playoff-Qualifikation klappen.

Zugänge: Tor: Michael Boehm (Tölzer Löwen) – Verteidigung: Pawel Dronia (Löwen Frankfurt) – Sturm: Andreas Driendl (SC Riessersee), Robbie Czarnik (Eispiraten Crimmitschau), Thomas Merl (Kassel Huskies), Olivier Hinse (Aalborg/DEN), Tim Brunnhuber (EV Lindau), Ilkka Pikkarainen (TPS Turku), Jon Jäger, Matteo Miller (beide eigener Nachwuchs).

Abgänge: Tor: Jimmy Hertel (EHC Freiburg) – Verteidigung: Lukas Slavetinsky (ERC Sonthofen), Raphael Kapzan (Ende der Laufbahn) – Sturm: Carter Proft (Löwen Frankfurt), Arturs Kruminsch (Krefeld Pinguine), Justin Buzzeo (Sheffield/GB), Manuel Malzer (ERC Sonthofen), Adam Lapsansky (HC Karlovy Vary), Brian Roloff (Ziel unbekannt).

Trainer: Jiri Ehrenberger (wie bisher).

Dresdner Eislöwen

Dresden gehört zu den Standorten, an denen man die nach langem Zögern beschlossene Rückkehr zum sportlichen Aufstieg in die DEL ab 2021 als konkrete Perspektive betrachtet. Ein anscheinend finanzkräftiger Hauptsponsor ist mit dem dem Ehrgeiz angetreten, bis dahin die Strukturen eines ernsthaften Kandidaten für die höchste Spielklasse zu schaffen.

Bereits in dieser Saison steht mehr Geld zur Ausstattung des Kaders zur Verfügung, und das sieht man der Besetzung auch an. Besonders in die offensive Durchschlagskraft wurde investiert, nachdem in der Vorsaison vor allem die schwächste Torausbeute aller Mannschaften oberhalb der Playdown-Plätze einen besseren Rang als den achten nicht zugelassen hat. Mit Jordan Knackstedt kam der Topscorer der Eispiraten Crimmitschau, der die Hauptrunde unter den erfolgreichsten Stürmern auf Platz vier abgeschlossen hat (22 Tore und 46 Assists in 51 Spielen) und in neun Playoff-Spielen noch zehn Punkte zulegte. Dank seines deutschen Passes trägt der gebürtige Kanadier dazu bei, dass zum Saisonstart noch eine Kontingentstelle bei den Eislöwen frei bleiben kann.

Mit Christian Billich holten die Dresdner noch einen zweiten Stürmer, der bei einem Ligarivalen mit an der Spitze der internen Scorerliste lag. Seine 28 und 29 Beihilfen in 57 Spielen wurden beim EHC Freiburg lediglich von Nikolas Linsenmaier noch um vier Punkte überboten. Wie Knackstedt deutete auch er in den Vorbereitungsspielen bereits an, dass er die erwartete Verstärkung für den Sturm bewirken kann. Fast als zusätzlicher Neuzugang ist zudem der Kanadier Harrison Reed zu werten, der in der vergangenen Saison verletzungsbedingt nur elf Spiele bestreiten konnte.

Sogar bei der einzigen Verstärkung in der Abwehr hatten die Eislöwen offenbar die Offensive im Blick. Schließlich kam mit Jordan Heywood aus Heilbronn der torgefährlichste Verteidiger der Liga. In den Testspielen konnte er allerdings nur selten überzeugen.

Prognose:Auf dem Papier haben die Dresdner das Potenzial zur direkten Playoff-Qualifikation – aber das hatten sie vor einem Jahr auch schon.

Zugänge: Tor: keine – Verteidigung: Jordan Heywood (Heilbronner Falken), Tim Heyter, Timon Ribnitzky (beide eigener Nachwuchs) – Sturm: Jordan Knackstedt (Eispiraten Crimmitschau), Dennis Palka (Heilbronner Falken), Christian Billich (EHC Freiburg), Niklas Postel (EC Salzburg II), Tom Knobloch (Eisbären Berlin Jun./DNL), Georgiy Saakyan (eigener Nachwuchs).

Abgänge: Tor: Henning Schroth (Saale Bulls Halle) – Verteidigung: Shawn Boutin (Dundee/GB), Gustav Veisert (Bayreuth Tigers), Thomas Schmid (ECDC Memmingen) – Sturm: Marius Garten (Hannover Scorpions), Dominik Grafenthin (Graz/AUT), Mike Glemser (SC Riessersee), Tadas Kumeliauskas, Matt Siddall (beide Ziel unbekannt).

Trainer: Jochen Molling (bisher Co-Trainer) für Franz Steer (Ziel unbekannt).

Heilbronner Falken

Wie ein Abstiegskandidat wirkten die Falken zu Beginn der vergangenen Saison. Ein stetiger Aufwärtstrend führte dann aber bis zum erstmaligen Einzug ins Viertelfinale. Nach diesem Erfolg blieb im Vergleich zu den Vorjahren ein recht großer Teil des Kaders unverändert. Zwar fehlt mit Torhüter Marcel Melichercik ein Garant für die Entwicklung, aber der Tausch mit Kassels U-20-Nationalspieler Mirko Pantkowski sollte diese Position kaum schwächen.

Schwerer werden Jordan Heywood in der Abwehr und Brandon Alderson im Angriff zu ersetzen sein. Eine wichtige Rolle in der Defensive könnte dabei dem Ex-Bayreuther Jan Pavlu zukommen. Offensiv wurden in den Testspielen meist alle drei Ausländer zusammen in einer Reihe eingesetzt. Die vierte Kontingentstelle ist noch offen.

Prognose:Die Falken werden sich wieder an der Grenze zwischen Pre-Playoffs und Playdowns bewegen.

Zugänge: Tor: Mirko Pantkowski (Kassel Huskies), Nils Scheider (Schwenninger ERC/DNL) – Verteidigung: Jan Pavlu (Bayreuth Tigers), Brock Maschmeyer (Eispiraten Crimmitschau), Janik Möser (Ohio State UniverLsity) – Sturm: Derek Damon, Greg Gibson (beide Sonderjyske/DEN), Roope Ranta (Lausitzer Füchse), Pierre Preto, Alex Lambacher (beide Adler Mannheim), Samuel Soramies (EC Salzburg II).

Abgänge: Tor: Marcel Melichercik (Kassel Huskies – Verteidigung: Jordan Heywood (Dresdner Eislöwen) Stephan Kronthaler (EV Landshut), Christoph Eckl (Kölner Haie); Henry Martens – Sturm: Mark Heatley (beide Bayreuth Tigers), Brandon Alderson (Villach/AUT) Dennis Palka (Dresdner Eislöwen), Jonas Schlenker (ERC Sonthofen), Justin Maylan, Tomas Plihal, Michael Fink (alle Ziel unbekannt).

Trainer: Alexander Mellitzer (österreichisches U-20-Nationalteam) für Gerhard Unterluggauer (Villach/AUT).

 

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