DEL2-Vorschau, Teil III Die Spitzenmannschaften

Neuer Kapitän: Der 35-jährige Angreifer Adam Mitchell (Zweiter von links) soll mit der Erfahrung aus 592 DEL-Spielen (140 Tore, 249 Assists) für Hannover, Mannheim, Hamburg und Straubing das Löwen-Rudel (von links Dan Spang, Maximilian Faber und Mathieu Tousignant) anführen. Foto: Imago

EISHOCKEY. Im letzten Teil unserer Eishockey-Vorschau auf die DEL2-Saison nehmen unsere Mitarbeiter Christopher Schramm und Stefan Wolfrum jene Vereine unter die Lupe, die nach Ende der zurückliegenden Hauptrunde einen Spitzenplatz belegten und auch in der neuen Spielzeit den Meister unter sich ausmachen dürften.

Bietigheim Steelers

Jedes Mal im Finale und mit jetzt zwei Titeln Rekordmeister – die Bietigheim Steelers sind ohne Zweifel das erfolgreichste DEL2-Team seit Gründung der Liga vor fünf Jahren. Bereits im März kündigten die Schwaben jedoch für die kommenden beiden Spielzeiten Einsparungen von mindestens 300 000 Euro pro Saison an.

Der „Leidtragende“ war Trainer Kevin Gaudet, der nach sechseinhalb Jahren mit drei Meisterschaften und zwei DEB-Pokalsiegen gehen musste. Das Aus bei den Steelers sollte sich für den Erfolgscoach aber als Glücksfall erweisen. Schließlich ist der 54-jährige Kanadier als Nachfolger von Rob Wilson beim Bietigheimer Kooperationspartner Nürnberg Ice Tigers in die DEL aufgestiegen.

Der neue Mann hinter der Bande im Ellental ist Hugo Boisvert. Bei den Steelers tritt der 42-jährige Deutsch-Kanadier nach drei Jahren als Co-Trainer beim Ligarivalen Kassel Huskies seine erste Stelle als Chefcoach an. Im Tor kann Boisvert auf das bewährte Gespann Ilya Sharipov und Sinisa Martinovic bauen. Zudem stehen ihm mit Matt McKnight, Shawn Weller, Tyler McNeely und Marcus Sommerfeld die vier besten Scorer der vergangenen Saison zur Verfügung. Nur eine Kontingentstelle musste neu besetzt werden: Für den kanadischen Stürmer Justin Kelly kam der US-amerikanische Verteidiger Willie Corrin. Neuer Star ist aber ohne Frage der 142-malige deutsche Nationalspieler Nikolai Goc. Der zweimalige DEL-Meister mit den Hannover Scorpions (2010) und Adler Mannheim (2015), bei denen der 32-Jährige die vergangenen acht Jahre verbracht hat, ersetzt den 41-jährigen Abwehr-Routinier Dominic Auger.

Prognose: Trotz der Reduzierung des Etats konnte die Meistermannschaft in großen Teilen zusammengehalten werden. Auch unter dem neuen Trainer sind die Steelers Titelanwärter Nummer eins.

Zugänge: Roman Steiger (Tor/ESV Kaufbeuren DNL), Sean Morgan (Abwehr/ERC Sonthofen), William Corrin (Abwehr/Brampton Beast), Pascal Grosse (Abwehr/EC Salzburg), Nikolai Goc (Abwehr/Adler Mannheim), Manuel Malzer (Abwehr/ERC Sonthofen), Fabian Voit (Sturm/ERC Sonthofen), Maximilian Kislinger (Sturm/Flint Firebirds), Fabion Kuqi (Sturm/eigenes DNL-Team), Yannick Wenzel (Sturm/ Starbulls Rosenheim), Dennis Swinnen (Sturm/ERC Ingolstadt), Eugen Alanov (Sturm/Nürnberg Ice Tigers).

Abgänge: Dominic Auger (Abwehr/Pinguine Königsbrunn), Rob Brown (Abwehr/EC Peiting), Adam Borzecki (Abwehr/Karriereende), Kodi Schwarz (Abwehr/Ziel unbekannt), Andrew McPherson (Sturm/Karriereende), Justin Kelly (Sturm/Deggendorfer SC), Leon Müller (Sturm/SC Riessersee).

Trainer: Hugo Boisvert (Co-Trainer Kassel Huskies) für Kevin Gaudet (Nürnberg Ice Tigers).

Löwen Frankfurt

Frankfurt ist seit Jahren der Zuschauermagnet in der DEL2 und heiß darauf, den Titel zurückzuerobern. Doch Chefcoach Matti Tiilikainen stand vor einem gewaltigen Puzzle. Nicht nur das finnische Trainertrio um den zuletzt für die U 20 des Erstligisten aus dem südfinnischen Hämeenlinna und als Co-Trainer für die U 20-Nationalmannschaft seines Heimatlandes tätigen 30-Jährigen ist neu. Auch zwei Drittel des Kaders wurden bei den im Halbfinale mit 2:4 Siegen am späteren Meister Bietigheim gescheiterten Löwen ausgetauscht.

Nachdem sich in der vergangenen Saison gleich vier Torhüter, darunter der zu den Bayreuth Tigers gewechselte Brett Jaeger, die Minuten fast gleichmäßig teilten, hat sich Felix Bick als klare Nummer eins herauskristallisiert. Für den hessischen Rivalen Bad Nauheim absolvierte der 25-Jährige 47 Hauptrundenspiele und hatte mit einer Fangquote von knapp über 90 Prozent großen Anteil am fünften Platz. Sein neues Team kam bei der Generalprobe gegen DEL-Vertreter Krefeld Pinguine zu einem beachtlichen 3:4 nach Penaltyschießen. Die Tore erzielten die als Leistungsträger geholten Carter Proft, Mathieu Tousignant und der gleich zum Kapitän ernannte Adam Mitchell. Länger ausfallen werden noch der für die erste Reihe vorgesehene finnische Center Antti Kerälä und der kanadische Verteidiger Mike Card.

Prognose: Die Löwen könnten Anlaufschwierigkeiten haben, werden sich aber schnell finden und den hohen Ansprüchen gerecht werden: Finale.

Zugänge: Felix Bick (Tor/EC Bad Nauheim), Bastian Kucis (Tor/ESV Kaufbeuren), Kevin Maginot (Abwehr/Kassel Huskies), Marius Erk (Abwehr/EC Bad Nauheim), Leon Hüttl (Abwehr/Tölzer Löwen), Dan Spang (Abwehr/Nottingham Panthers), Mathieu Tousignant (Sturm/Tingsryds AIF), Magnus Eisenmenger (Sturm/Eisbären Juniors Berlin DNL), Carter Proft (Sturm/Ravensburg Towerstars), Mike Fischer (Sturm/Jungadler Mannheim DNL), Eduard Lewandowski (Sturm/Düsseldorfer EG), Maximilian Eisenmenger (Sturm/University of Notre Dame), Antti Kerälä (Sturm/Herning Blue Fox), Adam Mitchell (Sturm/Straubing Tigers), Dominik Meisinger (Sturm/EC Bad Nauheim).

Abgänge: Brett Jaeger (Tor/Bayreuth Tigers), Pavel Dronia (Abwehr/Ravensburg Towerstars), Eric Stephan (Abwehr/Nürnberg Ice Tigers), C.J. Stretch (Sturm/Znojmo), Vladislav Filin (Sturm/Straubing Tigers), Clarke Breitkreuz (Sturm/Lausitzer Füchse), Nils Liesegang (Sturm/Herner EV), Wade MacLeod (Sturm/Ziel unbekannt), Patrick Jarrett (Sturm/Ziel unbekannt).

Trainer: Matti Tiilikainen (Hämeenlinnan Pollokerho U 20) für Paul Gardner (Ziel unbekannt).

ESV Kaufbeuren

Nach zwei überaus erfolgreichen Spielzeiten (einmal Playoff-Viertel-, einmal Playoff-Halbfinale bei einem Etat von nur knapp zwei Millionen Euro) ist die Euphorie im Allgäu noch größer geworden. 1420 Dauerkarten wurden im Vorverkauf abgesetzt – 400 mehr als vor der zurückliegenden Saison. Nicht von ungefähr haben die Verantwortlichen nur sanft an der Personalschraube gedreht und frühzeitig mit den Leistungsträgern um Sami Blomqvist (36 Tore, 39 Assists) verlängert. Mit dem Kanadier Branden Gracel haben die Kaufbeurer einen Center zurückgeholt, der vor zwei Jahren beim ESV schon einmal funktioniert hat. Immerhin verbuchte er in der Saison 2016/17 27 Tore und 33 Assists in 63 Spielen, ehe er nach Dänemark wechselte und dort ebenfalls einschlug. Auch mit der Verpflichtung von Verteidiger Julian Eichinger (Riessersee) ist Geschäftsführer Michael Kreitl ein Coup gelungen. Weh tut dem ESV allerdings der Abgang von Charlie Sarault (68 Punkte in 62 Spielen).

Prognose: Die Kaufbeurer haben klug eingekauft und Leistungsträger wie Blomqvist und Torhüter Stefan Vajs halten können, so dass der Kader noch einmal ein Upgrade erfahren hat. Will heißen: Dem ESV ist mehr zuzutrauen als der bloße Einzug in die Playoffs.

Zugänge: Marc-Michael Henne (Tor/EC Peiting), Phillip Messing (Abwehr/ERC Sonthofen), Julian Eichinger (Abwehr/SC Riessersee), Ossi Saarinen (Sturm/Eispiraten Crimmitschau), Marvin Schmid (Sturm/EV Füssen), Alexander Thiel (Sturm/Augsburger Panther), Branden Gracel (Sturm/Herning Blue Fox).

Abgänge: Bastian Kucis (Tor/Kölner Haie), Mychal Monteith (Abwehr/Lausitzer Füchse), Aaron Reinig (Abwehr, Crocodiles Hamburg), Christopher Kasten (Abwehr/Deggendorfer EC), Tim Wohlgemuth (Sturm/ERC Ingolstadt), Charlie Sarault (Sturm/Rungsted), Jarkko Immonen (Sturm/Ziel unbekannt), Joona Karevaara (Sturm/Ziel unbekannt).

Trainer: Andreas Brockmann (wie bisher).

EC Bad Nauheim

Bei den Kurstädtern hat vor allem die Verpflichtung des neuen Trainers große Hoffnungen geweckt, den fünften Platz der Vorsaison zu wiederholen oder gar zu toppen. Christof Kreutzer, fünfmaliger Meister als Spieler mit der Düsseldorfer EG und bis Ende der Spielzeit 2016/17 bei den Rheinländern als Trainer tätig, tritt die Nachfolge des nach Bayreuth abgewanderten Petri Kujala an. Königstransfer ist Torhüter Jonathan Boutin. Der Kanadier, der mittlerweile mit einem deutschen Pass ausgestattet ist, stand in den letzten beiden Spielzeiten für die Augsburger Panther im Tor und wird den Abgang von Felix Bick wohl problemlos kompensieren. Überrascht haben die Wetterauer mit der Verpflichtung des Niederländers Mike Dalhuisen. Der Verteidiger mit Gardemaß, der zuletzt in Kasachstan aktiv war, soll nach Wunsch seines Trainers die Abwehr führen.

Prognose: Torhüter Boutin ist eine Bank, ansonsten aber sind die Neuzugänge nicht besonders aufsehenerregend. Viel wird von Trainer Kreutzer und Abwehrchef Dalhuisen abhängen. Der direkte Playoff-Einzug wäre eine Überraschung.

Zugänge: Jonathan Boutin (Tor/Augsburger Panther), Mike Dalhuisen (Abwehr/Torpedo Ust-Kamenogorsk), Jan Wächtershäuser (Abwehr/RT Bad Nauheim DNL2), Maximilian Hadraschek (Sturm/ERC Sonthofen), Marcel Kahle (Sturm/Iserlohn Roosters), Dustin Sylvester (Sturm/Dornbirner EC), Nicolas Strodel (Sturm/EC Salzburg), Andrej Bires (Sturm/Moskitos Essen).

Abgänge: Felix Bick (Tor/Löwen Frankfurt), Marcel Brandt (Abwehr/Straubing Tigers), Marius Erk (Abwehr/Löwen Frankfurt), Fredrik Widen (Abwehr/Zell am See), Andreas Pauli (Sturm/Tölzer Löwen), Dusan Frosch (Sturm/Starbulls Rosenheim), Harry Lange (Sturm/Karriereende), Mike McNamee (Sturm/Aalborg), Dominik Meisinger (Sturm/Löwen Frankfurt).

Trainer: Christof Kreutzer (Düsseldorfer EG) für Petri Kujala (Bayreuth Tigers).

 

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