Das Shopping-Gebäude ist ein Besuchermagnet und profitiert in erster Linie von seinen inneren Werten Kurier-Jahresthema Architektur: Das Rotmain-Center

Von außen gibt sich das 1997 eröffnete Rotmain-Center sperrig. Was unter anderem daran liegt, dass die Architektur letztlich zugunsten einer optimierten Verkaufsfläche zurückstecken musste. Für uns war das damals eine echte Herausforderung“, sagt Architekt Hans-Jörg Horstmann, „das größte Projekt, das wir bis dato zu stemmen hatten.“

uhig ist es hier. Überraschend ruhig. Vom Verkehrslärm des Hohenzollernrings und der Hindenburgstraße ist auf dem Dach des Rotmain-Centers nur wenig zu hören. Auch nicht von den zahlreichen Besuchern, die eine Etage tiefer durch die Mall flanieren. Die Vorstellung, man könnte sie durch die offen stehenden Fenster der westlich gelegenen Rotunde quasi von oben herab belauschen, trügt. Zumal es nicht zuträglich ist, einfach den Kopf unter das hoch stehende Fenster zu schieben, denn das „schließt automatisch, je nach Wetterlage“, erläutert Isabel Belka, die Managerin des Centers. Die dafür erforderlichen Daten sammelt eine kleine Wetterstation, die ebenfalls auf dem Dach platziert ist. Auch die Klimaanlage, die im Gebäude den Luftaustausch besorgt, befindet sich dort. Lose gepflasterte Pfade, von Kies umgeben, weisen den Weg. Unwillkürlich drängt sich die Assoziation „Gärtnerei“ auf. Insbesondere die beiden Rotunden und die Lichtschächte, die das L-förmige Gebäude in der jeweiligen Längsachse durchziehen, erinnern von ihrem Aufbau her an Gewächshäuser.

Besucher sollen sich im Rotmain-Center wohl fühlen

Eine Etage tiefer ist von der Gelassenheit, die auf dem Dach des Centers erfahrbar ist, nichts mehr zu spüren. Hier gibt das System des Betreibers, der ECE GmbH, den Takt vor. Zwei Parkhäuser und damit 1200 Parkplätze stehen den Besuchern zur Verfügung. „Mehr brauchen wir auch nicht“, sagt Belka. Ist das Auto versorgt, ist, so macht es den Eindruck, flanieren angesagt. „Unser Ziel ist es, unseren Besuchern einen möglichst angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen“, meint Belka. Dazu gehöre auch, das Gebäude mit Leben zu erfüllen. Weswegen es immer wieder Aktionen gebe, die sowohl dem Kunden wie auch den Geschäften im Center einen Mehrwert brächten. Platz dafür ist vor allem im Erdgeschoss reichlich vorhanden. Zumal der Bereich zwischen den einzelnen Geschäften rechts und links kaum Ecken und Kanten aufweist und damit variabel zu nutzen ist.

Dementsprechend einfach ist es auch, die einzelnen Geschäftsräume umzugestalten. Diese sind vom Aufbau her flexibel gehalten, können also nach Bedarf mit relativ wenig Aufwand vergrößert oder verkleinert werden. „Alle zehn Jahre strukturieren wir unser Center neu“, erklärt dazu Belka, „da laufen nämlich die Mietverträge aus.“ Das bedeute, beide Seiten überprüfen jeweils für sich, ob sich ein weiteres Verweilen im Center lohnt oder eben nicht. Dabei spielen auch die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten eine Rolle. Denn die werden selbstverständlich auch neu verhandelt. „Für uns ist dabei wichtig, dass der Branchenmix stimmt, das heißt, dass wir breit aufgestellt sind“, sagt Belka. Dazu gehöre natürlich Regionales – „wir haben hier eine Reihe von inhabergeführten Geschäften“. Eine direkte Konkurrenzsituation mit den Geschäften der Innenstadt sieht Belka nicht: „Diese Zeiten sind definitiv vorbei, wenngleich wir vom Center das so nie gesehen haben. Heute versuchen wir gemeinsam, die Stadt Bayreuth als Einkaufsstadt zu etablieren.“ Die Bemühungen darum kommen an, so ihr Eindruck.

Einzugsgebiet reicht von Hof über Bamberg bis nach Weiden

Zumal durch die Sanierung des Marktplatzes die gesamte Innenstadt präsenter geworden sei. „Das kommt auch uns zugute“, so Belka, „schließlich haben wir mit der Brücke über den Hohenzollernring eine direkte Anbindung an die Innenstadt.“ Und diese im Vorfeld umstrittene Verbindung ist hoch frequentiert. „Unser mit Abstand stärkster Eingang“, sagt Belka. Obgleich das Center auch aus dem Umland regen Zulauf erfahre: „Wir haben einen Einzugsbereich, der von Bamberg über Hof bis nach Weiden reicht.“ Was wiederum für das Angebot des Centers spreche. Und das überzeugt offensichtlich. Denn die einzelnen Geschäfte im Center ziehen mit. „Da wird beispielsweise regelmäßig gemeinsam mit dem Center-Management nach Ideen für die Sonderaktionen gesucht“, erzählt Ivonne Seiffert, die Geschäftsführerin der Thalia-Filiale, und lobt das „insgesamt angenehme, auch menschlich harmonische Verhältnis im Center“. Wobei dieses sicher auch mit der Größe des Gebäudes zusammenhänge: „Nicht zu groß und damit auch passend für den Standort Bayreuth.“ Doch das gilt nur für die inneren Werte. Denn das Bauwerk an sich steht im Vergleich zu dem, was in ihm versprochen wird, weit hintenan.


Hans Jörg-Horstmann war für die Planung des Rotmain-Centers verantwortlich. Das sagt der Experte:

Für uns war das damals eine echte Herausforderung“, sagt Hans-Jörg Horstmann, „das größte Projekt, das wir bis dato zu stemmen hatten.“ Wobei das auf rund 20 000 qm Grund errichtete Gebäude, das das Architektenbüro Horstmann durch die Schließung des Schlachthofes zu entwerfen hatte, heute deutlich anders aussieht als im preisgekrönten Entwurf. Denn der war noch mit kleinteiligeren Strukturen geplant; einem innerstädtischen Maßstab, der dem dann später errichteten Gebäude fehlt. „Uns war damals wichtig, den Maßstab des organisch gewachsenen Bayreuther Stadtkerns über den begrenzenden Hohenzollernring hinauszutransportieren“, erläutert Horstmann, „um so das Rotmain-Center städtebaulich und architektonisch an die Innenstadt anzubinden.“

In diesem Zusammenhang findet es Horstmann bedauerlich, dass die ursprünglich geplanten Wohnungen mit Blickrichtung Sendelbach nun zugunsten der Verkaufsfläche von insgesamt knapp 20.000 qm zurückstehen mussten. So wurden von den rund 40 angedachten Wohnungen tatsächlich nur neun realisiert. Die befinden sich in Südorientierung auf dem Dach des Centers.

Zusätzlich hatte Horstmann bei der Gestaltung der Mall auch viele Vorgaben des Bauherrn, der ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, zu beachten. Das betraf in erster Linie die Funktionen, die Fläche sowie die Geschosszahl. „Im Prinzip ist das System dabei immer dasselbe“, so Horstmann, „die Besucherströme werden über eine Mall und ein bis zwei Rotunden sowie diverse Rolltreppen durch das Gebäude geleitet. Darüber hinaus sind in diesen Zonen Ruhebereiche eingebettet, um eine Wohlfühl- und Aufenthaltsqualität herzustellen.“ Schließlich soll der Besucher eines solchen Einkaufscenters möglichst viel Zeit dort verbringen.

Dass die Rotmainhalle aus Denkmalschutzgründen nicht in das Einkaufscenter integriert wurde, findet Horstmann gut. Das Marktgeschehen dort sei von „ganz anderer Qualität“ und „passe einfach zu der alten Halle“. Eine Reminiszenz an vergangene Zeiten eben.
Schade sei nur, meint Horstmann, dass der gesamte Raum zwischen Rotmain-Center, dem Enchilada und dem Cineplex nicht ansprechend gestaltet worden sei. Eine verpasste Chance, ein Platz mit eigenem Charakter würde dem Stadtbild an dieser Stelle nur zuträglich sein.

 

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