Das Fest am ehemaligen Kemnather Waldhaus an Pfingsten geht auf eine alte Tradition zurück Aus der Geschichte eines Waldhauses

Die historische Aufnahme zeigt das Waldhaus kurz vor dem Abriss. Foto: red

Mit dem Waldhausfest am Pfingstmontag  hat die Gemeinde vor zwölf Jahren an eine alte Tradition  am 1967 abgerissenen  „Kemnather Waldhaus“ angeknüpft und seitdem mit steigendem  Erfolg: So feierten über  1800 Gäste auch heuer wieder ein fröhliches Fest – an einem geschichtsträchtigen Ort.

Nach dem diesjährigen Fest resümierte Günther Daubner, der Vorsitzende des Arbeitskreises Waldhaus: „Alles leer, auch die Schüssel mit 37 Kilo „Bachna-Kniala-Teig“, wozu die Kartoffeln noch mit der Hand gerieben worden waren – wie annodazumal – bei den erinnerungsträchtigen Festen – ebenfalls an Pfingsten  am Kemnather Waldhaus, das in unmittelbarer Nähe des jetzigen Waldhauses stand und  vor 50 Jahren  abgerissen wurde.    Heimatforscher Josef Wiche hat für unsere Zeitung in der Chronik geblättert und notiert,  was der kürzlich verstorbene Josef Schinner vom Waldhaus erzählte:

 „Der erste Förster auf dem Kemnather Waldhaus war der Großvater des alten Scherzerer. Er hieß Pscherer und hat mit seiner Familie ganzjährig da oben als Waldaufseher gelebt. Aber es war nicht so einsam,  wie man heutzutage vermuten könnte, denn damals waren viele Menschen zu Fuß im Hochwald unterwegs, zum Holzen, Beeren oder auf Handelsgängen. In dem hölzernen Wohnhaus gab es schon eine kleine Gaststube mit Bierausschank. Das war um 1860. Es folgte der Förster Taubald bis zum Ende des Jahrhunderts. Man erzählt, dass seine Frau das Bier für die Gäste arg mit Brunnenwasser verdünnte. Einmal warnte sie der Taubald: „Bärbel hör auf, sonst hält’s die Farb nimmer!“ Nach 1900 ersetzten die Kemnather das hölzerne Wohnhaus durch einen zweistöckigen Steinbau und  der Bauer Schorsch bezog mit seiner Großfamilie die dortige Försterstelle. Unter ihm wurde das Pfingstfest zu einem Großereignis und das halbe Dorf war an den Pfingsttagen und am Fronleichnamsnachmittag da oben. Der Bauer hatte 14 Kinder, „seine Frau war immerzu schwanger“. Nach dem Ersten Weltkrieg folgte der Förster Unsicker aus Niederbayern. Seine Tochter Maria heiratete den Bruderschusters-Michel, der im Krieg gefallen ist. Der Unsicker wurde etwa 1938 nach Julbach bei Braunau am Inn versetzt. Nachfolger war den Förster Bachmann, den man während des Krieges an die Front abkommandierte. Seine Frau blieb mit der Tochter Sieglinde in der Einöde, nach dem Krieg zogen sie fort. 

Ein Förster und ein Bibelforscher

Josef Schinner erzählte: ’Ich erinnere mich gut an das jährliche Pfingstfest beim Bachmann. Die Klausen-Resl half als fleißige Bedienung. Viele Familien wanderten über den schlechten steilen Weg mit klapprigen Kinderwägen hinauf. Von der gegenüberliegenden Seite des Berges fanden sich Gäste aus Ahornberg bis Kemnath ein. Junge Frauen putzten sich fein heraus, denn es waren immer Soldaten auf Heimaturlaub in Uniform dort“.

Während der Jahre der Wohnungsnot durfte der Paschen-Silvan mit seinen acht Kindern das leer stehende Waldhaus beziehen und die Landwirtschaft nutzen. Er besaß zwei sehr gute Kühe, eine weiße und eine braune, die nur während des Winters im Stallwaren und sonst im Wald weiden durften, wo sie wollten.

Der letzte Förster bis 1967 hieß Pavlitschek. Er hatte einen Bruder, der als „Bibelforscher“ unterwegs war.“

AK-Vorsitzender Günther Daubner  kann sich zwar „altersbedingt“  nicht  an die   Feste  am alten Waldhaus erinnern, die bis nach dem Krieg veranstaltet wurden, aber daran, als  er und seine  Schulkameraden mit den Skiern über das Hausdach  gefahren sind: „Denn da oben hatte es immer viel Schnee“.

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