Das Bermuda-Dreieck von Plech

Auf der A9 bei Plech sind im vergangenen Jahr besonders viele Autofahrer gestrandet. Hier steht die meistgenutzte Notrufsäule Deutschlands. Warum gerade hier so viele Autos ihren Geist aufgaben? Eine Spurensuche.

Über das Bermuda-Dreieck im westlichen Atlantik werden wilde Geschichten erzählt: von Schiffen und Flugzeugen, die aus unerklärlichen Gründen ihren Geist aufgaben und verschwanden. An der Notrufsäule Nr. 5030 an der A9-Anschlussstelle Plech in Richtung Berlin suchten im vergangenen Jahr 262 Autofahrer Hilfe. So viele wie an keiner anderen in Deutschland, heißt es in einer Statistik des Notrufnetzbetreibers, der Dienstleistungs-GmbH des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Erst mit weitem Abstand – 215 Notrufe – folgt eine Notrufsäule bei Zwickau. Der Durchschnitt liegt bei etwa drei Notrufen pro Säule und Jahr.

Erklärungsversuch 1: die Baustelle

Die Versicherungsstatistiker bieten für die Häufung bei Plech folgende Erklärung an: Hier gebe es auf sieben Kilometern Länge noch bis Mitte des Jahres eine Großbaustelle, bei der die Fahrbahn erneuert wird.

Michael Herbst, stellvertretender Leiter der Autobahnmeisterei Trockau, will das aber nicht gelten lassen. „Die jetzige Fahrbahnerneuerung ist nichts Außergewöhnliches. Die häufigen Notrufe liegen sicher nicht an der Baustelle.“ Auch habe es im vergangenen Jahr hier keine besonderen Baumaßnahmen gegeben. Vielleicht, gibt er den Tipp, hat ja die Autobahnpolizei eine Erklärung für das Phänomen?

Erklärungsversuch 2: die Unfälle

Hat sie nicht. Zwar passierten vor und in Baustellen generell mehr Unfälle, weil viele Fahrer sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen hielten oder Warnbaken überfahren, sagt Harald Grzonka, Leiter zentrale Verkehrsaufgaben bei der Polizei in Bayreuth. Plech aber sei im vergangenen Jahr kein Unfallschwerpunkt gewesen. Vielleicht, meint er, sei ja das Mobilfunknetz hier lückenhaft, so dass mehr Autofahrer die Notrufsäule nutzten?

Erklärungsversuch 3: das Mobilfunknetz

Stimmt nicht, sagt die Deutsche Telekom. Das Mobilfunknetz bei Plech sei im Gegenteil sogar besonders gut.

Auch in Zeiten, da fast jeder ein Handy im Auto hat, werden noch fast 50.000 Mal im Jahr Notrufsäulen an deutschen Autobahnen genutzt. „Weil die Menschen das mal so gelernt haben“, sagt Birgit Lage Ehrhardt, Sprecherin des GDV-Serviceunternehmens. Und weil man über die Notrufsäule auch gleich die gewünschte Abschlepphilfe wählen kann – je nachdem, ob man einen Schutzbrief hat, einem Automobilclub angehört oder sich einen nahen Abschleppdienst frei aussuchen will.

Und der Abschleppdienst?

Stichwort Abschleppdienst: Der müsste doch genau wissen, warum er gerade bei Plech so oft ausrückt, schließlich ist das gut fürs Geschäft. Also Anruf bei Barth und Reier in Pegnitz: Schön, dass die Säule so oft genutzt wird, sagt die Dame am Telefon. Ansonsten will sie dem Kurier gar nichts sagen, nicht einmal ihren Namen. „Aus Datenschutzgründen. Ist halt so“. Alles ganz geheim. Und so bleibt es ein Rätsel, was im vergangenen Jahr vorgegangen ist – im Bermuda-Dreieck von Plech.

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