Dante Thomas an Silvester in Bayreuth

Dante Thomas. Foto: red

Dante Thomas verbringt dieses Jahr Silvester in Bayreuth. Zunächst singt er im Wohnzimmer des Gewinners eines von Radio Mainwelle organisierten Privatkonzerts. Über 100 Bayreuther hatten sich bis zum 27. Dezember per Kontaktformular beworben. Im Anschluss tritt Thomas auf der Silvesterparty im Liebesbier auf. Wie sich sein Leben seit dem Welthit "Miss California" (17 Wochen Platz eins in den deutschen Charts im Jahr 2001) und durch einen lebensbedrohlichen Unfall verändert hat, darüber spricht er im Kurier-Interview.

Dante Thomas, warum verbringen Sie Silvester in Bayreuth?

Dante Thomas: Warum nicht? Für mich ist es nicht so wichtig, ob Großstadt oder nicht. Die Bewohner kleiner Städte schätzen mein Kommen vielleicht sogar mehr.

Können Sie etwas zu Ihrem Programm für das Couchkonzert verraten?

Thomas: Ich habe viele Songs vorbereitet, aber was ich letztendlich singen werde, kommt auf den Gewinner an. Da richte ich mich ganz nach dessen Alter und Geschmack. Ich kann Covers von Ed Sheeran oder Usher singen bis hin zu eigenen Songs, insbesondere „Miss California“, „Get It On“ oder „Diese Tage“. Mehr will ich auch gar nicht verraten, es soll schließlich eine Überraschung sein. Nur so viel: Ich will dem Gewinner einen ganz besonderen Abend bereiten, an den er sich den Rest seines Lebens erinnert. 

Wird Ihre Familie in Bayreuth sein oder ist Silvester für Sie dieses Jahr ein reiner Arbeitstag?

Thomas: Nein, meine Frau und meine zwei Kinder bleiben in der Nähe von Saarbrücken, wo wir wohnen. Das Saarland mit seiner Ruhe ist genau das Richtige für mich. Wenn man viele Fans und viel Geld hat, kann man schnell denken, dass man besser sei als andere. Man ist in einer Lüge gefangen, und es ist schwierig, Fakt und Fiktion zu trennen. Mein Leben ist nicht außergewöhnlich, nur mein Beruf ist außergewöhnlich. Nach ein paar Fahrten ist ein Ferrari auch nur noch ein Auto, dessen Instandhaltung sehr viel kostet (lacht).    

Sie sagten, es sei teilweise schwierig gewesen, Fakt und Fiktion zu trennen. Daher jetzt auch die Arbeit an einem fiktiven Roman oder hat dieser autobiografische Züge?

Thomas: Der Roman ist eine Fantasy-Liebesgeschichte. Darüber hinaus hat die Trilogie auch einen politischen Unterton: Es geht um Bürgerrechte und Rassismus in den 1960er-Jahren in den USA. Die Hauptfigur Jake basiert teilweise schon sehr auf mir, Jake ist allerdings viel mutiger. Eine Biografie von mir wird es, wenn überhaupt, nur nach meinem Tod geben.

Stecken Sie Ihre Kreativität auch weiterhin in die Musik oder liegt der jetzige Fokus auf der Literatur?

Thomas: Ich habe mit sieben Jahren mit dem Singen angefangen, mit 14 sah ich es als eine mögliche Karriere an. Damals hat sich ein musikalischer Schalter in meinem Kopf umgelegt, dessen Licht bis heute nicht erloschen ist.

Lassen Sie uns etwas über Ihre Musik sprechen, insbesondre Ihren Welthit „Miss California“.

Thomas: Ein richtig guter Song bleibt für alle Zeiten ein richtig guter Song, er ist zeitlos. Ich bin auf der Suche nach diesem Gefühl, das ich bei „Miss California“ hatte. Auf der Suche nach einem Song, an den ich aus tiefstem Herzen glaube. Ein Song definiert mich allerdings nicht als Person, die Familie ist für mich das Wichtigste. Diese Philosophie habe ich immer in meinem Herzen.

War Ihnen Familie schon immer so wichtig oder kam das mit dem Älterwerden?

Thomas: Ich wäre vor fünf Jahren in einem Unfall fast gestorben. Dieser Moment hat mein Leben verändert. Danach habe ich verstanden, dass man das Leben und die Momente wertschätzen muss.

Versuchen Sie, Ihren durch den Unfall gewonnenen Tiefgang in die Musik zu übertragen?

Thomas: Ich möchte den Menschen mit meiner Musik ein gutes Gefühl geben. Die Öffentlichkeit will von mir keine Musik mit tiefgründigem Liedtext, dafür bin ich nicht bekannt. Deswegen habe ich nach dem Unfall mit dem Roman angefangen, da kann ich all das sagen, was ich in meiner Musik nicht verarbeiten kann. Die Idee für das Buch hatte ich schon mit 18 Jahren. Ich habe damals eine dreistündige Sonderausgabe zu Martin Luther King im Fernsehen angeguckt, bin dabei eingeschlafen und habe davon geträumt, dass ich in die Vergangenheit reisen und das Attentat auf King so verhindern konnte.

Hat das gezwungenermaßene Ausweichen auf die Literatur ausschließlich mit der Nachfrage der breiten Masse zu tun, oder finden Sie für so eine neue Art von Musik auch keine Produzenten?

Thomas: Ja, das stimmt, ich finde keinen, der diese Musik produzieren möchte. Plattenlabels werden nicht mehr von Künstlern, von Menschen mit Visionen, geführt. Es geht nur noch um Geldmacherei. Das ist nicht unbedingt eine schlechte Sache, es ist einfach, was es ist.

Sie sind im September bei der RTL-Sendung „Das Supertalent“ als Kandidat aufgetreten und haben „Miss California“ gesungen. Wie passt so eine Castingshow, in der es nicht einmal ausschließlich um Musik geht, in das „neue“ Image des Dante Thomas?

Thomas: Ich habe nicht teilgenommen, um zu gewinnen, sondern wollte meinem Publikum in Deutschland wieder näherkommen. Mich auch jüngeren Zuschauern präsentieren. Außerdem geht es in der Musik auch darum, Spaß zu haben, Musik ist wie ein Antidepressivum.

Ein Blick in die Zukunft: Wie sehr träumen Sie von einer zweiten musikalischen Karriere?

Thomas: Mit dem richtigen Song könnte ich wieder ganz oben stehen. Es geht darum, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und die Gelegenheit zu nutzen. Man muss jedoch auf so eine Chance vorbereitet sein.

Sind Sie heute mit 39 Jahren besser auf einen nächsten potenziellen Welthit vorbereitet als mit 23?

Thomas: Mental ja, physisch aber nicht (lacht). Ich müsste ungefähr neun Kilogramm abnehmen und mir wieder ein Sixpack zulegen.

Bräuchten Sie ein Sixpack, um fit für körperlich anstrengende Touren zu sein, oder ist gutes Aussehen Teil des Deals, berühmt zu sein?

Thomas: Ich würde sagen, dass 35 Prozent auf körperliche Fitness zurückgehen und 65 Prozent auf mein Image. Aber meine Frau sagt, dass ich das Sixpack vergessen solle, ich solle schließlich nicht besser aussehen als sie (lacht).

Ihre Prognose: Wird Dante Thomas einen neuen Welthit haben?

Thomas: Ja! Aber Gott entscheidet, wann das sein wird. Ich bin keine religiöse Person, aber eine spirituelle, und glaube, dass es jemand Größeres gibt, der meinen Weg leitet.

Zur Person

Dante Thomas, geboren 1978 im US-Bundesstaat Utah, ist R&B-Sänger. Seinen weltweit größten Erfolg feierte er 2001 mit seiner ersten Single „Miss California“. Der Song belegte 17 Wochen lang Platz eins der deutschen Charts, erhielt europaweit Gold- und Platinauszeichnungen und verkaufte sich über eine Millionen Mal. Thomas lebt seit 2011 mit seiner Familie in Deutschland.

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading