Damals vor 50 Jahren Erstes Clubhaus war ein Bauwagen

THURNAU/KULMBACH. An Eva Flanderkas Leidenschaft für den Golfsport hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Noch immer geht die 90-Jährige gerne auf den Platz des Golfclubs Oberfranken in Thurnau. Als der Club im Jahr 1968 entstanden ist, gehörten sie und ihr Mann Theo zu den Gründungsmitgliedern.

25 Jahre lang sei der Golfplatz in der Gemeinde Thurnau der einzige in Oberfranken gewesen, erinnert sich Eva Flanderka. "Anfangs sind wir immer nach Bad Kissingen gefahren. Da hatte ich von Golf noch überhaupt keine Ahnung." Doch bald war es der studierten Sportwissenschaftlerin zu langweilig, nur wartend am Rand zu sitzen. Und die Tennisspielerin und Skifahrerin nahm ihre ersten Golfstunden. Obwohl sie inzwischen über sehr viel Spielpraxis verfügt, sagt sie: "Mit Golf fängt man immer wieder von vorne an."

Auf der Suche nach einem Gelände

Mitte der 1960-er Jahre fing ihr golfbegeisterter Mann an, Pläne für einen Golfplatz in Oberfranken zu schmieden. Dann fing die Suche nach einem geeigneten Gelände an. Die "Findungskommission" sah sich im ganzen Bezirk um. Das Gelände in Thurnau sei dabei nicht die erste Wahl gewesen, weiß Eva Flanderka noch. Dennoch bekam die Fläche an der Bahnlinie Richtung Kasendorf den Zuschlag.

Außer einem uralten Baumbestand und keltischen Hügelgräbern befand sich da nicht viel. Im Mai 1968 begann der Bau der Neun-Loch-Anlage. "Unser erstes Clubhaus war ein Bauwagen", erzählt die frühere Kulmbacher Einzelhändlerin. "Die Ehefrau des damaligen Pro Hans Görnert hat die Küche gemacht." Das heißt: Sie kochte zuhause und packte alles in eine Kühltasche. So verköstigte sie die ersten Golfer, die sich provisorisch Tische und Stühle vor den Bauwagen stellten. Später habe ein Mitglied eine etwas größere, quadratische Baubude herangeschaffen lassen. Das spätere Clubhaus war ein zweckmäßiger Fertigbau mit Flachdach.

Jeans waren auf dem Platz verboten

Wenn Eva Flanderka heute auf den Platz kommt, zieht sie sich noch immer sportlich an. "Die Damen spielten früher in langen, weiten Röcken oder allerhöchstens in Hosenanzügen. In der Turniersituation war man zwar in Sportkleidung, aber hinterher warf sich jeder in Schale." Die Vereinssatzung untersagte den Mitgliedern sogar, in Jeans auf den Platz zu kommen. Dieses Gebot galt bis vor sechs Jahren, weiß Pressewart Günter Hößel zu berichten.

Nach wie vor ist die Seniorin schlank und durchtrainiert. Nach einer Krankheit habe ihr das Golfen geholfen, wieder Kraft zu schöpfen, sagt die 90-Jährige. Beim Golfspielen würden alle Muskelpartien bewegt. Und auch das Gehirn werde trainiert, schließlich müsse man sich beim Spielen konzentrieren. Ihr alter "Patter" tut seit vielen Jahrzehnten seine Dienste. "Ich habe Anfang der fünfziger Jahre angefangen", sagt sie. "Trotz größerer Unterbrechungen bin ich dabei geblieben. Solange ich kann, mache ich weiter. Denn für mich ist Golf ein wunderbarer Ausgleich."

"Ein Golfer ist nie zufrieden"

Der Damenmannschaft hält sie weiterhin die Treue. Selbst wenn die Augen nachlassen und sie bei der derzeitigen Hitze nicht gerne draußen sein mag. Selbst Tochter und Enkel spielen mittlerweile Golf. "Ein perfekter Familiensport", findet Eva Flanderka. "Golf macht demütig und erzieht zur Fairness." Der Sport sei vielseitig und der Spieler an keine Öffnungszeiten gebunden. Allerdings sei Golf technisch anspruchsvoll: "Deshalb ist ein Golfer nie zufrieden." Der Golfer Traum eines "Hole-in-one" hat sich für sie ein einziges Mal erfüllt. Der 65 Hektar große Platz sei heute für sie "ein kleines Paradies".

Früher seien an derselben Stelle eine Streuobstwiese und ein "Steckerleswald" gewesen. In Gemeinschaftsaktionen seien Steine eingesammelt worden, damit der Rasen angelegt werden konnte. Der Golflehrer habe den Platz geplant und kanadische Pappeln gepflanzt. Eva Flanderka schmunzelt, wenn sie an die Anfangszeiten zurückdenkt. "Man hat uns mit einem falschen Samen beliefert, aber zum Glück sind wir den Herstellern frühzeitig daraufgekommen."

James Last im Straßengraben

Viele Ankedoten fallen der Golferin ein. Einmal habe James Last nach einem Auftritt in Bayreuth in Thurnau golfen wollen. "Dann ist aber sein Wagen in den Graben gerutscht." Denn die Zufahrt zum Golfplatz war früher nur ein geschotterter Weg. Daraufhin habe der Gemeinderat den Ausbau der Straße beschlossen.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading