Code Pink: Eine Feier zweiter Klasse? Keine Laudatio für "Code Pink"

Das ist der Markgräfin-Wilhelmine-Preis. Foto: Lammel

Als der Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka 2008 den „Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt“ bekam, hielt Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Laudatio. 2013 freute sich Christian Führer, der ehemalige Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, den Preis von Bischöfin Margot Käßmann zu erhalten. Wenn Code Pink am 15. April den Preis erhält, könnte man meinen, dass früher mehr Lametta war: Nach dem Streit um die diesjährige Preisverleihung wird es keine Laudatio geben.

Stattdessen wird der Bayreuther Dekan Hans Peetz sich „Gedanken zur Preisverleihung“ machen, das Wort „Laudatio“ wird in den Einladungen nicht zu finden sein. Keiner der Fraktionschefs im Bayreuther Rathaus glaubt, dass Peetz kein würdiger Redner wäre. Doch einige sehen in der Feierstunde eine „Veranstaltung zweiter Klasse“, wie SPD-Chef Thomas Bauske, „und das ist schade, egal, wie die Abstimmung war. Man sollte sich am festlichen Rahmen der Vorjahre orientieren.“

Uni hatte Code Pink vorgeschlagen

Rückblick: 2014 schlug die Universität Bayreuth die Gruppe Code Pink für den Wilhelmine-Preis der Stadt Bayreuth vor. Begründung: „Code Pink ist eine pazifistische Bürgerrechtsgruppe, die durch Dialog, aber auch mit Mitteln des gewaltlosen Widerstands einen Beitrag zur Beendigung internationaler, auch militärischer Konflikte, für Gesundheitsfürsorge und Bildung leisten möchte.“

 

 

 

Tabatabai sagte ab

Stefan Leible, Universitätspräsident, betont jetzt im Gespräch mit dem Kurier: „Das waren die Gründe 2014.“ Anfang 2016 prangerte ein israelischer Journalist an, dass Code Pink an antiisraelischen Kundgebungen und Boykottaufrufen gegen Israel beteiligt gewesen sein soll. Was folgte, war ein breites Medieninteresse und eine hitzige Diskussion darüber, ob Code Pink den Preis erhalten sollte oder nicht. Brigitte Merk-Erbe, Oberbürgermeisterin von Bayreuth, meinte: Nein. Doch die Mehrheit im Stadtrat war anderer Meinung. So erhält Code Pink am 15. April den Preis. Als Laudatorin war die deutsch-iranische Schauspielerin und Schriftstellerin Jasmin Tabatabai („Bandits“) vorgesehen. Doch als die von den Diskussionen hörte, beauftragte sie ihre Schauspiel-Agentur, den Termin in Bayreuth abzusagen und bat, sie nicht in die Diskussion einzubeziehen. Jetzt also „Gedanken zur Preisverleihung“, keine Laudatio. Reaktionen darauf:

Sabine Steininger, Fraktionvorsitzende der Grünen: „Ich schätze Dekan Peetz sehr. Und ohne ihm zu nahe treten zu wollen, finde ich es nicht angemessen, dass nun ein gewisses Gefälle zu den anderen Preisverleihungen zu erkennen ist. Es war Zeit genug, sich um eine Alternative zu kümmern. Code Pink wird auch dafür ausgezeichnet, weil sie sich gegen den Einsatz von Drohnen engagieren. Wäre es nicht angemessener gewesen, aus diesem Bereich einen Laudator zu suchen, statt auf jemanden aus der Kirche zu setzen, der den Fokus auf die Debatte legt? Dekan Peetz wird jetzt eine Gratwanderung bestreiten müssen.“

Stephan Müller, Fraktionsvorsitzender der Bayreuther Gemeinschaft: „Dekan Peetz wird es mit Sicherheit feinfühlig, richtig und kritisch machen. Wobei: Moralpredigten schaden auch nicht.“

Stefan Specht, Fraktionsvorsitzender der CSU: „Die Verwaltung hatte wohl erhebliche Probleme, einen Laudator zu gewinnen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Verleihung an sich sehr strittig ist. Peetz wird die passenden Worte finden, da habe ich volles Vertrauen.“

Iris Jahn, Fraktionsvorsitzende Junges Bayreuth: „Wir haben schon vor Jahren gefordert, den Preis zu streichen, jetzt wird er nur noch alle zwei Jahre verliehen. Ich erwarte eine erneute Diskussion nach der Preisverleihung.“

Thomas Hacker, Fraktionsvorsitzender der FDP: „Das ist eine deutlich abgespeckte Verleihung. Grundsätzlich ist es gut, wenn Dekan Peetz mit seinem ausgleichenden Wesen an dem Tag spricht. Wenn jemand, der verbindet, die konträren Haltungen zusammenführen kann, finde ich das gut. Der Stadtrat hat sich entschlossen, den Preis zu verleihen. Jetzt ist die OB gefragt, es würdig zu organisieren. Eine Preisverleihung der zweiten Kategorie sollte es nicht sein.“

Thomas Bauske, Fraktionsvorsitzender der  SPD: „Es wirkt wie eine Veranstaltung zweiter Klasse. Und das ist schade, egal wie die Abstimmung war. Man sollte sich am festlichen Rahmen der Vorjahre orientieren. Oder ist das gleich der Abgesang auf den Preis?“

Der Dekan wie auch die Oberbürgermeisterin sind derzeit in Urlaub. Sie wird den Preis den Code-Pink-Vertretern überreichen. „Angesichts der gegensätzlichen Reaktionen, die sich unter anderem auch in vielen E-Mails und Briefen an die Stadt dokumentieren, habe ich Dekan Hans Peetz gefragt, ob er sich vorstellen könne, eine Rede zur Preisverleihung zu halten.“ Ihr sei wichtig, dass die Preisverleihung eben nicht die Spaltung politischer Lager dokumentiere. „Ich bin sicher, dass wir mit dem Dekan eine Persönlichkeit gefunden haben, die der schwierigen Aufgabe in hervorragender Weise gerecht wird.“

Kulturreferent Fabian Kern erklärt, dass es sehr schwierig war, nach Jasmin Tabatabais Absage einen anderen Laudator zu verpflichten. Er findet den Einsatz von Dekan Peetz einen „guten Kompromiss in dieser kontroversen Situation“. Bleibt Code Pink damit ein Laudator versagt, der tut, was der Job jedes Laudators ist, nämlich: den zu Ehrenden zu loben und zu preisen? Ist es klug, die Diskussion im Vorfeld zum Gegenstand der Preisverleihung zu machen? Wird Code Pink damit nicht herabgewürdigt? Kern: „Es war eine salomonische Lösung und kluge Form, sich für Neutralität zu entscheiden. Und das ist keine Abwertung für Code Pink.“

 

 

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