Busplan: Zuganschluss wichtiger als Kirche

Würde WLAN mehr junge Leute und ein besserer Fahrplan mehr ältere Leute zu Busfahrern machen? Foto: Archiv/Ronald Wittek

Deutschland diskutiert über kostenlosen Personenennahverkehr - manchen älteren Bayreuthern wäre schon geholfen, wenn wenigstens die Fahrpläne in ihrem Sinne verbessert würden. Doch die Stadtwerke machten in der Sitzung des Seniorenbeirats wenig Hoffnung.

Beirätin Brigitte Wehrfritz hatte das Thema angestoßen. In ihrer Suppenküche am Samstag hätten viele Menschen sie angesprochen, dass an Sonn- und Feiertagen Busse zu spät fahren, um noch Sonntagsgottesdienste oder andere Veranstaltungen zu erreichen. Beiratsvorsitzender Klaus Hamann zitierte zudem aus einem Kurier-Bericht vom Dezember, in dem sich eine Bayreutherin aus dem Stadtteil Birken über schlechte Nachtbusverbindungen beklagt hatte, die ihr eine Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen in der Stadt unmöglich machten.

Millionendefizit

Werner Schreiner, Leiter der Verkehrsbetriebe, sagte dazu, die Verkehrsbetriebe erwirtschafteten bereits jetzt zwei bis drei Millionen Euro Defizit, die aus dem Erlös der Stadtwerke  im Energiebereich gedeckt werden müssten. „Der Nachtbusverkehr ist sogar nur zu 20 bis 25 Prozent kostendeckend.“ Zusätzliche Busse würden das Defizit noch vergrößern.

Rolf Wahner, Kreisvorsitzender des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD) bemängelte vor allem, dass zwei der sechs Bayreuther Nachtlinien in die Birken und zur Hohen Warte nur im Stundentakt verkehrten. Die Verkehrsbetriebe sollten einmal ausrechnen, was ein Halbstundentakt wirklich kosten würde, forderte er. Es müsse öffentlich darüber diskutiert werden, welche Mehrkosten die Stadt bereit sei,  für besseren Nahverkehr zu zahlen, sagte Wahner. Die Qualität von Busverkehr in Bayreuth dürfe keine betriebswirtschaftliche, sondern müsse eine politische Entscheidung sein.

Car-Sharing und Gratis-WLAN

Wahner verwies auf das Beispiel Tübingen, wo beschlossen worden sei, dass Busse an Samstagen kostenlos benutzt werden können. Er räumte aber ein: Fast leere Busse fahren zu lassen, sei auch nicht ökologisch. Seine Vorschläge, um Busverkehr attraktiver zu machen: Die Stadtwerke sollten Car-Sharing anbieten für Zeiten und Strecken, in denen sich Linienbusse nicht lohnten. Und ein Gratis-WLAN in Bussen und an Haltestellen wäre hilfreich, um auch junge Leute für umweltfreundlichen Nahverkehr zu gewinnen.

Kein teurer Leerlauf

Dem Vorschlag von Beiratsmitglied Holger Lange, Busfahrzeiten künftig mehr an Gottesdienst- und anderen Veranstaltungszeiten auszurichten, lehnte Monika Gut von den Verkehrsbetrieben ab. Die jetzigen Pläne seien so getaktet, dass Buspassagiere am Bahnhof Züge nach Nürnberg erreichen könnten. Beides gleichzeitig sei nicht zu schaffen. Auch Busse an Sonntagen schon früher einzusetzen, damit die Gottesdienste erreicht werden könnten, sei unwirtschaftlich. Die Fahrpläne seien so gestaltet, dass kein Leerlauf entstehe, der Kosten verursache. An diesem Punkt steckte die Diskussion fest. Beiratsvorsitzender Klaus Hamann appellierte an die anwesenden Stadträte, das Thema im Stadtrat aufzugreifen.  

Neuer Vize

Bei der Sitzung wählte der Seniorenbeirat nahezu einstimmig Rotraud Haas zur stellvertretenden Vorsitzenden für die aus persönlichen Gründen ausgeschiedene Elisabeth Nürnberger. In den Arbeitsausschuss wurde Michael Schüler gewählt.

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