Büro in Shanghai Rausch & Pausch hat China fest im Blick

Rapa unterstreicht mit einer preisgekrönten Motorpumpeneinheit für aktive Fahrwerksysteme seine Innovationskraft. Darüber freuen sich die Geschäftsführer Roman Pausch (links) und Karin Wolf sowie Produktsegment-Leiter Ingo Baumeister. Foto: Matthias Will

SELB. In den USA hat die Firma Rausch & Pausch (Rapa) bereits einen Auslandsstandort. Nun fühlt der Autozulieferer in China vor. Noch in diesem Jahr will das Selber Unternehmen ein Einkaufs- und Vertriebsbüro in Shanghai eröffnen. 

Außerdem liegen Pläne für einen Produktionsstandort im Reich der Mitte in der Schublade. Voraussichtlich 2020 oder 2021 soll das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden, wie Rapa-Chef Roman Pausch im Gespräch mit unserer Zeitung ankündigt. China biete trotz mancher Schwierigkeiten noch enormes Potenzial. Es sei aber wichtig, bei der Standortwahl sorgfältig vorzugehen, betont er. Es sei noch nichts entschieden.  

Rapa ist in den zurückliegenden Jahren stark gewachsen. 2018 erwirtschaftete das Unternehmen, das aktuell 975 Mitarbeiter beschäftigt, einen Umsatz von 191 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 180 Millionen Euro. „Wir lagen damit leicht unter Plan, aber innerhalb der normalen Schwankungsbreite“, sagt Pausch.

Delle in China

Vor allem im vierten Quartal sei eine leichte Abkühlung festzustellen gewesen, fügt Mitgeschäftsführerin Karin Wolf hinzu.  Zum einen hätten sich die Probleme der Autobranche bei der Umstellung auf den neuen Abgasmessstandard WLTP bemerkbar gemacht. Zum anderen hätte es eine Delle im chinesischen Markt gegeben.

„Das ist der wichtigste Markt für die Premium-Hersteller. Wenn es für die dort schwieriger wird, dann bekommen wir das ebenfalls zu spüren“, erläutert Roman Pausch. Für 2019 peilt Rapa einen Umsatz von etwa 210 Millionen Euro an. 

Die Kronacher Dr.-Schneider-Gruppe meldete teilweise Kurzarbeit und gab 60 Entlassungen bekannt, die Absatzschwäche der Autohersteller in Europa hat Grammer belastet, Leoni baut kräftig Stellen ab – aus der Zuliefererbranche hat es zuletzt einige Signale gegeben, dass die rosigen Zeiten vorbei sein könnten.

„Keine Frage – unsere Branche befindet sich im Umbruch“, stellt Pausch fest. Die Entwicklung in der Autobranche gehe weg vom Verbrennungsmotor hin zu neuen Technologien. Die Rapa-Geschäftsführung habe sich früh damit auseinander gesetzt und die Weichen entsprechend gestellt. 

Das Unternehmen stellt zum Beispiel Motorpumpeneinheiten samt Elektronik für eine neue Generation von aktiven Fahrwerksystemen von Daimler her. Diese Fahrwerksysteme gelten als sehr zukunftsträchtig, weil sie sowohl für Elektrofahrzeuge als auch für autonomes Fahren eine wichtige Rolle spielen.

Position gestärkt

Damit ist auch die Position der Selber gestärkt. Pauschs Credo: „Nicht jammern, dass etwas weg ist, sondern neue Chancen suchen und nutzen.“ Rapa produziert unter anderem auch Ventilblöcke für Luftfederungen, die gerade in E-Autos zum Einsatz kommen. China treibt wie kaum ein anderes Land die Elektromobilität voran – auch deshalb versprechen sich die Selber viel von einem stärkeren Engagement im Reich der Mitte. 

Sehr gut voran kommt der Rapa-Auslandsstandort in Auburn im US-Bundesstaat Alabama. Roman Pausch spricht von einer „extrem positiven Entwicklung“. Cirka 40 Millionen US-Dollar Umsatz hat das Werk, in dem mittlerweile 120 Beschäftigte arbeiten, im abgelaufenen Jahr erzielt. 2014 startete dort die Produktion. 

Obwohl es in den Vereinigten Staaten für ihr Unternehmen gut läuft, blickt die Rapa-Spitze sorgenvoll auf die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Dessen Drohung mit Sonderzöllen hänge „wie ein Damoklesschwert über uns“, klagt Pausch. Der Grund: Rapa importiert viele Primärbauteile in die USA, die von zusätzlichen Zöllen betroffen wären.

„Das würde sofort auf unsere Margen durchschlagen“, macht der Geschäftsführer deutlich. Generell findet er die Abschottungstendenzen Washingtons unter Trump bedenklich: „Die USA haben die Rolle als Vorreiter des freien Welthandels verloren.“ 

Ebenso mit Unbehagen verfolgt man bei dem Autozulieferer den Brexit-Streit zwischen der EU und Großbritannien. Etwa 15 Prozent des Gesamterlöses entfallen auf den britischen Markt. Roman Pausch hofft, dass die Handelsbeziehungen auch nach einem EU-Ausstieg des Vereinigten Königreichs sehr eng bleiben. Denn die Kontinentaleuropäer und die Briten bilden seinen Worten zufolge eine „Schicksalsgemeinschaft“. 

Konservativere Planung

Weiter stärken möchte das Unternehmen seine beiden anderen Geschäftsfelder Medizintechnik und Industrie, die momentan insgesamt knapp zehn Prozent zum Gesamtumsatz beitragen. Rapa stellt beispielsweise Ventile für Dialysegeräte und Mikro-Pumpen her. 

100 Millionen Euro hat die Firma seit 2009 allein an ihrem oberfränkischen Heimatstandort investiert. Im Hinblick auf die abflauende Konjunktur und damit verbundene Unsicherheiten hat Rapa beim Budget für 2019 „konservativer“ geplant, wie es die Leitung formuliert. Bei den Investitionen sei man etwas zurückhaltender.

Als wichtigen Schritt werten es Pausch und seine Geschäftsführerkollegin Karin Wolf, dass die Eigenkapitalbasis deutlich gestärkt wurde. Die EK-Quote beziffern sie auf 34 Prozent. 

Die Belegschaft will die Rapa-Spitze zusammenhalten. Entlassungen seien nicht geplant. „Unsere Mitarbeiter sind unser höchstes Gut. Wir halten an ihnen fest“, unterstreicht Pausch. 

 

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