Bürgerfest: Umsonst in Bus und Bad

Mehr als nur Essen und Trinken soll das Bürgerfest wieder werden, fordert der Stadtrat der SPD, Halil Tasdelen. Foto: Andreas Harbach

Wenn vom 6. bis 8. Juli das Bayreuther Bürgerfest gefeiert wird, dann soll das etwas anders aussehen, als in den 40 Jahren zuvor. Zumindest, wenn es nach dem Stadtrat der SPD, Halil Tasdelen, geht.

Tasdelen sagt, das Bürgerfest sei eigentlich gar kein richtiges Bürgerfest. Es handel sich viel mehr um eine unendlich lange Aneinanderreihung von Ess- und Trinkbuden. Zumindest in den Augen viele Bürger, die ihn um Abhilfe gebeten hätten. Dabei seien es die Bürger, die an diesen Tagen im Mittelpunkt stehen und am öffentlichen Leben teilhaben sollten, sagt der Stadtrat und stellt daher einen Antrag.

Für den Zeitraum des Bürgerfestes, fordert Tasdelen, sollten städtische Einrichtungen kostenlos nutzbar sein. Und zwar nicht irgendwelche, sondern Museen, Bäder und der Busverkehr. Die Stadt solle außerdem klären, ob die bayerische Schlösserverwaltung den Bürgern einen kostenlosen Blick in das Schmuckstück Markgräfliches Opernhaus gewähren könne. So solle aus der Ess- und Feiermeile endlich ein Fest der Bürger werden, sagt Tasdelen.

Bei der Stadt Bayreuth heißt es auf Nachfrage, der Antrag liege noch nicht vor. Daher könne auch noch keine Auskunft darüber erteilt werden, welche Mehrkosten auf die Stadt zukämen, würde der Stadtrat dem Antrag zustimmen.

"Charmante Idee"

Manuel Becher, der als Geschäftsführer der Bayreuther Marketing- und Tourismus-GmbH (BMTG) für das Bürgerfest verantwortlich ist, spricht von einer charmanten Idee. zumindest, was die kostenlose Öffnung der Museen und den kostenlosen Bustransfer betrifft. Bei den Bädern bekomme er Bauschmerzen. Weil man damit die Aufmerksamkeit der Bürger aus dem Stadtzentrum hinaus verlagere und dem Bürgerfest damit eine unnötige Konkurrenz schaffe.

Die Bäder seien auch der Grund, warum er den Antrag alleine stelle, sagt Tasdelen, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtrat. Seine Fraktion hätte den Vorstoß mitgetragen, wenn er sich auf Busse und Museen beschränkt hätte. Tasdelen sieht das anders: Das Fest werde erst dann richtig rund, wenn sich möglichst viele kommunale Einrichtungen beteiligten.

Becher erinnert an die Museumsnacht, deren Anfang vom Ende es gewesen sei, die Universität mit einzubeziehen und damit große Distanzen zwischen den Ausstellungsorten und ein zu großes Angebot für das Publikum geschaffen habe.

Mehr Kulinarik als früher?

Dass das Bürgerfest nur aus Ess- und Trinkständen bestehe, bestreitet Becher jedoch. Zwar spiele die Kulinarik auf dem Bürgerfest schon immer eine große Rolle. Es gebe aber auch zahlreiche Bühnen mit Live-Musik, sowie den Künstlermarkt, der gewöhnlich am Bürgerfestsonntag in der Kanzleistraße und und rund um die Stadtkirche stattfinde.

Dass früher weniger Kulinarik auf dem Bürgerfest war, bezweifelt der BMTG-Chef. Im Gegenteil: Früher sei noch in der Von-Römer-Straße ausgeschenkt worden und heute nicht mehr. Und während einst in der Dammallee Bühnen standen, wo sich Café Florian und ein Sandstrand der Borraccho-Bar befanden, hätten sich große Party-Bereiche eben in den Ehrenhof und auf den Kirchplatz verlagert.

 

Kommentar dazu: Ausprobieren

Museen, Busse und Bäder: Charmant nennt der BMTG-Chef Manuel Becher den Vorschlag, dass möglichst viele städtische Einrichtungen zum Bürgerfest kostenfrei werden sollen. Diesen Vorschlag sollte man ernst nehmen und die Diskussion sollte an Parteigrenzen nicht Halt machen. Ungeachtet dessen, ob Stadtrat Halil Tasdelen den Vorstoß nun alleine wagt, wie geschehen, oder seine Fraktion, die der SPD, hinter sich weiß. Denn unabhängig davon, ob das Bürgerfest wirklich nur eine Ess-Mmeile ist oder mehr: Tasdelens Vorschlag kennt nur Gewinner.

Als da wären die Museen. Die keinen leichten Stand in Bayreuth haben. Die froh um jeden Besucher sein müssten. Ob die Bayreuther ihnen am Bürgerfest zwischen Bratwurstessen und Tanzbeinschwingen die Türen einrennen werden, bleibt abzuwarten. Zu verlieren haben die Museen aber nichts. Warum also nicht einfach mal ausprobieren.

Dann wären da die Verkehrsbetriebe. Der ein oder andere Fahrgast mehr kann nicht schaden. Mit Tasdelens Vorschlag kämen die vielen Tausend Besucher des Bürgerfests nicht nur sicher wieder nach Hause, sondern vielleicht auch auf eine gute Idee. Warum nicht am Montag darauf auch mal mit dem Bus zur Arbeit fahren? Oft fehlt einfach nur der erste Schritt um Verhaltensmuster zu überdenken.

Und zu guter Letzt sind da die Schwimmbäder. Ob man die mit ins Boot holt oder nicht, das wird noch zu diskutieren sein. Klar: Konkurrenz macht sich niemand gerne. Ob es die aber überhaupt wäre, darf bezweifelt werden. Denn, mittags ins Bad und abends aufs Fest, das könnte funktionieren, ganz ohne dass der eine dem anderen die Kundschaft stielt. Das Gegenteil könnte sogar passieren. Welche bessere Werbung kann es geben, als dass die Bayreuther am Eingang zum Kreuzsteinbad erfahren, dass der Eintritt nichts kostet, weil Bürgerfest ist? Da dürfte das Abendprogramm eigentlich geklärt sein. Und gegen den Kater am Tag danach soll ein kühles Bad ja auch helfen. Insofern: Einfach mal ausprobieren.

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading