Brückenfehler: Minister gegen Baustopp

Die Umgehung für Untersteinach ist ein kostspieliges Bauvorhaben. Kommt es jetzt zu einem Baustopp? Wenn die Brücken über die Bahn so gebaut werden, wie geplant, können auf der Strecke nur Dieselloks verkehren.Foto: Staatliches Bauamt

Es klingt wie ein Schildbürgerstreich: Der Bund genehmigt eine über 80 Millionen Euro teure Ortsumgehung für Untersteinach und Kauerndorf. Aber im ersten Bauabschnitt stellt sich heraus, dass die Brücken über der Bahnlinie zu niedrig sind. Zu niedrig für elektrische Züge. Jetzt muss Innenminister Joachim Herrmann entscheiden, ob beide Projekte noch zu retten sind.

Während das Schienennetz von Bamberg über Lichtenfels und Coburg mit Oberleitungen versehen ist, fehlen diese von Kulmbach über Bayreuth bis Hof. Dass diese „Dieselinsel“ bestehen bleibt, dagegen wendet sich entschieden die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU). „Meine Sorge ist, dass wir hier den Anschluss verpassen und die Zugverbindungen für die Bürger unattraktiv werden.“

Vom potenziellen in den vordringlichen Bedarf

Der Kulmbacher Kreistag startete in der Vergangenheit bereits mehrere Initiativen, um die Elektrifizierung und den zweigleisigen Ausbau voranzutreiben. Im Entwurf zum neuen Bundesverkehrswegeplan wird der elektrische Ausbau bisher im „potenziellen Bedarf“ gesehen.

Die Oberfranken-Achse beschäftigt den unter anderem für Verkehrsprojekte zuständigen Michael Beck vom Landratsamt Kulmbach schon geraume Zeit. Beck kämpft dafür, dass das Vorhaben im Bundesverkehrswegeplan 2030 in den „vordringlichen Bedarf“ rutscht. Dann nämlich könnte die Strecke, so bald genügend Geld vorhanden ist, ausgebaut werden. „Jetzt müssen wir schauen, was noch zu retten ist“, sagt Beck. Der Kreistag verfasste inzwischen ein Schreiben an die Deutsche Bahn sowie an das Bau- und Verkehrsministerium, für das Joachim Herrmann verantwortlich ist.

Brücken nur knapp fünf Meter hoch

Nach dem Zeitplan des Staatlichen Bauamtes Bayreuth ist die Verkehrsfreigabe der Umgehung Untersteinach für Ende 2020 geplant. „Bei ungehindertem Bauablauf“, wie Leiter Kurt Schnabel betont, dürften bis Ende 2021 alle Restarbeiten abgeschlossen sein. Alles in allem plant das Bauamt sechs Brückenbauwerke auf der circa drei Kilometer langen Umgehung. Drei davon sind laut Schnabel bereits fertiggestellt. Zwei Brücken kreuzen die Bahnlinie. Die Brückenhöhe über Gleisniveau beträgt nur 4,90 Meter. Die größere, noch zu bauende Brücke ist die Schorgast-Talbrücke. Sie wird 512 Meter lang und 24 Meter hoch, inklusive einer Galerie über der Bahnlinie. Schnabel zufolge ist der Bauauftrag dafür bereits vergeben, die Gründungsarbeiten wurden begonnen.

Für Elektrifizierung ist die Bahn zuständig

Warum eine zukünftige Elektrifizierung bei der Bauplanung nicht berücksichtigt worden ist, kann Schnabel nicht beantworten: „Das ist Sache der Deutschen Bahn.“ Das Bauamt wolle einer endgültigen Entscheidung der Obersten Baubehörde nicht vorgreifen. Auf eine Anfrage bei der DB Netz AG erhielt der Kurier noch keine Antwort.

Auch Emmi Zeulner hatte ein Treffen mit Herrmann. Dieser habe gesagt, es könne nicht sein, dass die Ortsumgehung einer Elektrifizierung im Wege stehe. „Es kann keiner sagen, wie das am Ende ausgeht“, sagt Zeulner. „Die Frage ist nicht, ob sie kommt, sondern wann.“ Es sei eine Fehlentscheidung der Bahn, den elektrischen Ausbau in den nächsten Jahren nicht mit einzubeziehen, so Zeulner. Bayern habe viele Schienenprojekte für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Eine endgültige Bewertung sei erst in ein paar Monaten zu erwarten.

Jetzt sind bereits Fakten geschaffen

Vor einem Jahr hätte bei den Planungen noch etwas geändert werden können. Mittlerweile seien schon Fakten geschaffen worden. Die Umgehungen für Untersteinach, Stadtsteinach und Kauerndorf seien als Gesamtpaket zu sehen. „Ein Schritt greift in den nächsten, alles spielt zusammen.“ Die Brücke abzureißen und von vorne zu beginnen, sei allein aus wirtschaftlichen Gründen unmöglich. Die CSU-Bundespolitikerin setzt nun auf einen runden Tisch bei der Regierung von Oberfranken, den sie Anfang 2018 einberufen möchte. Planer und Bahn-Vertreter sollen diskutieren, ob es eine technische Lösung gibt.

Herrmann will momentan keinen Abbruch

Der Hofer Landtagsabgeordnete Alexander König (CSU) hatte ebenfalls eine Anfrage an Herrmann gestellt. In dem Antwortschreiben regt der Minister an, prüfen zu lassen, ob die Bundesstraße angehoben oder die Bahntrasse abgesenkt werden könnten. Dabei gehe es darum, eine wirtschaftliche technische Alternative zu finden. Jedoch sehe er momentan keinen Grund, den Bau der Ortsumgehung aufgrund einer möglichen Elektrifizierung abzubrechen. Dies wäre aus Sicht der Staatsregierung nicht sinnvoll. „Es würde schon Sinn machen, die Brücken entsprechend zu planen und die Kosten aufzuteilen“, kritisiert König. „Doch so vorausschauend scheint man bei der Bahn nicht zu denken.“

Kritik aus Bayreuth

Im Bayreuther Rathaus stoßen die Äußerungen Herrmanns auf Unverständnis. „Hier zeichnet sich ein kapitaler Planungsfehler ab, der die von der gesamten Region Bayreuth seit vielen Jahren geforderte Elektrifizierung der Oberfranken-Achse auf Jahrzehnte hinaus erschwert, wenn nicht unmöglich macht“, erklärt Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. „Wenn man integrierte Verkehrspolitik ernst nimmt, dann geht so etwas nicht.“ Eine Korrektur auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, sei nicht nachvollziehbar und der Bevölkerung nicht vermittelbar.

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