Brexit sorgt für Unsicherheit

Etwas über die aktuelle Geschäftslage der oberfränkischen Wirtschaft wollte die IHK berichten, über die Stimmung der regionalen Unternehmer. Der Haken: Die aktuelle Kammerumfrage fand vor dem Brexit statt. Was die Sache aber um so interessanter macht.

„Ich habe mich am Wochenende mit einem Autohändler unterhalten, der keinerlei Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien hat“, sagte Wolfram Brehm, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken Bayreuth, im Gespräch mit dem Kurier. „Und der Händler sagt, er ist verunsichert.“ Ein Maschinenbauer wiederum mit vielen Kunden auf der Insel sagt: „Meine Maschinen sind so gut – kein Problem.“ „Bauchgefühl“ nennt Brehm die Reaktionen auf den bevorstehenden EU-Austritt der Briten; vor und nach dem Brexit gebe es Handel mit Staaten, die nicht in der EU sind. „Stabilität ist gewünscht, Stabilität bringt Vertrauen“, ergänzte Oliver Gießübel, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth. „Und diese Stabilität ist derzeit am Wackeln.“

Warum plötzlich wieder Zölle?

Wird der Brexit spürbare Auswirkungen auf die Unternehmen in Oberfranken haben? „Ich glaube nein“, sagte Brehm, „wenn, dann allenfalls kurzfristig.“ Die Auswirkungen für Unternehmen, die Handel mit England treiben, kämen eher durch die Unsicherheit. „Ich glaube, das tägliche Geschäft wird sich relativ schnell einspielen mit den neuen Rahmenbedingungen.“ Niemand sei daran interessiert, keinen Handel zu treiben, jeder wolle die bisherigen Beziehungen aufrechterhalten. „Unternehmer werden ihren Weg finden, ihre Ziele zu erreichen“, bringt es Gießübel auf den Punkt. Und Brehm: „Der Status quo ist der Binnenmarkt. Die bilateralen Abkommen, die dann geschlossen werden, könnten genauso gut den Status quo fortschreiben. Warum sollten wir jetzt plötzlich anfangen, Zölle einzuführen?“

Abwarten und Tee trinken

200 oberfränkische Unternehmen treiben mit Großbritannien einen regen Handel. Die Frage, wie der Brexit sich auf Unternehmensentscheidungen auswirken wird, ist laut Brehm schwer zu beantworten, wie das eingangs erwähnte Beispiel mit dem Autohändler zeige. Doch ein Blick auf die bisherigen Krisen wie Griechenland oder Russland/Ukraine zeige: „Unsere Wirtschaft hat diese Krisen relativ gut weggesteckt“ sagte Brehm. Und plädierte in Sachen Brexit für Gelassenheit: „Abwarten und Tee trinken.“

Konjunktur auf der Bremse

Und wie sieht sie jetzt eigentlich aus, die Geschäftslage in Oberfranken aus der Vor-Brexit-Zeit Ende Mai? Etwas weniger gut als zu Jahresbeginn. Der IHK-Konjunkurklimaindex hat um zwei Punkte nachgegeben und liegt der Studie zufolge bei 121. Wobei beim Wert von 100 genauso viele Unternehmen positive wie negative Einschätzungen abgeben. Auf die kommenden Monate blickt die Wirtschaft jedoch zuversichtlich; es werde nicht mit einem dauerhaften Rückgang der Konjunktur gerechnet. Und die Stimmung in Bayreuth sei mit 124 Indexpunkten noch besser als im oberfränkischen Schnitt. Wie erwähnt, Stand Ende Mai, vor der Brexit-Entscheidung. Derzeit laufe vom DIHK aus eine Blitzabfrage zum Thema Brexit; Ergebnisse werden für Mitte der Woche erwartet.

Konsum als Wirtschaftmotor

Gute Industriekonjunktur, Bau, Dienstleister, Gastronomie, Einzelhandel – „eigentlich geht es allen Branchen in Oberfranken gut“, sagte Brehm. Die Leute hätten durch die guten Tarifabschlüsse Geld, für das sie auf der Bank nichts mehr bekommen; die stabile Konjunktur sorge für Kauflaune – der private Konsum ist einmal mehr der wichtigste Konjunkturmotor. Und wo zwickt’s? „Interessanterweise nirgendwo“, so Brehm.

Investitionsfreude

Bemerkenswert: In Bayreuth planen 33,3 Prozent der Unternehmen steigende Investitionen, neun Prozent sinkende. „Der Saldo von 24,4 ist der beste im Kammerbezirk und liegt weit über dem Schnitt von 9,1“, freute sich Brehm. Warum? „Wir haben keine Erklärung.“

 

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