Brexit & Co. BHS Tabletop spürt Gegenwind

Foto: David Ebener/dpa

SELB. Brexit, Handelskonflikte und Krisen in der arabischen Welt – die internationalen Märkte sind für BHS Tabletop schwieriger geworden. Das macht sich auch im Geschäftsbericht für 2018 bemerkbar. Der Umsatz des Unternehmens, das auf Porzellan für Großkunden wie Hotels, Restaurants oder Fluggesellschaften spezialisiert ist, ging im vergangenen Jahr leicht zurück. Die um Währungseffekte bereinigten Erlöse sanken im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent auf 119,5 Millionen Euro, wie BHS mitteilte. Real betrug der Umsatz demnach 118,7 Millionen Euro.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie das Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) haben sich 2018 wie folgt entwickelt: Vor Sondereffekten lag das Ebit bei 4,1 Millionen Euro (Vorjahr: 5,8 Millionen Euro). Die ergebniswirksamen Sondereffekte resultieren den Angaben zufolge unter anderem aus einer Veränderung im Vorstand.

Der langjährige Finanzchef Uwe Kolb hatte zum 31. Juli 2018 BHS Tabletop verlassen. Das Ebit nach Sondereffekten belief sich auf 2,6 Millionen Euro, wie das Unternehmen auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte. Das Ebitda vor Sondereffekten lag bei 9,5 Millionen Euro (Vorjahr: 11,1 Millionen Euro).

Für Vorstandsvorsitzenden Christian Strootmann ist die operative Ertragskraft der BHS Tabletop AG in einem globalen und größtenteils preisgetriebenen Wettbewerbsumfeld der wesentliche Indikator für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. „Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen in wichtigen Märkten, durch die wir 2018 nicht alle Ziele erreicht haben, sind wir weiter sehr profitabel unterwegs“, zog er Bilanz. Das Unternehmen könne wichtige Investitionen aus eigener Kraft stemmen. 

In den Auslandsmärkten seien die Rahmenbedingungen im vergangenen Jahr teilweise schwierig gewesen, hieß es in einer Mitteilung. Demnach sorgte in den USA beispielsweise eine größere Welle von Restaurantschließungen, die mit Mindestlohnveränderungen zu tun haben, für einen konjunkturellen Dämpfer im Außer-Haus-Markt. Dieser wirkte sich auch auf die amerikanische BHS-Tochter Bauscher Hepp Inc. aus: Der Umsatz sank um 3,4 Prozent – von 17,9 auf 17,3 Millionen Dollar.

Die Effekte der Brexit-Diskussion bescherten der englischen Vertriebstochtergesellschaft John Artis Ltd. ebenfalls einen leichten Umsatzrückgang von 12,4 auf 12,0 Millionen Pfund. Das entspricht einem Minus von 3,2 Prozent. Geordneter oder ungeordneter Brexit? Oder gar eine Verschiebung? BHS Tabletop stelle sich auf die im Raum stehenden Szenarien ein, sagte Strootmann. Und erläuterte: „Konkret mussten wir im Sinne unserer Kunden als Konsequenz verschiedener erschwerter Zoll- und Transportszenarien beispielsweise in eine erhöhte Bevorratung investieren.“  

Im abgelaufenen Geschäftsjahr sicherten sich die BHS-Marken Bauscher, Tafelstern und Schönwald hochkarätige Aufträge. Einen Großauftrag über 430.000 Porzellanteile zog Bauscher zuletzt an Land. Künftig werden Espresso- und Kaffeebecher der Kollektion „Enjoy“ in den Bordbistros der gesamten ICE-Flotte der Deutschen Bahn verwendet, wie das Unternehmen berichtete. Die BHS lieferte die Erstausstattung von rund 54.000 Teilen innerhalb von nur fünf Wochen aus. 

Einweg-Teller aus 
Zuckerrohrresten

Die Mariott-Gruppe war schnell überzeugt von den Vorteilen der Kollektion „Delight“ von Tafelstern. Für ein neues Haus ihrer Lifestylemarke „Edition Hotels“ in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Arabischen Emirate, kaufte die größte Hotelkette der Welt 47.000 Stück der Kollektion ein.

Das Hyatt Andaz gehört zu den Top-Adressen in Delhi (Indien). Schönwald stattete zwei Restaurant-Outlets – das stylische Anna Maya und den Hong Kong Club – aus. Beide Restaurants setzen auf das Dekorkonzept „Shabby Chic“.  

BHS Tabletop bietet nach eigenen Angaben ein 100 Prozent biologisch abbaubares Einweg-Produkt an, das zu 70 Prozent aus Zuckerrohrresten und zu 30 Prozent aus FSC-zertifizierter Holz-Zellulose besteht. Die Teller, Bowls und Schälchen seien wasserdicht, fettabweisend und sogar mikrowellengeeignet.

Die Ausgangslage für 2019 beschrieb Vorstandschef Strootmann wie folgt: „Der Gegenwind ist merklich rauer geworden, auch in Deutschland kühlt sich die Konjunktur aktuell ab.“ Man bleibe aber optimistisch, „da sich das Geschäftsmodell der BHS als sehr robust erwiesen hat“. 

Nach Einschätzung von Aktionärsschützer Thomas Walch droht weiterhin ein sogenannter Squeeze-out – ein zwangsweiser Ausschluss der Streubesitz-Aktionäre. BHS Tabletop erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, hierzu gebe es aktuell weder Aktivitäten noch neue Erkenntnisse. Walch sagte, solange BHS Tabletop Verlustvorträge aus der Hutschenreuther-Zeit geltend machen könne, werde die Firma in puncto Squeeze-out wahrscheinlich nichts unternehmen. In zwei, drei Jahren könnte das Thema hingegen wieder relevant werden, warnte Walch.  

Die BHS Tabletop AG ist Teil der Münchner Serafin-Gruppe. BHS beschäftigt rund 1170 Mitarbeiter.  

 

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