Branche im Wandel Auf dem Weg zum IT-Unternehmensberater

Sie managen den Wandel bei der Business Systemhaus AG (von links): Vorstand Wolfgang Eichfeld, Vertriebschef Gerd Schertel und die Prokuristen Michael Zettl und Regina Deppner. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Dass die Digitalisierung auch die IT-Branche durcheinanderwirbelt, ist höchstens auf den ersten Blick erstaunlich. Weil die Kunden plötzlich ganz andere Wünsche haben, müssen sich die Anbieter anpassen. Die Bayreuther Business Systemhaus AG hat den Wandel eingeleitet.

Nicht, dass der Mittelstand sich grundsätzlich gegen das Digitale stemmen würde. „So ist es beileibe nicht“, sagt Wolfgang Eichfeld, Alleinvorstand bei Business Systemhaus. Schließlich lebt sein Unternehmen immer noch zu rund 70 Prozent davon, so genannte ERP-Software genau auf die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Vereinfacht ausgedrückt geht es dabei darum, möglichst alle Geschäftsprozesse über eine integrierte Software abzuwickeln.

Hunderte Kunden

Mehrere Hundert aktive Kunden haben die Bayreuther in diesem Bereich – in ganz Deutschland, vereinzelt auch im deutschsprachigen Ausland, vor allem aber in einem rund 200 Kilometer großen Radius rund um Bayreuth. Direkt vor Ort sind es etwa die Brauerei Maisel, Steiner Optik oder BIV. Bekannte Kunden in der Region sind unter anderem die Confiserie Burg Lauenstein (Ludwigsstadt), Liros, ein weltweit führender Hersteller von hochwertigen Seilen für Wassersport, Industrie und Automobil (Berg) oder der Lichtsystem-Spezialist Lamilux in Rehau. Alle aus völlig unterschiedlichen Branchen, einige hoch spezialisiert, alle unterschiedlich groß und deshalb alle mit unterschiedlichen Anforderungen. „Da müssen unsere Mitarbeiter schon gut und lange zuhören, bis es an die passgenaue Lösung gehen kann“, sagt Eichfeld.

Neue Technik, neue Arbeitsweisen

Und doch reiche das nicht mehr, um auch in der Zukunft bestehen zu können – und zwar weder für sein eigenes Unternehmen, noch für die Kunden, glaubt der Vorstand. So machen neue Techniken etwa neue Arbeitsweisen möglich, und die wollen vor allem die jungen Mitarbeiter nutzen.

Ängste nehmen

Bisher habe es da bei vielen Mittelständlern zum Teil noch große Vorbehalte gegeben, doch mittlerweile wende sich das Blatt, sagt Prokurist Michael Zettl. Junge, dynamische Mitarbeiter seien es aus ihrem Alltag nun mal gewöhnt, in Whattsapp-Gruppen zu kommunizieren. „Mailen ist denen viel zu formell und langsam.“ Skypen sei normal, Dokumente würden problemlos über Tools wie Dropbox ausgetauscht. „Die fragen dann ihre Chefs nach solchen Lösungen auch am Arbeitsplatz“, sagt Zettl: „Und wenn sie sie nicht bekommen, dann rebellieren sie oder gehen halt zu einem moderneren Arbeitgeber.“ Was sich heute schon allein wegen des zunehmenden Fachkräftemangels in nahezu allen Branchen keiner mehr leisten könne. Und so gelte es, den Unternehmen die Ängste vor Cloud und Co. zu nehmen und ihnen die Vorteile aufzuzeigen.

Produktivität steigern

Der Bayreuther Fernglas-Hersteller Steiner sei einer der Partner, bei dem gerade ein entsprechendes Projekt läuft. Es gehe unter anderem darum, die Teamarbeit im Unternehmen zu verbessern. Wenn sich die Mitarbeiter in Echtzeit untereinander austauschen und mehrere gleichzeitig an Dokumenten arbeiten könnten, die in der Cloud bereitliegen, wenn alle Berechtigten bei einem Projekt dank transparenter Prozesse immer auf dem gleichen Stand sind, dann erhöhe das auch die Produktivität und damit den Nutzen für das Unternehmen. Zugleich müsse das natürlich auf höchstmöglichem Sicherheitsniveau ablaufen.

Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz nutzen

Auch die noch nicht einmal im Ansatz erkennbaren Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz könnten und sollten genutzt werden, sagt Zettl und nennt ein Beispiel: „Da halten drei Mitarbeiter auf drei Kontinenten ein Online-Video-Meeting ab, dessen Audiospur automatisch ausgelesen und dann ein Protokoll erstellt wird – und zwar in der jeweiligen Sprache der Teilnehmer.“

Wissen verkaufen

Das sei die Zukunft, ist auch Vertriebschef Gerd Schertel sicher. Bislang habe Business Systemhaus vor allem IT-Werkzeuge verkauft und sie zum Laufen gebracht. Jetzt und in Zukunft gehe es vermehrt darum, Wissen zu verkaufen, also die Kunden auf dem Weg in die digitalisierte Welt an der Hand zu nehmen. Dass es auch da um individuelle Lösungen geht, liege auf der Hand. Oder wie es Zettl ausdrückt: „Will man fünf Kilo abnehmen, ist für jeden ein anderer Weg der beste. Nur einen Hometrainer, also das Werkzeug zu kaufen, reicht nicht. Am besten ist ein Personal Trainer. Der wollen wir sein.“

Das Unternehmen

Business Systemhaus ist 1995 aus der bereits 1952 gegründeten Bezirksstelle des IT-Pioniers Taylorix hervorgegangen. Trotz des eingeleiteten Wandels zum IT-Unternehmensberater ist das wichtigste Standbein weiter die individuelle Anpassung von ERP-Software bei mittelständischen Kunden, die damit ihre Geschäftsprozesse steuern.

Die Mitarbeiterzahl ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf jetzt 48 gestiegen, darunter sechs Auszubildende. Es werden ständig weitere Mitarbeiter gesucht, die möglichst bodenständig sein sollen. Maßnahmen wie Gleitzeit, Homeoffice, betriebliche Gesundheitsförderung oder der Anspruch, dass keine oder nur wenige Überstunden anfallen, sollen die nicht zu leugnenden Gehaltsunterschiede zu den Metropolen ausgleichen helfen.

Business Systemhaus hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 (30. Juni) gut 5,2 Millionen Euro Umsatz gemacht, im laufenden Geschäftsjahr sollen es gut 5,5 Millionen werden. Und die Rendite? „Wir haben noch nie Verlust gemacht“, sagt Eichfeld.

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading