Blick auf Ex-Bayreuther Assem Marei mischt die türkische Liga auf

Mehrere Gegenspieler bindet oft Assem Marei (links). Der Ex-Bayreuther ist der beste Spieler bei Pinar Karsiyaka. Foto: Fiba Europe Cup

BASKETBALL. Das neu formierte Medi-Team ist mit wettbewerbsübergreifend sechs Siegen in Folge vor der momentanen Nationalmannschaftspause in Fahrt gekommen. Doch wie läuft es für diejenigen Spieler, die Bayreuth im Sommer verlassen haben, bei und mit ihren neuen Vereinen?

Am meisten scheint sich der Wechsel für Assem Marei ausgezahlt zu haben. Denn für Pinar Karsiyaka konnte der 26-jährige ägyptische Center in der (finanz-)starken türkischen Basketbol Süper Ligi (BSL) seine Werte aus dem Jahr in Bayreuth (11,8 Punkte und 6,5 Rebounds) noch einmal deutlich steigern und legt im Schnitt sogar ein Double-Double auf. Das hängt aber sicherlich auch damit zusammen, dass er bei Medi meist von der Bank für Andreas Seiferth kam und sich die Einsatzzeit mit dem deutschen Nationalspieler in der Bundesliga auf die Sekunde genau teilte (jeweils 19:58), während er jetzt beim Klub aus Izmir die unumstrittene Nummer eins auf seiner Position ist und dort pro Spiel gut acht Minuten länger auf dem Feld steht (28:10).

Mit 17,5 Punkten führt Marei nicht nur die teaminterne Scorerliste klar vor den US-amerikanischen Guards Erving Walker (13,6) und Seketoure Henry (13,5) an, sondern kann sich auch im ligaweiten Vergleich auf Platz sieben sehen lassen. Vierter ist übrigens Sylven Landesberg (19,1), der den Bayreuther Fans aus den Duellen mit Estudiantes Madrid in der vergangenen Champions-League-Saison noch ein Begriff sein dürfte und jetzt in Diensten von Türk Telekom Ankara steht. Noch wesentlich deutlicher ist Mareis Dominanz in der eigenen Mannschaft bei den Rebounds ausgeprägt. Nur Devin Williams, Center von Üniversitesi Büyükcekmece und zugleich Liga-Topscorer mit 22,0 Punkten, ist in dieser Kategorie noch etwas besser (12,3 zu 12,0). Auf Rang drei folgt der Ex-Münchner Vladimir Stimac (Türk Telekom Ankara/9,6). Lediglich von der Freiwurflinie, von der er nur gut die Hälfte seiner Versuche trifft (22/40), hat Marei weiterhin Probleme.

Kein Double-Double gelang dem Ägypter in den bisherigen acht Ligaspielen nur ein einziges Mal – und zwar beim 100:84-Sieg gegen den nur auf Platz zehn liegenden Eurocup-Sieger und dadurch Euroleague-Teilnehmer Darüssafaka Istanbul, als er nur 19:29 Minuten zum Einsatz kam und in dieser Zeit immerhin noch acht Rebounds einsammelte. Herausragende Partien im Trikot von Karsiyaka waren die am dritten Spieltag bei Istanbul BBSK (mit dem Ex-Ulmer Luka Babic), als er zum knappen 89:84-Erfolg 25 Punkte und 17 Rebounds beisteuerte, sowie zuletzt gegen den Würzburger Europe-Cup-Gegner Sakarya (93:63) mit seiner Saisonbestleistung von 27 Punkten (14 Rebounds).

Marei gewinnt zweimal gegen Linhart

Nach zwei Niederlagen zum Start der 15 Teams zählenden türkischen Liga liegt der Meister von 2015 mittlerweile mit ausgeglichener Bilanz von vier Siegen und vier Niederlagen auf Platz vier. Nur zwei Punkte beträgt der Rückstand zu den großen Istanbuler Klubs und Münchner Euroleague-Gegnern Fenerbahce (noch ungeschlagener Titelverteidiger und Rekordmeister) und Anadolu Efes (ebenfalls mit 13 Titeln ausgestattet) sowie Tofas Bursa (Berliner Eurocup-Gegner).

Während Medi Bayreuth nach der Länderspielpause am 8. Dezember den Mitteldeutschen BC empfängt, geht es in der Türkei schon am kommenden Dienstag weiter. Dann muss der ägyptische Nationalcenter mit Karsiyaka gleich zum Euroleague-Finalisten der vergangenen drei Jahre (Sieger 2017), Fenerbahce. Im Europe Cup starten die Türken eine Woche später in die zweite Gruppenphase, in der sie dann am 30. Januar in Würzburg zu Gast sind. Die beiden anderen Gegner in Gruppe I sind die Ungarn Szolnoki Olaj und KB Prishtina aus dem Kosovo. Die ersten zwei Mannschaften qualifizieren sich für das Achtelfinale, in dem es für Marei vielleicht zu einem Wiedersehen mit den Bayreuthern kommen könnte, sollten diese als Fünfter oder Sechster aus der Champions League „absteigen“.

In Gruppe C des unterklassigsten europäischen Wettbewerbs, in der sich Karsiyaka mit 4:2 Siegen auf dem zweiten Platz hinter Donar Groningen (mit dem früheren Ludwigsburger und Würzburger Jason Dourisseau) für die nächste Runde qualifizierte, war es zum Aufeinandertreffen mit Nate Linhart gekommen. Nach dem 86:77 bei dessen neuem Klub Spirou Charleroi gewann das Marei-Team auch das Rückspiel (90:72) und sorgte damit maßgeblich für das Europapokal-Aus der Belgier (Rang drei mit 3:3 Siegen). In Sachen Punkten nahmen sich die beiden Ex-Bayreuther dabei nicht viel (Marei 12 und 9, Linhart 12 und 7).

Sowieso fällt auf, dass Marei auf internationalem Parkett einen wesentlich schwereren Stand zu haben scheint als in der türkischen Liga. Selbst gegen den nationalen Konkurrenten Istanbul BBSK gelangen ihm in beiden Partien insgesamt nur 19 Punkte – also weniger als im Ligaspiel – und 17 Rebounds. Seine Durchschnittswerte liegen bei knapp fünf Minuten weniger Einsatzzeit bei 10,7 (dafür 76,5 Prozent Trefferquote) und 8,8.

Nate Linhart: Leistungsträger von der Bank

Auch Nate Linhart gehört – wie der Ex-Tübinger Rasko Katic und der ebenfalls aus der BBL bekannte Cliff Hammonds (Berlin, Ludwigsburg, Würzburg) – zu den Leistungsträgern seines neuen Teams, kam bisher aber sowohl in der nationalen Meisterschaft (knapp 24 Minuten Einsatzzeit) als auch im Europe Cup (etwas mehr als 25) meistens von der Bank. In Bayreuth hatte er in der vergangenen Saison noch in jedem seiner 36 Bundesligaspiele in der Startformation gestanden.

Seine statistischen Werte unterscheiden sich dabei nur unwesentlich. In der schwächer einzuschätzenden belgischen Liga mit nur zehn Mannschaften bringt es der seit Kurzem 32-jährige Allrounder im Schnitt auf 8,3 Punkte sowie 4,9 Rebounds und 2,9 Assists. Im Europe Cup waren seine Zahlen ähnlich (10,2 / 4,7 / 2,2). Seine beste Leistung hatte er gleich im ersten Ligaspiel (76:66-Sieg bei den Leuven Bears) mit 14 Punkten, vier Rebounds, sieben Assists und drei Ballgewinnen abgeliefert. Obwohl Charleroi in der heimischen Liga mit fünf Siegen und drei Niederlagen Tabellendritter ist hinter dem Bayreuther Champions-League-Gegner BC Ostende (8:1) und Belfius Mons-Hainaut (5:4), musste Trainer Brian Lynch am vergangenen Samstag einen Tag nach der knappen 73:76-Niederlage in Brüssel seinen Hut nehmen.

Zuvor hatte sein Team Mons-Hainaut mit 94:52 aus der Halle geschossen. „Der Mangel an Kontinuität ist problematisch“, heißt es in der Pressemitteilung des ambitionierten Vereins, der in der Champions-League-Qualifikation nach Gesamterfolgen über Hapoel Tel Aviv (146:135) und den dänischen Vertreter Bakken Bears (133:130) in der letzten Runde an UCAM Murcia (144:149) gescheitert war. Linhart erzielte in den beiden Duellen mit den Spaniern insgesamt 14 Punkte. Nachfolger des ehemaligen Gießener Spielers Lynch, der mit der früheren Weltklasse-Tennisspielerin Kim Clijsters verheiratet ist, ist der in Belgien bestens bekannte Niksa Bavcevic. Der Kroate wird Spirou Charleroi erstmals am kommenden Mittwoch im Pokalspiel beim BBC Boechout coachen.

James Robinson: Tabellenvorletzter in Israel

Ebenfalls ein sportlicher Abstieg war der Wechsel von James Robinson. Mit Bnei Herzliya belegt der 24-jährige US-Amerikaner unter den zwölf Mannschaften der israelischen Super League mit zwei Siegen und fünf Niederlagen nur den vorletzten Platz – punktgleich mit Schlusslicht Maccabi Rishon. Und auch persönlich läuft es für ihn schlechter als in Bayreuth: Bislang vorwiegend als Starter auf der Position des Point Guards bringt er es in gut 25 Minuten bei einer Trefferquote von 37,5 Prozent (Zweier) beziehungsweise gar nur 14,8 Prozent von der Dreierlinie auf 8,1 Punkte (im Vorjahr 9,4 bei einer Wurfquote von 42,1 Prozent) und verteilt zudem 2,6 Assists (3,5). Sein Landsmann Michael Dixon übertrifft ihn in den meisten Kategorien, vor allem bei den Vorlagen (5,1).

John Cox: Gute Werte in Frankreichs 2. Liga

John Cox lässt seine Karriere allmählich in Frankreich in der zweiten Liga Pro B ausklingen. Der Venezolaner steht mit seinen mittlerweile 37 Jahren allerdings pro Spiel immer noch fast 21 Minuten für SLUC Nancy auf dem Feld und ist mit 9,9 Punkten zweitbester Korbjäger seines Teams hinter Anthony Goods (14,9) aus der Dominikanischen Republik. Erst vor zwei Wochen gelangen ihm beim 77:56 gegen Aix-Maurienne sogar 28 Zähler. Mit 5:2 Siegen liegt Nancy auf dem dritten Platz, ganz knapp hinter dem Spitzenduo Orleans und Roanne (jeweils 6:1). Im Pokalwettbewerb der zweiten französischen Liga scheiterte Nancy im Halbfinale an Rouen. Nach einem 77:72-Auswärtserfolg ging das Rückspiel trotz 15 Punkten von Cox klar mit 59:75 verloren.

Robin Amaize: Wenig Einsatzzeit in München

Erwartungsgemäß weniger Einsatzzeit bekommt der in Bayreuth zum Nationalspieler gereifte Robin Amaize nach seinem Wechsel zum FC Bayern München. Im Starensemble des Double-Gewinners und nach neun Spielen noch ungeschlagenen Tabellenführers steht er in der Bundesliga mit 7:14 Minuten sogar weniger als halb so lange auf dem Parkett wie noch im Medi-Team (16:18). Dementsprechend geringer ist auch seine Ausbeute mit 2,0 Punkten (bei insgesamt erst sieben Wurfversuchen in sieben Einsätzen). Sieben seiner insgesamt 14 Zähler sammelte der 24-Jährige am vierten Spieltag beim 102:91 gegen Bonn. Im Pokal (106:92 gegen Gießen) durfte er ebenso nur gut eine Minute ran wie bei seinem einzigen Euroleague-Einsatz gegen Olympiakos Piräus (62:72).

Gabe York: Anlaufzeit in der G-League

Nach seiner Entlassung vom NBA-Klub Orlando Magic und der Rückkehr in die Entwicklungsliga G-League traf Shooting Guard Gabe York zunächst auch nicht besser als sein Nachfolger Kassius Robertson. Für Lakeland Magic verwandelte der Bayreuther Topscorer der vergangenen Saison bei den ersten drei Niederlagen jeweils nur rund ein Viertel seiner Versuche. Doch genauso wie Robertson steigerte sich auch der 25-jährige York im bisherigen Saisonverlauf und zählt mittlerweile zu den besten Punktesammlern seines Teams.

Trey Lewis: Von Verletzung gestoppt

Noch keine Partie konnte in dieser Saison Trey Lewis absolvieren. Der York-Vorgänger in Bayreuth hatte sich ebenfalls große Hoffnungen auf die NBA gemacht. Nachdem der 26-Jährige aber die ersten beiden Vorbereitungsspiele wegen einer offenbar hartnäckigen Knöchelverletzung verpasst hatte, war er von den Utah Jazz entlassen und im Tausch mit Isaiah Cousins zum G-League-Team Salt Lake City Stars geschickt worden. „Verletzungen nerven, aber leider sind sie ein Teil dieses großartigen Spiels, das wir spielen. Ich werde stärker und besser als je zuvor zurückkommen“, twitterte Lewis.

 

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