Bewaffneter Drogenhandel Fünf Jahre Haft für 21-Jährigen

Der Besitz eines Baseballschlägers wurde einem jungen Drogendealer zum Verhängnis: Er bekam fünf Jahre Haft, die Mindeststrafe für bewaffneten Drogenhandel. Foto: Britta Pedersen dpa-Archiv

BAYREUTH. Ein griffbereit in einem Zwischenraum zwischen zwei Schränken stehender Baseballschläger wurde einem jungen Mann zum Verhängnis. Das Landgericht verurteilte den 21-Jährigen wegen bewaffneten Drogenhandels zu fünf Jahren Gefängnis.

Dass der 21-Jährige überhaupt als Angeklagter vor Gericht landete, liegt an der Erfahrung zweier gestandener Streifenpolizisten. Die zwei Beamten fuhren am 10. April durch die Altstadt, als sie am Freiheitsplatz eine Gruppe von vier Männern stehen sahen. Der 47-jährige Hauptkommissar, der das Streifenauto steuerte, sagte als Zeuge vor Gericht: „Als die vier unser Auto erkannten, geriet Bewegung in die Gruppe. Wir drehten um, um sie zu kontrollieren.“

Bei den Männern fanden die Polizisten keine verdächtigen Hinweise, allerdings unter einem Auto in der Nähe: eine Zigarettenschachtel ohne Zigaretten darin, aber mit einem Päckchen weißen Pulvers – fast fünf Gramm Kokain.

Es folgten Wohnungsdurchsuchungen. In dem gediegen eingerichteten Ein-Zimmer-Appartement des 21-jährigen Sozialhilfeempfängers am Roten Hügel fanden die zwei Streifenpolizisten in einem Schrank insgesamt 860 Gramm Marihuana, dazu eine Feinwaage und Plastiktütchen, um Verkaufsportionen zu verpacken.

Hinten in dem Schrank lag unter Wäsche ein Schlagstock, von dem der Wohnungsinhaber sagte, er habe ihn seit knapp einem Jahr dort liegen, weil er ihn für einen Bekannten aufbewahrt habe – und längst vergessen.

Große Scheine im Geldversteck

In der Küche montierte einer der Polizisten die Bodenleiste eines Schranks ab und holte aus einem Versteck eine Tüte mit Bargeld: 8400 Euro in Fünfhunderter-, Zweihunderter- und Hunderterscheinen. In einem verschlossenen Wandtresor lagen eine Schreckschusswaffe und ein Einhandmesser.

Im Prozess beantragte der Verteidiger des Angeklagten, Anwalt Wolfgang Schwemmer, zunächst den Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Angeklagte wolle vor seiner zahlreich erschienenen Familie nicht zu den Hintergründen der Tat aussagen – diese Hintergründe lägen in den Familienverhältnissen.

Teilgeständnis hinter verschlossener Tür

Die Strafkammer unter Vorsitz von Michael Eckstein kam dem Antrag nach. Hinter verschlossenen Türen erklärte der Verteidiger, sein Mandant gestehe den Drogenhandel, bestreite jedoch, dass die aufgefundenen Waffen zur Durchsetzung oder Sicherung von Drogengeschäften gedient hätten. Er habe die Waffen nur „aus jugendlicher Neugier“ besessen.

Tatsächlich begründete das Gericht den bewaffneten Handel nicht mit dem Besitz des vergessenen Schlagstocks oder mit den Waffen aus dem Tresor. Allerdings: Der knapp einen Meter von dem Drogenversteck entfernt stehende Baseballschläger sei eine Waffe im Sinn des Gesetzes.

Und das besagt: Jemand, der beim Drogenhandel mit derart großen Mengen eine Schusswaffe oder sonstige Gegenstände bereit hält, die zur Verletzung von Personen geeignet sind, ist mit mindestens fünf Jahren Haft zu bestrafen.

Der Gerichtsvorsitzende Eckstein sagte: „Am Tatbestand führt kein Weg vorbei.“

 

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