Betriebsrat verhindert? Wirbel um Bio-Großhändler Dennree

Symbolfoto: dpa

TÖPEN. Der Bio-Großhändler Dennree mit Stammsitz in Töpen (Landkreis Hof) ist schwer unter Beschuss. Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Unternehmen vor, es wolle die Gründung eines Betriebsrats verhindern.

Gewerkschaftssekretär Paul Lehmann klagte am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung über eine „reine Hinhaltetaktik“ der Firmenleitung. Sie behindere gezielt die Arbeit des Wahlvorstands, den die Mitarbeiter am Lagerstandort Töpen gewählt hätten. Aufgabe des Gremiums sei es, die bevorstehende Betriebsratswahl vorzubereiten und durchzuführen. Dafür seien Schulungen notwendig, doch der Wahlvorstand werde vom Unternehmen immer wieder ausgebremst.  

Bereits zwei Mal habe der Wahlvorstand das Seminar und die Kostenübernahme beim Arbeitgeber beantragt, heißt es in einer Mitteilung von Verdi. Letzterer sei jedoch bislang untätig geblieben und habe die gesetzten Fristen verstreichen lassen.

Nach den Worten der Gewerkschaft „schikaniert“ die Dennree-Führung außerdem den Wahlvorstand, indem sie ihm für Sitzungen benötigte Räume nicht zur Verfügung stelle. Auch die im Gesetz vorgeschriebene vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber werde vom Arbeitgeber nicht ernst genommen.

Getroffene Zusagen würden schlicht ignoriert, bemängelte Verdi. „Wir gewinnen immer mehr den Eindruck, dass der Arbeitgeber die anstehende Betriebsratswahl behindern möchte“, kritisierte Lehmann. Verdi behält sich nach eigener Auskunft rechtliche Schritte vor. „Eine Betriebsratswahl zu verhindern, ist eine Straftat. Wir erwarten, dass der Arbeitgeber unverzüglich seiner Verpflichtung nachkommt“, forderte Paul Lehmann. 

Dennree antwortete am Montag schriftlich auf Nachfragen unserer Zeitung. Personalchef Uwe Zimmermann wurde in einer Stellungnahme wie folgt zitiert: „Die Initiative von Kollegen zur Gründung eines Betriebsrats begrüßen und unterstützen wir ausdrücklich.“ Vor dem Hintergrund der größer und internationaler werdenden Arbeitsgemeinschaft bei Dennree sei es „für uns selbstverständlich, den Dialog zwischen den einzelnen Bereichen, Mitarbeitern und natürlich der Unternehmensleitung weiter zu intensivieren“.

Das Unternehmen habe selbstverständlich Räume und Technik für eine entsprechende Betriebsversammlung zur Wahl des Wahlvorstandes zur Verfügung gestellt. Das gelte auch für die Sitzungen des gewählten Gremiums. Der nächste Schritt sei nun eine Fortbildung des Wahlvorstands.

Die Information über die Kostenübernahme liege dem Wahlvorstand seit 20. Februar vor. Zimmermann weiter: „Unserer Kenntnis nach sind sich jedoch Teile des Wahlvorstands über die Auswahl des passenden Seminaranbieters noch nicht einig, weshalb nun weitere Vorschläge geprüft werden.“ Man sei zuversichtlich, dass „die Konfiguration des Betriebsrats zügig weiter voranschreitet und dieser künftig eine wichtige Rolle in unserem wachsenden Unternehmen übernehmen wird“.  

Der Gewerkschaft beklagte zudem, dass Dennree seine Mitarbeiter nicht angemessen am Erfolg beteilige. Der Umsatz des Bio-Großhändlers stieg – wie berichtet – im vergangenen Jahr um knapp sechs Prozent auf 1,025 Milliarden Euro. „Der Umsatz ist von den Kolleginnen und Kollegen erwirtschaftet worden und die Firma Dennree zahlt nach wie vor nicht nach Tarifvertrag – eine schreiende Ungerechtigkeit!“, kritisierte Gewerkschaftssekretär Lehmann laut der Verdi-Mitteilung.  

Denree beschäftigt mehr als 5900 Mitarbeiter, 850 davon in Töpen.  

 

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