Behörde: Glyphosat selten erforderlich

Disteln nach der Getreideernte auf einem Acker im Landkreis Bayreuth. Das Unkraut kann auch mit Glyphosat bekämpft werden. Foto: Friedrich Asen

Der Einsatz des umstrittenen Unkrautgiftes Glyphosat ist für die regionale Landwirtschaft selten erforderlich. Das betonten Friedrich Asen und Reinhard Ostermeier vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Glyphosat wirke nur über die Blätter der Pflanze, nicht über den Boden, erläuterte Pflanzenbauberater Asen. Das Herbizid tötet fast alle Pflanzen auf dem gespritzten Feld ab, sofern sie nicht entsprechend gentechnisch verändert sind. Aber: In Deutschland und der EU sind derzeit gentechnisch veränderte landwirtschaftliche Kulturpflanzen verboten. Deshalb können Getreide, Mais und andere Pflanzen mit Glyphosat nicht behandelt werden, sonst würden sie absterben. „Es gibt ausreichend alternative Mittel in den Kulturen, wir brauchen keine Gentechnik“, betonte Asen.

Quecken und Disteln

Das Herbizid erfasst auch Unkrautarten, die schwer bekämpfbar sind wie Quecken oder Disteln. Speziell gegen diese Unkräuter wird Glyphosat dann nach der Getreideernte im August oder September angewandt, zu dem Zeitpunkt gebe es keine blühenden Pflanzen mehr auf dem Acker, erläuterte Ostermeier, der Berater beim amtlichen Pflanzenschutzdienst ist. Das Herbizid werde auf weniger als fünf Prozent der 16 000 Hektar Getreidefläche im Landkreis Bayreuth eingesetzt. Laut Zulassungsbehörde ist Glyphosat bienenunschädlich und wird im Boden durch Mikroorganismen abgebaut. Asen verwies hier auf entsprechende Studien der drei staatlichen Zulassungsbehörden, beispielsweise des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. „Wir als Berater und die Landwirte müssen sich auf diese Untersuchungen verlassen können“, sagte Asen. Die amtliche Zulassung des Stoffes stelle den momentanen Stand der Wissenschaft dar. „Sollte man zu anderen Erkenntnissen kommen, wird die Zulassung angepasst oder widerrufen“, erläuterte er.

"Keine Gefahr für Grundwasser"

Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der die Hälfte des Wirkstoffes abgebaut wird, beträgt 40 bis 60 Tage. „Für die nachfolgenden Kulturen gibt es keine Schäden“, versicherte Ostermeier. Für das Grundwasser bestehe keine Gefahr, allerdings bauen Kläranlagen Glyphosat nicht ab.

100 Pflanzenschutzmittel mit Glyphosat

Zur Diskussion um ein Glyphosatverbot sagte Asen, sollte dies kommen, würden andere Herbizide eingesetzt. Rund 100 Pflanzenschutzmittel enthalten Glyphosat, erläuterte Ostermeier. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte einen schnellen Ausstieg bis 2021 gefordert. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigte sich hingegen skeptisch, ob ein Verbot rechtlich durchgesetzt werden kann. Umweltschützer lehnen den breiten Einsatz in der Landwirtschaft ab, weil die Chemikalie die Artenvielfalt bedrohe. Zuletzt hatten Forscher vor einem massiven Insektensterben gewarnt. Umstritten ist noch, ob der Stoff Krebs auslösen kann.

Alternativen sind aufwendig

Die Alternative zu Glyphosat wäre die mechanische Bekämpfung der Quecken mit Maschinen wie Grubber und Scheibenegge. „Das ist sehr aufwendig und funktioniert nicht auf allen Böden“, erläuterte Ostermeier. Es gebe Landwirte, die kein Glyphosat einsetzen, ergänzte Asen. Voraussetzung dafür sei eine ausgewogene Fruchtfolge sowie das Mulchen verunkrauteter Feldränder, um das Einwandern der Quecken und Disteln in die Felder zu verhindern. Der Einsatz von Glyphosat sei aber finanziell günstiger als energieaufwendige mechanische Maßnahmen. Glyphosat werde auch in Zukunft in der Region Bayreuth keine große Rolle spielen, da die meisten Felder keine „Problemunkräuter“ haben. Auch die Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland werde nicht kommen. „Die konventionelle Landwirtschaft arbeitet mit Chemie, um Produktion und Qualität zu sichern“, erläuterte Ostermeier. Der technische Fortschritt in der Landwirtschaft habe dazu geführt, dass die Bevölkerung derzeit nur noch durchschnittlich zwölf bis 16 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben muss, betonte Asen.

Info: Glyphosat, das meist eingesetzte Pflanzengift der Welt, wurde von der US-Firma Monsanto in den 1970er Jahren patentiert. Das Mittel kam unter dem Namen „Roundup“ auf den Markt. Die EU-Kommission hatte im November 2017 nach monatelangem Streit die Zulassung um fünf Jahre verlängert.

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