Bayreutherin verurteilt Drogenrückfall mit Folgen

Die Droge Crystal Speed ließ eine Bayreutherin nicht los. Nun hat die ihre Vergangenheit vor Gericht eingeholt. Foto: Daniel Karmann dpa-Archiv

BAYREUTH. Sie spuckte und trat um sich. Sie stieß wüste Beleidigungen. Eine 37-jährige Bayreutherin scheiterte beim Versuch, sich von ihrer Rauschgiftsucht zu lösen. Das Schöffengericht verurteilte sie zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr.

Dass das Drogenmilieu manchmal als „Sumpf“ beschrieben wird, kann man anhand des Falles der 37-Jährigen gut nachvollziehen: Gerät jemand in den „Sumpf“, dann ist es für ihn sehr schwer, sich herauszuziehen.

Die 37-Jährige, die nun – wieder einmal – vor Gericht stand, hat kein einfaches Leben hinter sich. In eine bestimmte Gesellschaftsschicht hineingeboren, gehörte sie von Beginn an zum unteren Rand der Gesellschaft. Von hier etwas weiter emporzukommen, dazu braucht es Energie. Und es braucht Glück. Doch dieses Glück hatte die Frau nicht. Rückschläge kompensierte sie mit Drogenkonsum: Als das Crystal Speed in Bayreuth vor Jahren zur angeblich leistungssteigernden Modedroge wurde, nahm sie es.

Das Rauschgift prägte ihr Leben und ihr Strafregister. Es schien, als komme sie von den Drogen los, zog weg aus Bayreuth, doch 2015 holte die Sucht sie ein. Sie erinnerte sich an ihre Kontakte, kam im Oktober 2017 in ihre Heimatstadt zurück, übernachtete erst bei einem Bekannten, dann bei ihrer Tante, schnupfte gierig Crystal und geriet wieder einmal ins Visier der Polizei: Bei ihrer Tante war ein Badezimmerfenster eingeschlagen worden. Man glaubte an Einbruch. Als Polizisten in die Wohnung kamen, fanden sie die unter Drogen stehende 37-Jährige, zusammen mit mehreren vollgepackten Reisetaschen.

Die Drogen wirkte nach

Der Zustand der Frau, so beschrieben es Zeugen vor Gericht, war desolat, aber auch aggressiv: Der Rettungsdienst wurde angefordert. Die Süchtige wehrte sich, trat und schlug nach Polizisten, nach Sanitätern. Sie schrie nicht druckreife Schimpfworte. Noch am Tag danach, als sie zum Ermittlungsrichter gebracht werden sollte, wirkten die Drogen nach: Als ihr die Fesseln gelöst werden sollten, ging sie erneut auf Polizeibeamte los.

Mehr als ein Jahr danach erklärte ihr Verteidiger Markus Schwab, seine wegen Einbruchs, Körperverletzung, Widerstands und Beleidigung angeklagte Mandantin habe kaum noch Erinnerungen an ihre Aggressionsschübe: „Aber wir müssen davon ausgehen, dass es so war.“

Nur eines bestritt die Angeklagte – den „Einbruch“ bei ihrer Tante: Sie habe im Drogenrausch den Schlüssel für die Wohnung verloren und sei halt über das Badezimmerfenster eingestiegen. Und ohne Schlüssel sei sie nicht mehr zur Wohnungstüre hinausgekommen. Die Dinge in den Reisetaschen seien ihr Eigentum.

Der Vorsitzende des Schöffengerichts, Torsten Meyer, musste Polizisten und Sanitäter als Zeugen hören, nachdem die Angeklagte kaum Erinnerungen an ihre furiosen Auftritte im Polizeiauto, auf der Krankentrage und im Notfallzimmer des Klinikums mehr hatte. Die 37-Jährige wurde für den Einbruch freigesprochen, für die anderen Straftaten nicht.

Wegen ihrer Vorstrafen gab das Schöffengericht keine Bewährung. Die Frau, die zurzeit in Baden-Württemberg „weit weg von falschen Freunden“ lebt, ist zurzeit „clean“ und hat eine Arbeit. Für eine erfolgreiche Berufung am Landgericht wird sie allerdings noch mehr besondere Umstände vorweisen müssen.

 

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