Bayreutherin holt Tanz-WM-Titel Diana Starnets siegt mit Bremer Lateinformation in China

Die Bayreutherin Diana Starnets mit ihrem Tanzpartner im Oktober bei den Deutschen Meisterschaften. Mit der gleichen Choreografie wurde die Latein-Formation von Grün-Gold Bremen nun in China Weltmeister. Foto: vstudio.photos

BAYREUTH / SHENZHEN. Diana Starnets hat zwei Nächte vor ihrem großen Auftritt bei der Tanz-Weltmeisterschaft im chinesischen Shenzhen kaum ein Auge zugetan. Die gebürtige Bayreutherin wusste aber ganz genau: "Wenn es darauf ankommt, dann kann der Körper abliefern." Sieben Stunden Zeitverschiebung, Jetlag, Müdigkeit und Aufregung hin oder her. In unzähligen Trainingsstunden hat sie ihn auf diesen einen Moment vorbereitet. Und nun ist Diana Starnets Weltmeisterin im Latein-Formationstanz.

Noch im Juni dieses Jahres war sie von diesem Traum noch ganz weit weg. Natürlich - das Tanzen begleitet die 21-Jährige schon seitdem sie damit in der sechsten Klasse angefangen hat, als sie noch auf das Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium in Bayreuth ging. Ihre erste Tanzlehrerin war Andrea Hilger bei der evangelischen Familienbildungsstätte. Erfolg kommt nicht aus dem Nichts. Das wäre auf diesem Niveau auch gar nicht möglich. Aber noch in der ersten Jahreshälfte 2018 tanzte Diana Startnets für einen Verein in Nürnberg in der Regionalliga.

Beim Casting sofort ins A-Team

Was sich seitdem getan hat, verdankt sie auch ihrem Freund. Den besuchte sie im Juni in Hannover. Warum also nicht mal schnell eine Stunde mit dem Zug nach Bremen fahren, hat er ihr vorgeschlagen. Genauer gesagt: zum Casting des Tanzsportvereins Grün-Gold Bremen. Die Marke schlechthin im deutschen Tanzsport. Die Top-Tanzformation des Vereins erringt immer wieder deutsche, Europa- und Weltmeistertitel.

Die Castings dienen dazu, die Tänzer und Tänzerinnen in die Teams verschiedener Könnensstufen einzusortieren. Die Anfänger gehen in das E- oder D-Team. Wer schon was drauf hat, für den ist die C- oder B-Formation da. Für die junge Bayreutherin ging es etwas schneller. "Ich wurde nach dem Casting angesprochen, ob ich nicht am gleichen Abend noch ins Training beim A-Team kommen will." Sie berichtet das bei einem Telefonat aus China, wo sie nach der erfolgreichen Weltmeisterschaften am vergangenen Sonntag nun noch eine Show mit ihrer Formation tanzt. Und sie sagt: "Ich kann immer noch nicht glauben, dass das alles genau so gelaufen ist."

Jede freie Minute fürs Tanzen

Sie ging ins Training. Und danach sagten die Verantwortlichen in Bremen: Wenn sie nach Bremen umzieht, ist sie dabei. Sie überlegte kurz - und krempelte ihr Leben für den Tanzsport um. Diana Starnets zog von Nürnberg, wo sie zu diesem Zeitpunkt im fünften Semester Jura studierte, nach Bremen. Dort setzt sie ihr Studium nun fort. Und was an Zeit übrig bleibt, investiert sie ins Tanztraining. Die Formation trainiert drei Mal unter der Woche. Und in der Vorbereitung auf die WM waren an den Wochenenden zusätzlich Trainingslager von jeweils zwölf Stunden an zwei Tagen angesetzt.

Das harte Training hat sich ausgezahlt. Die 21-Jährige schaffte den Sprung in die Startformation bei der WM. China? Shenzhen? Eine Zwölf-Millionen-Metropole in der Nachbarschaft von Hongkong. "Das war ein krasser Sprung", sagt sie. Noch nie im Leben war sie so weit von zu Hause weg. Riesige Hallen, überall Fernsehkameras. Kaum Schlaf vorher. "Im Durchgang sind diese ganzen Stressfaktoren egal." Die acht Tanzpaare von Grün-Gold Bremen - die in China auch die Farben Schwarz, Rot und Gold vertraten - lieferten ihre Choreografie bei der ersten Tanz-Weltmeisterschaft auf asiatischem Boden besser als alle anderen ab. Der Jubel im Team kannte keine Grenzen, als die Jury verkündete: Deutschland, Grün-Gold Bremen, ist Weltmeister.

"Es ist eine Randsportart"

Nach der Weltmeisterschaft bleibt die Formation noch ein paar Tage in China und tanzt dort eine Show in Macau. Dann geht es mit dem Flugzeug von Hongkong aus zurück in die Heimat. In Bremen will sich Diana Starnets weiterhin auf beides konzentrieren - das Jurastudium und das Tanzen. Familie und Lebensgefährte - das Umfeld passt einfach, berichtet sie. "Alle unterstützen mich da", sagt die 21-Jährige. "Vor allem meine Mutter, auch wenn sie traurig ist, dass ich jetzt so weit weg bin." Von Bayreuth nach Bremen, das sind ohne Stau mindestens fünf Stunden mit dem Auto.

Kann man vom Tanzen leben? "Es ist eine Randsportart", sagt Diana Starnets. Man investiert in der Spitze also so viel Zeit wie ein Profisportler. Aber Geld verdient sie damit nicht. Ein Topverein wie Grün-Gold Bremen kann aber seinen Sportlern die Kostüme und die Reisen zu den Turnieren finanzieren. Aber viele Tänzerinnen und Tänzer machen später einen Trainerjob oder eröffnen eigene Tanzschulen. "Da ist so ein WM-Titel natürlich ganz gut", sagt Diana Starnets und lacht.

 

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