Bayreuther planen Großprojekt

Vinzenz Singer (rechts), Chef des Planungsbüros Singer Ingenieur Consult, und der in der Niederlassung Bayreuth für die Haustechnik zuständige Michael Meyer zeigen Pläne des Bauprojekts Green Brucklyn in Erlangen. Foto: Andreas Harbach

Es ist ein 100-Millionen-Euro-Projekt, das da in Erlangen entsteht. Für das neue Wohn- und Arbeitsquartier Green Brucklyn haben die Jost-Unternehmensgruppe als Entwickler und der Münchner Professor Mike de Saldanha ein revolutionäres, weil autarkes Energiekonzept erdacht. Für die Planung und technische Umsetzung der Haus- und Energietechnik des kürzlich mit dem renommierten Handelsblatt-Energy-Award ausgezeichneten Projekts sorgt das Bayreuther Planungsbüro Singer Ingenieur Consult.

Rund 1000 Menschen sollen im Erlanger Süden auf rund 21.000 Quadratmetern wohnen und arbeiten, wenn die verschiedenen Bauabschnitte wie geplant im Sommer 2020 fertiggestellt sind. Für den Bereich Haustechnik und Energie, der allein ein Investitionsvolumen von rund 28 Millionen Euro umfasst, sind geschäftsführender Gesellschafter Vinzenz Singer und seine Mitarbeiter verantwortlich. Die Federführung hat dabei die Niederlassung in Zwickau, einer von vier Singer-Standorten neben Bamberg, Kulmbach und der Zentrale in Bayreuth.

Weltweit einzigartiger Wasserstoff-Speicher

Das Besondere an Green Brucklyn: Die Energieversorgung des Quartiers soll völlig autark und möglichst nachhaltig sein. Hauptlieferant wird ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk sein, das die Kulmbacher Ago AG liefert. Hinzu kommen Photovoltaikanlagen auf allen Dächern sowie Geothermie mit einem Erdsondenfeld, die nochmal die Heiz- und Kühlleistung für umgerechnet 25 Einfamilienhäuser einbringen.

Und schließlich kommt ein von Fraunhofer mitentwickelter Wasserstoff-Speicher zur vorübergehenden Aufnahme überschüssiger Energie zum Einsatz, und das laut Singer zumindest in dieser Dimension weltweit zum ersten Mal. Der Vorteil: Seine Lebensdauer ist theoretisch unendlich, während diese bei Batterien, wie sie zunächst auch in der Diskussion waren, auf eine gewisse Anzahl von Be- und Entladungsvorgängen begrenzt ist.

Erfahrung mit Geothermie

Die Experten von Singer hatten und haben nun die Aufgabe, die komplette Haustechnik des Komplexes, auf dem die Bayreuther Firma Markgraf übrigens für den Bau eines Studentenwohnheims zuständig ist, durchzuplanen und die Umsetzung sicherzustellen. Ein Punkt, an dem auch die Erfahrung der Bayreuther Zentrale ins Spiel kommt. Bei der Geothermie zum Beispiel, die Singer gerade auch erst in einer großen Wohnanlage in Hamburg und beim neuen Verwaltungsgebäude des Netzbetreibers Tennet in Laineck eingeplant hat.

Dort sorgen künftig 80 Erdsonden, die bis in 100 Meter Tiefe reichen, für eine Heiz- und Kühlleistung von 500 Kilowatt, was wiederum für rund 125 Einfamilienhäuser reichen würde. "Eine Investition, die sich in neun Jahren amortisiert", sagt Michael Meyer, der in der Singer-Zentrale in Bayreuth für den Bereich Haustechnik verantwortlich ist.

Aufbruchstimmung wie nach der Wende

Die Geschäfte laufen gut, sagt Vinzenz Singer: "Im Baubereich herrscht derzeit eine Aufbruchstimmung wie zuletzt nach der Wende." Und so ist sein Planungsbüro, das mit seinen insgesamt 70 Mitarbeitern die Bereiche Haustechnik, Tragwerksplanung, Tief- und Ingenieurbau, Instandhaltung sowie Architektur abdeckt und damit dem Trend zur Generalplanung folgt, in Teilbereichen für das kommende Jahr schon komplett ausgelastet.

Kein Wunder, dass Singer neue Mitarbeiter sucht - 13 freie Stellen vor allem für Ingenieure weist die Homepage derzeit aus. Außerdem wird eigener Nachwuchs durch das Angebot eines dualen Studiums und Ausbildungsplätze herangezogen.

Herausforderung Digitalisierung

Die Digitalisierung ist auch bei Singer ein großes Thema, eröffnet ganz neue Möglichkeiten, bringt aber auch Herausforderungen finanzieller Art. So steht gerade eine Investition in mittlerer sechsstelliger Höhe an, um Hard- und Software zu beschaffen, die es ermöglicht, dass alle Beteiligten in einem virtuellen Raum in Echtzeit gleichzeitig an einem Projekt arbeiten können. Das dürfte den Planern dann auch bei einem Großprojekt zugute kommen. "Der Flughafen München will bis 2030 seine gesamten technischen Anlagen CO2-neutral betreiben", erzählt Vinzenz Singer. Daran hätten sich schon mehrere versucht, sein Büro habe jetzt ein Realisierungskonzept erstellt. Gibt es Anfang 2018 wie erhofft den Zuschlag, dürfte dieses Projekt Green Brucklyn sogar noch in den Schatten stellen.

INFO:Die Unternehmensgruppe Jost (Grünwald bei München) ist auch in Bayreuth nicht unbekannt. Wie berichtet, hat der Immobilienentwickler 2016 drei Grundstücke an der Universitätsstraße gekauft und plant dort den Bau eines Mini-Campus für studentisches Wohnen, Nahversorgung, Gastronomie sowie ein Technologie- und Gründerzentrum und ein Hotel.

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading