Bayreuther Festspiele Hermann Levis letzte Reise

Hermann Levi, gezeichnet von Franz von Lenbach. Illustration: Akg-Images

BAYREUTH/MÜNCHEN. Hermann Levi, Uraufführungsdirigent des „Parsifal“, soll endlich ein würdiges Grabmal erhalten. Die Israelitische Kultusgemeinde (Ikg) München will dafür die sterblichen Überreste des großen Dirigenten von Garmisch-Partenkirchen in die Landeshauptstadt umbetten lassen. Damit setzt die Ikg-Vorsitzende Charlotte Knobloch einen Schlusspunkt hinter das jahrelange Ringen um ein würdiges Andenken.

Hermann Levi soll seine Ruhestätte auf dem Neuen jüdischen Friedhof in München finden, neben dem Grab des Shoah-Zeugen Max Mannheimer. Man wolle mit der Umbettung dafür sorgen, „dass Levi so schnell wie möglich eine würdige Grabstätte erhält“, heißt es von der Israelitischen Kultusgemeinde in München. Was in Garmisch-Partenkirchen offensichtlich nicht möglich war: Der Aufgabe, die von den Nazis zerstörte Grabstätte zu restaurieren oder zumindest das Grab in einen würdigen Zustand zu versetzen, nahm sich die Marktgemeinde niemals an.

Hermann Levis Leistung für die Festspielstadt Bayreuth

Dabei gehörte Hermann Levi zu den großen Persönlichkeiten im Bayreuth der Festspielgründungszeit. Nicht nur, dass er den „Parsifal“ bei der Uraufführung am 26. Juli 1882 dirigierte; Levi gehörte auch zum engen Kreis derer, die den Bestand der Festspiele nach dem Tode Richard Wagners sicherten.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema:

Hermann Levi, der Richard Wagner ebenso verehrte wie er unter dessen Launen und judenfeindlichen Ausfällen litt, gehörte zu den Auserwählten, die Wagners Sarg trugen. Und er wurde zu einem der wichtigsten Mitstreiter von Cosima, die Levi als ihren „Major“ titulierte. Was ihn freilich nicht vor der kühl dosierten Verachtung Cosimas und der Feindschaft der Wagner-Apostel bewahrte.

1900 starb Hermann Levi in München. Sein Leichnam wurde nach Partenkirchen überführt und im Park seiner Villa in einem Mausoleum beigesetzt. Partenkirchen – das erst 1935 auf Druck Adolf Hitlers mit dem Nachbarort Garmisch zusammengelegt wurde – würdigte den großen Dirigenten und Ehrenbürger nach seinem Tod mit der Benennung einer Straße, die an seinem Anwesen vorbeiführte. Die Nazis jedoch tilgten das Andenken Levis: Sie zerstörten das Mausoleum. Die Straße wurde nach dem antisemitischen Publizisten Theodor Fritsch benannt. Nach 1945 war den Garmischern das Thema so peinlich, dass sie die Straße einfach in Karwendel-Straße umbenannten.

Gleichgültige Garmischer

An der Gleichgültigkeit der Garmisch-Partenkirchener sollte sich in den kommenden Jahrzehnten nichts ändern. Zwar blieb die Grabplatte Hermann Levis erhalten, doch hinter Holzstapeln und Bauschutt verborgen. Keine Tafel erinnert an Levi. Eine Initiative des SPD-Marktgemeinderats Alois Schwarzmüller zur Umbenennung eines Teils der Hindenburgstraße scheiterte. „Und zwar krachend“, wie sich Schwarzmüller erinnert. Auch sein Vorschlag, einen Teil des Kurparks nach Levi zu benennen, fiel durch. Die politisch Verantwortlichen machten um das Thema einen Bogen.

Anders bei Richard Strauss, dessen Villa im Ortsteil Garmisch steht. Levi hatte seine Begabung als Komponist entdeckt, was Strauss nicht daran hinderte, sich 1891 bei Cosima über die „Judenwirtschaft“ in Bayreuth zu beschweren. An Strauss erinnert die Marktgemeinde seit 1989 mit einem eigenen Festival.

Ein Park mit Levis Namen?

Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer zeigt mit dem Finger auf Amtskollegen vor ihr. „Letztlich haben es (...) alle Vorgänger von Frau Dr. Meierhofer bzw. die zuständigen Gremien versäumt, zielführende Entscheidungen zu treffen“, heißt es in einer schriftlichen Antwort der Marktgemeinde auf eine Anfrage des Kuriers. Weil es ihr „ein großes Anliegen“ sei, eine „würdige Erinnerungskultur an Hermann Levi zu etablieren“, habe die Bürgermeisterin Charlotte Knobloch um Rat gebeten. Die Ikg habe vorgeschlagen, Levi umzubetten, die Marktgemeinde will sich an den Kosten für das neue Grabmal beteiligen. „Daher erübrigen sich auch alle weitere Überlegungen zur Wiederherstellung des Grabmals am bisherigen Standort.“ Weitere Schritte, wie die Benennung eines Parks, würden selbstverständlich so bald wie möglich im Marktgemeinderat diskutiert.

Derlei versprach Meierhofer gegenüber dem Kurier schon vor zwei Jahren. Seit insgesamt vier Jahren ist sie Bürgermeisterin des Wintersportorts am Wettersteingebirge. Zielführende Entscheidungen wurden ihr nun abgenommen.

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading